Zwischen Neckar und Alb
Blutiger Bandenstreit: Angeklagte schweigen

Gericht Drei junge Männer müssen sich nach Auseinandersetzung wegen versuchten Totschlags verantworten.

Plochingen. Nach 45 Mi­nu­ten im Ge­richts­saal ist die Auf­takt­sit­zung ei­nes Pro­zes­ses mit Schwer­punkt Ban­den­kri­mi­na­li­tät am Land­ge­richt Stutt­gart be­en­det. Kei­ner der drei An­ge­klag­ten, de­nen ge­mein­schaft­li­cher ver­such­ter Tot­schlag, be­zie­hungs­wei­se die An­stif­tung da­zu, vor­ge­wor­fen wird, war am Diens­tag­ zu ei­ner Aus­sa­ge be­reit.

Die 20, 21 und 19 Jah­re al­ten Män­ner, die laut Staats­an­walt­schaft der 2013 ver­bo­te­nen Stra­ßen­gang „Red Le­gi­on“ na­he­ste­hen, sol­len am 13. Fe­bru­ar dieses Jahres an ei­ner blu­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zung in Plochin­gen be­tei­ligt ge­we­sen sein. Die Tat steht of­fen­bar im Zu­sam­men­hang mit ei­nem ver­such­ten Tö­tungs­de­likt am 8. Fe­bru­ar in der Nür­tin­ger In­nen­stadt. Die Staats­an­walt­schaft ver­mu­tet bei der Tat in Plochin­gen ei­nen Ver­gel­tungs­schlag der am Diens­tag an­we­sen­den An­ge­klag­ten ge­gen ei­ne Ess­lin­ger Gang. Bei­de Vor­fäl­le hat­ten gro­ße Po­li­zei­ein­sät­ze, teils mit Be­tei­li­gung des SEK, aus­ge­löst.

Nach­dem ei­ni­ge Ta­ge zu­vor zwei Mit­glie­der der Stutt­gar­ter Grup­pie­rung bei ei­ner Schlä­ge­rei in der Nür­tin­ger In­nen­stadt mut­ma­ß­lich durch die Ess­lin­ger Gang ver­letzt wor­den wa­ren - die Ge­richts­ver­hand­lung zu die­sem Vor­fall läuft noch - soll der 19-jäh­ri­ge An­ge­klag­te am 13. Fe­bru­ar den 20-jäh­ri­gen An­ge­klag­ten te­le­fo­nisch be­auf­tragt ha­ben, sich mit zwei Freun­den in Plochin­gen zu tref­fen, um dem Fri­seur­sa­lon des Geg­ners ei­nen Be­such ab­zu­stat­ten. Da­bei sol­len sie mit ei­nem Mes­ser und mit Pfef­fer­spray be­waff­net ge­we­sen sein.

Wie der Ver­tre­ter des Staats­an­walt­schaft aus der An­kla­ge­schrift zi­tier­te, ha­be der In­ha­ber die Si­tua­ti­on er­kannt und sei den drei Män­nern vor dem La­den be­geg­net. Er ha­be ver­sucht zu flie­hen, wor­auf­hin die An­ge­klag­ten ihn ge­gen 16.11 Uhr zu Bo­den ge­run­gen, ihm Pfef­fer­spray ins Ge­sicht ge­sprüht und auf ihn ein­ge­sto­chen hät­ten. Laut Staats­an­walt­schaft er­litt das Op­fer drei Stich­ver­let­zun­gen. Bei ei­ner da­von sei der Darm ver­letzt wor­den. Das Op­fer ha­be da­durch zwei Li­ter Blut ver­lo­ren und wä­re oh­ne ei­ne Not­ope­ra­ti­on ge­stor­ben.

Die mut­ma­ß­li­chen Tä­ter sei­en dar­auf­hin vom Tat­ort ge­flo­hen, wie der Staats­an­walt sag­te. Zwei Brü­der aus der Ess­lin­ger Grup­pe hät­ten die Ver­fol­gung auf­ge­nom­men. Der 21-jäh­ri­ge An­ge­klag­te sei in der Ess­lin­ger Stra­ße vor der Kreis­spar­kas­se ein­ge­holt wor­den, wo er von sei­nen Ver­fol­gern ver­letzt wur­de. Zwei der An­ge­klag­ten - der 20-Jäh­ri­ge und der 21-Jäh­ri­ge - sit­zen seit Fe­bru­ar in Un­ter­su­chungs­haft. Der 19-Jäh­ri­ge, dem vor­ge­wor­fen wird, die bei­den an­de­ren zu dem Ver­bre­chen an­ge­stif­tet zu ha­ben, ist auf frei­em Fuß. Die Ver­tei­di­ger der An­ge­klag­ten teil­ten am Diens­tag mit, dass sich ih­re Man­dan­ten erst in ei­nem spä­te­ren Ter­min zur Sa­che und zu ih­ren per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen äu­ßern wür­den - wenn über­haupt.

Ei­ner der bei­den Ver­tei­di­ger des 20-Jäh­ri­gen wand­te sich mit An­schul­di­gun­gen an die Staats­an­walt­schaft. Dem Bä­cker-Azu­bi wer­den zu dem ge­mein­schaft­li­chen ver­such­ten Tot­schlag in Tat­ein­heit mit ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung noch der Be­sitz und das Mit­füh­ren ei­ner halb au­to­ma­ti­schen Kurz­waf­fe so­wie das Han­deln mit Be­täu­bungs­mit­teln vor­ge­wor­fen. Der Rechts­an­walt warf der Staats­an­walt­schaft vor, sie ha­be die An­ga­ben, die der 20-Jäh­ri­ge ge­macht hat­te, „be­wusst ent­stellt“. Es sei „ein drit­ter Tä­ter er­fun­den“ wor­den, um sei­nen Man­dan­ten zu be­las­ten. Auch sei die Tat­zeit in der An­kla­ge­schrift falsch. Tat­säch­lich spricht der Po­li­zei­be­richt von 16.45 Uhr an­statt 16.11 Uhr. Sei­n Man­dan­t habe zum frag­li­chen Zeit­punkt te­le­fo­niert. Der Pro­zess wird am Mon­tag, 26. Ok­to­ber, fort­ge­setzt. Julia Theermann