Es ist ein sonniger Tag, sie sitzen um den weißen Gartentisch und spielen „Uno“: Birgit Zimmermann, zwei Mitarbeiter und die vier neuen Jungs, die im Badilisha Maisha Center (BMC) ein Zuhause auf Zeit gefunden haben. Malte, der Praktikant aus Deutschland, macht das Foto. Vergangene Woche sind zwei weitere Besucherinnen aus Birgits Heimat Bempflingen in Eldoret eingetroffen. „Meine Gäste haben Brezeln und Hefezopf vom Bäckerhaus Veit aus meiner deutschen Heimat mitgebracht“, schreibt Birgit Zimmermann in ihrer Whatsapp-Gruppe.
Nach einem längeren Heimaturlaub im letzten Sommer in Deutschland ist die Leiterin des BMC längst wieder in den Alltag in Kenia eingetaucht. Die neuen Jungen, denen mit Unterstützung des Vereins Eldoret Kids Kenia der Schulbesuch und die Rückkehr in ein normales Leben ermöglicht wird, haben sich gut eingelebt und helfen auch im BMC-Alltag mit.
300.000 Straßenkinder in Kenia
Die Sozialarbeiter haben die Buben buchstäblich von der Straße geholt. Es gibt etwa 300.000 Straßenkinder in Kenia. Die Familien leben in Armut, oft sind die Väter arbeitslos oder haben schlecht bezahlte Gelegenheitsjobs und der Lohn reicht nicht aus, um das Überleben der kompletten Familie zu sichern. Hinzu kommen soziale Probleme, wenn die Familienväter dem Alkoholismus verfallen sind und die Kinder seelischem und körperlichem Missbrauch ausgesetzt sind. Oft trennen sich die Eltern auch und die alleinerziehenden Mütter sind mit der Situation nicht selten überfordert.
„In Eldoret, der fünftgrößten Stadt Kenias, haben rund 75 Prozent der Straßenkinder Erfahrungen mit Drogen“, weiß Birgit Zimmermann, die jetzt seit 20 Jahren in Kenia lebt und sich um die Ärmsten der Armen kümmert. Der Alltag in diesem ostafrikanischen Land stellt auch Birgit Zimmermann und ihr Team immer wieder vor große Herausforderungen. Doch beim Blick zurück sagt sie: „Ich fühle mich hier sehr wohl und es macht mir Freude, das Leben von Kindern positiv zu verändern.“
Zusammen mit einer Freundin reiste sie 2005 als junge Frau nach Sugoi, um im Münsingen-Kinderheim mitzuarbeiten. Ihr hat die Aufgabe gut gefallen und sie entschied sich, länger zu bleiben. Die Kinder sind ihr ans Herz gewachsen. Ihr christlicher Glaube stärkt sie in diesem Tun und gibt ihr die Kraft zu dieser keineswegs leichten Aufgabe.
Die Erinnerungen an die 20 Jahre in Kenia sind nicht nur von schönen Ereignissen geprägt. Die Unruhen und Ausschreitungen in Kenia im Jahr 2008 bekam man auch im Münsingen-Kinderheim hautnah zu spüren. Maskierte überfielen damals die Gebäude, plünderten die Einrichtung und legten Feuer. Birgit Zimmermann musste barfuß flüchten. Zusammen mit einer kleinen Gruppe gelang es ihr, mithilfe eines Einheimischen zu Nachbarn zu flüchten und später mit dem Matata, einem Kleinbus, den ein Freund besorgte, nach Eldoret zu fahren. Dort fanden sie zunächst bei einer Familie Zuflucht. Aus Sicherheitsgründen reiste sie auf Anraten der Deutschen Botschaft nach Deutschland aus.
Doch nach Wochen daheim in Bempflingen zog es sie wieder zurück, um beim Aufbau des Münsingen-Kinderheims in Karai, außerhalb von Nairobi, zu helfen. „Für viele Kinder in Kenia ist das Leben auf der Straße ein täglicher Kampf ums Überleben“, weiß sie. Hier helfen zu können, gibt ihr ein gutes Gefühl und macht sie glücklich.
Dank Spenden gewachsen
Mit großer finanzieller Unterstützung des Vereins Eldoret Kids Kenia sowie mit großzügigen Einzelspenden von Firmen ist das Badilisha Maisha Center entstanden. Das erste Haus wurde 2014 bezogen. Heute gehören weitere Gebäude und auch Gewächshäuser mit Tomaten und Paprika zur Einrichtung. Es gibt sogar eine Fußballmannschaft des BMC, die in gespendeten Hoffenheim-Trikots zu den Liga-Spielen antritt und jetzt ihr zehnjähriges Bestehen feierte.
Ohne die Unterstützung aus Deutschland und die zahlreichen Spenden wäre vieles im BMC nicht möglich. Deshalb ist die Erzieherin für die regelmäßige Unterstützung sehr dankbar. Da sie vor ihrem Umzug nach Kenia auch als Erzieherin in Dettingen beschäftigt war, bestehen auch heute noch zur Evangelischen Kirchengemeinde Dettingen gute Kontakte. Und bei jedem Besuch in ihrer deutschen Heimat besucht sie auch die Freunde und Bekannten in Dettingen.
Weitere Infos unter: www.eldoret-kids.dev

