Mitgliederschwund
Das vorläufige Ende des Nürtinger Landfrauenvereins

Eine außerordentliche Versammlung der Nürtinger Landfrauen beschließt die Auflösung. 

Margarethe Bross (links) mit Petra Lippkau (Mitte) und Lore Breckel, die 25 Jahre lang den Nürtinger Landfrauenverein leitete, besprechen die Details der Auflösung. Foto: Nicole Mohn

Nürtingen. Wochenlang bemühten sich die Nürtinger Landfrauen um frische Kräfte für ihren Ortsverein und vor allem für die Vorstandsarbeit. Selbst Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich schaltete sich mit einem Aufruf in den sozialen Medien in die Bemühungen ein, die Landfrauen-Gruppe vor dem Aus zu bewahren. Die Resonanz blieb aus. Und so blieb den verbliebenen Mitgliedern nichts anderes übrig, als die Auflösung ihres Ortsvereins zu beschließen.

Seit über 55 Jahren engagieren sich Frauen aus Nürtingen und Umgebung bei den Landfrauen. Gemeinsam Neues lernen, sich sozial und politisch engagieren, Ausflüge, Vorträge und Workshops, aber auch der Austausch und das Miteinander prägten das Vereinsleben. Viele der 14 Landfrauen, die im Vereinsraum in der Neckarhäuser Beutwanghalle zusammensitzen, sind schon seit vielen Jahren mit dabei. Und so hängt dann auch spürbar Wehmut im Raum, als Petra Lippkau zum Grund der außerordentlichen Mitgliederversammlung kommt: der Auflösung des Ortsvereins zum Jahresende.

Gemeinsam haben die Frauen vieles erlebt. Und sind miteinander alt geworden. Verantwortung zu übernehmen, wie es Lore Breckel über 25 Jahre hinweg tat, das kann sich von den Seniorinnen keine vorstellen. „Hier feiern einige bald ihren 90. Geburtstag“, weiß die Vorsitzende der Nürtinger Landfrauen nur zu gut. Über die vergangenen Jahre hinweg ist die Zahl derer, die zu den Nachmittagen und Angeboten kommen, immer kleiner geworden. „Selber fahren kann ich nicht mehr“, bringt es eine von ihnen auf den Punkt, woran der Ortsverein unter anderem leidet. Wer keine Mitfahrgelegenheit hat oder nicht auf die Unterstützung der Familie zurückgreifen kann, dem fällt es schwer, am Vereinsleben weiter teilzunehmen.

„Es ist schade“, bedauert die Kreisvorsitzende Petra Lippkau, dass es nicht gelungen ist, eine neue Vorstandschaft für den Ortsverein zu gewinnen. Denn die Landfrauen haben vieles zu bieten. Nicht nur Wissen und Fertigkeiten, überdies ein großes Netzwerk. „Das Miteinander ist ebenso wichtig“, findet sie. Insbesondere die Möglichkeit, von Frau zu Frau zu reden und sich füreinander stark zu machen, ist ein Aspekt, den die Notzingerin, die sich auch im Landesverband engagiert, sehr schätzt.

„Aber aus dem Ärmel schütteln können wir die Leute nicht“, sagt die Kreisvorsitzende. Und so bleibt ihr und Lore Breckel an diesem Nachmittag nur, die versammelten Landfrauen um Zustimmung für die Auflösung des Nürtinger Ortsvereins zu bitten. Ein Beschluss, der einstimmig fällt – und doch so einigen in der Runde schwergefallen sein muss. Denn für sie sind die Dienstagstreffen eine feste Größe im Leben geworden.

In den kommenden Wochen wird nun der Verein offiziell abgewickelt. Das Programm mit den geplanten Referenten werden die Nürtinger Landfrauen noch durchziehen. „Und eine gemeinsame Weihnachtsfeier macht ihr auch noch“, schlägt Petra Lippkau vor. Sie lädt die Frauen ein, sich einem der anderen Ortsvereine im Kreis anzuschließen. Einmal im Monat, das jedenfalls planen Lore Breckel und ihre Stellvertreterin Margarethe Bross, wollen sich die Frauen aus dem Nürtinger Ortsverein künftig bei einem Bäcker in Großbettlingen treffen. Wie immer dienstags, denn: „Dienstags ist Landfrauentag“, sagt die Noch-Vorsitzende.

In Owen ist ein Neustart gelungen

Petra Lippkau hingegen hofft, dass sich in Nürtingen oder in einer der Nachbarkommunen wieder ein Landfrauen-Verein bildet. In Owen ist der Neustart zum Beispiel gelungen. Dort zählt der vor knapp zwei Jahren neu gegründete Ortsverein bereits über 100 Mitglieder. Auch in Stuttgart entstand ein neuer Ortsverein. „Das spricht die Leute an“, stellt die Kreisvorsitzende fest. Denn auch, wenn den Landfrauen nach wie vor der Ruf eines altbackenen Frauenvereins anhängt – die größte Frauenorganisation im Land hat weitaus mehr zu bieten als Rezepte und Basteltipps. Die Spanne reicht von sozialem Engagement bis hin zu nachhaltiger Lebensführung.

Die Programme der Ortsvereine sind dabei so unterschiedlich wie ihre Mitglieder: „Ihre Themen setzen sich die Frauen selbst, ganz nach Interesse und Aktualität“, erklärt die Kreisvorsitzende. Nicht zuletzt setzen sich die Landfrauen für Frauenrechte ein. „Und da sind wir schon eine Macht“, meint die Notzingerin.