Löcher im Fels haben seit jeher die Fantasie der Menschen beflügelt. So ist es kein Wunder, dass sich um den löchrigen Gelben Fels auf dem Teckberg eine Sage entsponnen hat. Oder war es doch die Wahrheit?
Der Ort des Geschehens ist nicht mit dem Auto erreichbar. So möchten wir eine Wanderung empfehlen – und damit sich unsere lieben Leser nicht verlaufen, greifen wir auf den ausgeschilderten Rundwanderweg „Hochgehadelt“ aus der Serie der „Hochgehberge“ zurück.
Start ist am Wanderparkplatz Hörnle oberhalb von Owen mit Grillstelle und großer Spielwiese. Hellgrüne Schilder mit weißer und gelber Schrift weisen den Weg. Die Tour führt zunächst auf die Burg Teck mit Einkehrmöglichkeit und folgt weiter dem Teckberg entlang. Hier kommen wir auch schon zum Handlungsort der Sage. Direkt neben der sehr interessanten Infotafel „Von Ameisenlöwe bis Zwergfledermaus“ geht es rechts zum Gelben Fels. Die gelbe Farbe verdankt er einem Eisenanteil im Kalkstein. Etwa 50 Meter weiter südlich führt ein schmaler Trampelpfad, den nur trittsichere Personen begehen sollten, bergab zum unscheinbaren Verena-Beutlins-Loch. Knapp einen Meter im Durchmesser, reicht es fünf Meter weit senkrecht in die Tiefe. Nach seiner Entdeckung vor über 500 Jahren wurde es verschüttet und erst 1960 wieder freigeräumt. Der Grund des Loches ist eben, dennoch eignet es sich kaum als dauerhafte Wohnstatt.

Noch ein Stück weiter unten, am Fuße des Gelben Fels, liegt der Eingang zur Veronikahöhle, die ursprünglich vermutlich mit dem Verena-Beutlins-Loch verbunden war und die schon eher wie ein Zuhause anmutet. Das drei Meter breite und sechs Meter hohe Eingangsportal überdacht einen heimeligen, ebenen Vorplatz, dann führt ein etwa zehn Meter langer, schulterbreiter Spalt in den ersten größeren Höhlenraum. Eine Stirnlampe, Taschenlampe oder die Leuchte des Smartphones werden nun nötig. Nach einem Rechtsknick führen einige Stufen bergauf, bis die Höhle nach rund 30 Metern in einem sehr geräumigen Dom endet. In dessen Mitte thront ein Felsklotz wie ein Tisch – saß hier Verena mit ihren Kindern beim Essen zusammen? Am hinteren Ende führt ein inzwischen verstürzter Kluftkamin hinauf – hat hier die verstoßene Frau über einem Feuer gekocht?
Wir steigen denselben Weg zurück und begutachten noch weitere Felsentore und Felsnadeln in diesem Schwammriff des Jurameers. Der Wanderweg führt weiter bis zum Sattelbogen, wo sich auch wieder eine Grillstelle befindet. Wer hier schon umkehren möchte, kann der Allee nach Bissingen folgen. Direkt am Ortseingang stößt man wieder auf die hellgrünen Schilder des Rundweges.
Steile Serpentinen winden sich zur Ruine Rauber hinauf, die mit einer großen Spielwiese und einer Grillstelle zum Verweilen einlädt. Auf dem weiteren Weg zur Diepoldsburg empfehlen wir das Erkunden der zehn Meter langen Rauberweghöhle, zu der linkerhand ein unübersehbarer, wenige Meter kurzer Trampelpfad hinauf führt.

Über den 813 Meter hohen Aussichtshügel Bühl mit freier Sicht auf die Teck erreicht man Ochsenwang mit einigen Einkehrmöglichkeiten. Über eine weitere Grillstelle geht es zum Breitenstein mit seiner malerischen Aussicht, bevor ein schmaler Pfad steil bergab führt in die Bissinger Eichhalde und am gegenüberliegenden Teckberg wiederum bergauf zurück zum Parkplatz.
Die gesamte Rundwanderung ist 12,9 Kilometer lang mit 580 Höhenmetern. Ohne die Abstecher zu den Höhlen wird eine Gehzeit von 4,5 Stunden angegeben. Außer dieser Runde „Hochgehadelt“ gibt es noch 21 weitere beschilderte Rundwanderwege in der Reihe der „Hochgehberge“ auf der Schwäbischen Alb zwischen 4,0 und 14,3 Kilometern Länge. Weitere Highlights dieser Serie sind beispielsweise die Premiumwanderwege „Hochgehträumt“ mit Schloss Lichtenstein und Nebelhöhle oder „Hochgehschätzt“ mit Wimsener Höhle, Glastal und Schloss Ehrenfels.
Infos zum genauen Streckenverlauf gibt es im Internet unter
www.hochgehberge.de
Verena Beutlin
Auf dem Teckberg, beim Gelben Felsen, befindet sich eine Höhle. Verena Beutlin soll dort einst mit ihren beiden Knaben in tiefster Armut gelebt haben, ausgestoßen von allen Menschen. Der Vater der Kinder sei ein verheirateter Mann aus Beuren gewesen, dem es nur heimlich vergönnt war, Fürsorge zu zeigen.
Ein rotes Tuch am Geäst und ein Feuer, dessen Rauchwolke dann den Berg umgab, signalisierten ihm, wenn Not war und die Vorräte ein Ende genommen hatten.
In tiefer Nacht versorgte er dann unbemerkt die Seinen. Als nun einmal ein harter Winter jegliches Durchkommen unmöglich machte, blieben auch die Notzeichen unbeantwortet. Verena, dem Hungertod nahe, schickte ihre Söhne hinunter nach Owen, um etwas Brot zu erbetteln. Die Bewohner ließen sich leicht erweichen und gaben den Ausgehungerten zu essen. Jeder fragte die Kinder nach dem Woher und Wohin – da brach das Schweigen der Buben.
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde in Owen. So konnte nur eine Hexe leben! Man zerrte Verena hinab vom Gelben Felsen in den Kerker der Stadt. Sie beteuerte ihre Unschuld, doch auf dem Scheiterhaufen wurde das Urteil vollstreckt. Das Schicksal der Söhne und ihres Vaters liegt im Dunkeln – man sagt, dass die beiden Buben in Beuren die Taufe erhalten haben und rechtschaffene Männer geworden sind – die Höhle aber heißt seither das „Verena-Beutlins-Loch“.
Quelle: www.burg-teck-alb.de/burg-teck/sagen-um-die-teck

