Er kreiert Mode für Menschen, die sich selbst in Szene setzen. Das ist auf Wesley Petermanns Homepage nachzulesen. Mit seinen Designs hat der 31-jährige Schweizer, der in Brasilien geboren wurde, in der Modeszene von sich reden gemacht. Jetzt leitet der kommunikative Künstler die Kostümabteilung der Esslinger Landesbühne. Die Ideen der Ausstatter umzusetzen, reizt den Modedesigner. Wie in seinem eigenen künstlerischen Schaffen liebt er es dabei aber, Grenzen zu überschreiten.
Theaterfest am Samstag
Auf das Theaterfest am Samstag, 13. September, freut sich Petermann. Um 17 Uhr steht im Schauspielhaus die Kostümversteigerung an. Da kommen viele der faszinierenden Kostüme unter den Hammer, die in den Werkstätten der Landesbühne entstanden sind. Bereits ab 13 Uhr dürfen sich die Gäste im oberen Foyer des Stadttheaters mit ausgewählten Kostümen verkleiden und dann in der Fotobox ablichten lassen. „Auf die Begegnung mit dem Publikum bin ich neugierig“, sagt Petermann.
Die Faszination, sich selbst in Szene zu setzen, habe den Künstler schon mit 14 Jahren gepackt. Da habe er Schauspielunterricht genommen und gelernt, sich selbst zu inszenieren. Mit 19 Jahren schloss er die Modeschule in Stuttgart ab. Mit der schwäbischen Kultur sei er also bestens vertraut.
Dann gründete er sein eigenes Modelabel Wisly – so sprechen die Schweizer seinen Vornamen aus. Etliche Künstler hat er mit seinen Pelzkreationen ausgestattet, darunter die Sängerin Toni Braxton. Dabei arbeitet Petermann oft mit recyceltem Pelz. Seit einiger Zeit hat er sein eigenes kreatives Schaffen auf Eis gelegt, denn er hat an der Semperoper in Dresden und an der Kölner Oper gearbeitet. Als Assistent der Kostümdirektion sammelte er in vielen Bereichen Erfahrung. Die Tätigkeit als Ankleider fand er ebenso spannend wie die Arbeit mit Kostümbildnerinnen und -bildnern. Schnelles Arbeiten, wie es das Theater erfordert, hat er auch als Schneider auf Kreuzfahrtschiffen gelernt.
Jetzt freut sich Petermann auf seine neue Aufgabe in Esslingen. Er ist für die Näherinnen, das Garderobenteam und die Ankleiderinnen zuständig. Mit Menschen zu arbeiten und sie zu motivieren, fällt dem neuen Chef leicht. Der kommunikative Designer setzt sich im harten Modegeschäft ebenso durch wie im Team einer Bühne, in der manches schnell gehen muss.
Besonders freut er sich darauf, mit den Kostümbildnern zu arbeiten. „Es kommt darauf an, ob sich ein Entwurf realisieren lässt oder nicht“, hat er in seinen Stationen am Theater gelernt. Selbst wenn die Näherinnen es möglich machen könnten, gehe es auch ums Finanzielle. „Wir haben einen Etat, mit dem wir auskommen müssen.“ Doch genau dieser Spagat reizt den Designer. Im Austausch mit den Ausstattern will er auch eigene Ideen einbringen und innovative Entwürfe möglich machen.
Gemeinsam eine Lösung finden
Dass er sich auch selbst mal an die Nähmaschine setzt oder zur Schere greift, ist für den Designer selbstverständlich. „Es muss schnell gehen, wenn jemand am Theater eine Idee hat“, ist ihm bewusst. Doch er weiß auch, „dass man die Regieteams immer mal wieder bremsen muss, wenn sich ein Entwurf einfach nicht umsetzen lässt“. Viel wichtiger sei es ihm, „gemeinsam eine Lösung zu finden, die für alle passt“. Wenn sich an der Esslinger Landesbühne alles eingespielt hat, will er aber auch wieder Mode für sein eigenes Label entwerfen.

