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Der Raum als „dritter Pädagoge“

Schule In den nächsten Jahren soll die Neidlinger Grundschule weiter modernisiert werden. Einstimmig vergab der Gemeinderat die Planung zur gründlichen Umgestaltung der Klassenzimmer. Von Peter Dietrich

Eine der neuen digitalen Tafeln der Grundschule Neidlingen im Einsatz, hier in Mathematik

Neben guten Lehrkräften brauchen Kinder in der Schule angenehme und flexible Klassenzimmer – auch für Gruppen- und Einzelarbeit. Dass ein gutes räumliches Umfeld den Lernerfolg fördere, quasi als „dritter Pädagoge“, sei durch Studien bestätigt, sagte die Rektorin Maren Spachmann im Neidlinger Gemeinderat.

Energetisch und technisch wurde die Grundschule Neidlingen 2015 modernisiert, die Hülle ist also in Ordnung. Lüftung, Elektroinstallation, Beleuchtung und EDV-Netzwerk sind neu. Das Brandschutzkonzept ist genehmigt, das Treppengeländer im Treppenhaus wurde 2023 erneuert – beim Vorgänger war der Abstand zwischen den Streben zu groß.

Doch es gibt weiterhin viel zu tun, etwa bei der Inneneinrichtung der vier Klassenzimmer. Die Kreide ist dort vor kurzem digitalen Tafeln gewichen, doch erst zwei der vier Klassenzimmer haben neue Einzeltische erhalten – die inzwischen auch schon wieder in die Jahre gekommen sind. Der Raum für die Kernzeitbetreuung ist mit selbst gebauten Regalen und Möbeln aus den Anfangszeiten der Grundschule ausgestattet, Stühle und Tische sind wohl über 60 Jahre alt. Auch in den Klassenzimmern gibt es ein Gemisch aus teils selbst mitgebrachten Regalen und Möbeln, uneinheitlich und überwiegend deutlich veraltet.

Die neue Möblierung für die Klassenzimmer soll eine Mischung aus fest verbauten und flexiblen Möbeln sein, sie sollen genügend Ablageflächen und Stauraum bieten. Bisher erfüllen die Klassenzimmer auch noch nicht die aktuellen Schallschutz-Standards. Spezielle Decken und Wandflächen sollen in Zukunft die Sprachverständlichkeit verbessern – dies kann vor allem für Kinder mit Einschränkungen entscheidend sein. Die Schule ist auch noch nicht barrierefrei. Mit einer Rampe und einem Lift im Treppenhaus – langsamer, aber günstiger als ein Aufzug – könnte sie es werden.

Der Schule fehlt dringend ein Raum für vertrauliche Gespräche, etwa mit Eltern oder dem Staatlichen Schulamt. Auch das Lehrerzimmer entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen, so fehlen Computer-Arbeitsplätze. Dort stehen alte Glasvitrinen und selbst aufgebaute Regale.

Grundlage der Planungen ist eine doppelte Feststellung: In Neidlingen besteht kein Bedarf für eine Ganztagsschule, die Kernzeitbetreuung mit derzeit rund 20 Kindern genügt als Angebot. Die Schule hat aber zugleich eine solide Zukunftsperspektive, in den kommenden Schuljahren werden jeweils zwischen 70 und 80 Schüler erwartet. Eine Schließung, die für kleine Schulen politisch im Raum steht, ist absolut nicht zu befürchten. Der Raumplanung ging ein pädagogisches Konzept voraus: Zuerst wurde überlegt, wie der Unterricht in Zukunft aussehen soll, danach, welche Räume dafür nötig sind.

Nicht alles kann in einem Schritt umgesetzt werden, als nächstes ist die Umgestaltung der Klassenzimmer an der Reihe. Mit der Planung hat die Gemeinde Neidlingen den Kirchheimer Architekten Jochen Stüber beauftragt. Er hat sich auf Bildungsgebäude spezialisiert, stellte im Gemeinderat als Referenz das Rohräckerzentrum Esslingen vor: Das 56-Millionen-Euro-Sanierungsprojekt hatte sich über 13 Jahre erstreckt. Auch die Modernisierung der Grundschule Bissingen an der Teck und der Teckschule in Dettingen/Teck hat Stüber geplant.

In seinem Vorentwurf für die Grundschule Neidlingen hat er einige Verschiebungen vorgesehen. Die Kernzeitbetreuung könnte aus dem Obergeschoss ins Nebengebäude, das frühere Hausmeisterhaus, ziehen. Dadurch gäbe es im Obergeschoss Platz für ein größeres Lehrerzimmer sowie ein getrenntes Rektorat und Sekretariat – das gibt es bisher nicht, es ist aber auch aus Datenschutzgründen sehr zu wünschen.

"Kinder suchen sich Plätze, an denen sie gut arbeiten können“, sagte Spachmann und unterstrich dies mit einem Foto von Viertklässlern, die auch mal zu zweit eine Treppe zum Lernen nutzen. Künftig muss es keine solche Treppe mehr sein. Auch die Lehrerinnern sollen neue Tische bekommen. Auf denen ist dann auch genug Platz für die Dokumentenkamera, die ihr Bild auf die neuen digitalen Tafeln wirft.