Forsteinrichtung
Der Schlierbacher Wald bleibt Erholungsraum

Der Gemeinderat setzt auf Walderhalt und natürliche Verjüngung statt Profit.

In Schlierbach setzt der Förster auf die natürliche Verjüngung der Eichen. Dafür muss ein Mastjahr abgewartet werden. Foto: Adobe Stock

Wie soll der Schlier­bacher Gemeindewald in den kommenden zehn Jahren bewirtschaftet werden? Darüber hatte der Gemeinderat mit dem Tagesordnungspunkt „Forsteinrichtung 2026 – 2035“ zu entscheiden. Sicher ist: „Der Schlierbacher Wald wird sich verändern“, sagt Thomas Maier, Leiter des Göppinger Forstamts. Grund dafür sind nicht nur die Rahmenbedingungen und Ziele, die sich die Gemeinde für die Waldnutzung gesetzt hat. Auch der Klimawandel erfordert eine stetige Anpassung des Waldes.

Für die Gemeinde steht der Erhalt des Waldes als Erholungsgebiet im Vordergrund. Damit er diese Funktion auch künftig erfüllen kann, soll in den kommenden zehn Jahren wie bisher das Augenmerk auf der Pflege des Waldes sowie dem Erhalt seiner ökologischen und klimaschützenden Funktionen liegen. Ob der Wald Gewinn abwirft, ist dabei weniger entscheidend, wie Bürgermeister Sascha Krötz betont: „Unser Ziel in der Waldbewirtschaftung ist eine schwarze Null.“ Eine Vorgabe, mit der Amtsleiter Maier und Revierförster Simon Zoller gut arbeiten können.

Wald an Klimawandel anpassen

Für die Forstexperten steht vielmehr die Frage im Vordergrund, wie sich der Wald an die Klimaveränderung anpassen kann. „Bei 2,5 Grad Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts werden wir hier klimatische Bedingungen wie in Südfrankreich haben“, erläutert Maier. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass vor allem die Fichtenbestände im Wald verschwinden werden. Heute schon sind nur noch 15 Prozent des Schlierbacher Gemeindewaldes Nadelbäume, der Rest sind Laubbäume mit einem hohen Anteil an Eichen von 35 Prozent. Insbesondere dieser Eichenbestand soll verjüngt und ausgeweitet werden. Das soll vornehmlich nicht über Neupflanzungen, sondern auf natürlichem Weg geschehen: mit den Eicheln Schlierbacher Eichenbäume.

Damit dieser natürliche Verjüngungsprozess gelingt, müssen jedoch umfangreiche Vorkehrungen getroffen werden. „Sobald die Eichel auf den Boden fällt, wird sie zur Mimose und muss ‚betüddelt‘ werden, sonst kommt sie nicht hoch“, beschreibt Maier das Grundproblem. Abhilfe schafft der sogenannte Eichenschirmschlag: Dabei wird in dem zu verjüngenden Areal zunächst ein Teil des Baumbestandes entnommen, damit ausreichend Licht auf den Waldboden fällt. Erst dann werden die Eicheln ausgebracht. Das Areal wird eingezäunt, um Wildverbiss zu vermeiden, und in den Folgejahren werden Pionierpflanzen wie Brombeere oder Weide regelmäßig zurückgeschnitten. „Da sieht dann der Wald ganz anders aus“, so Maier. Wann genau die natürliche Aufforstung beginnt, steht jedoch noch nicht fest: „Das hängt davon ab, wann das nächste Eichelmastjahr eintritt und die Bäume viele Eicheln produzieren. Da müssen wir dann spontan sein.“

Ergebnis: kleines Minus

Wie sich die Vorgaben aus der Forsteinrichtung im kommenden Jahr auswirken werden, zeigte Revierförster Simon Zoller bei der Vorstellung des forstwirtschaftlichen Betriebsplans für das kommende Jahr auf. Demnach sollen insgesamt 570 Festmeter Holz eingeschlagen werden. Der Plan rechnet dafür mit Erlösen aus dem Verkauf in Höhe von rund 41.000 Euro. Dem stehen Aufwendungen in Höhe von etwa 42.000 Euro, hauptsächlich für die Holzernte, Kulturen, Pflege und Wegearbeiten, gegenüber. Im Ergebnis steht also ein kleines Minus von knapp 1000 Euro. Der Gemeinderat beschloss die Forsteinrichtung für die kommenden zehn Jahre sowie den Betriebsplan 2026 einstimmig.