Investition
Der TSV Wernau bekommt einen Zuschuss für das Kunstrasenfeld

Der Gemeinderat Wernau bewilligt mit äußerst knapper Mehrheit rund 60.000 Euro. Der Platz soll vor allem der Fußballjugend zugutekommen.

Hier könnte der Kunstrasen für die Fußballjugend entstehen. Foto: Karin Ait Atmane
Hier könnte der Kunstrasen für die Fußballjugend entstehen. Foto: Karin Ait Atmane

Eine Stimme gab den Ausschlag: Mit neun Nein- und zehn Ja-Stimmen hat der Wernauer Gemeinderat beschlossen, dem TSV Wernau einen Zuschuss von knapp 60.000 Euro zum Bau eines Kunstrasenfelds auf dem Kehlenberg zu gewähren. Die Wernauer Bürgerliste (WBL), die Jungen Bürger (JB) und Klaus Locke von den Grünen befürworteten den Zuschuss und überstimmten damit die übrigen Fraktionen wie auch Bürgermeisterin Christiane Krieger. Diese hatte vorher gewarnt, die Stadt habe das Geld schlicht nicht und müsse die Haushaltsdisziplin wahren.

Das sahen auch die CDU, die Freien Wähler und die SPD so. Sie waren zwar damit einverstanden, dass die Stadt den Pachtvertrag mit dem TSV bis 2050 verlängert, was Voraussetzung für einen Zuschuss durch den Württembergischen Landessportbund (WLSB) ist. Zudem stimmten sie zu, als Stadt eine Ausfallbürgschaft zu übernehmen, damit der TSV das Sportfeld finanzieren kann. Aber Geld sollte aus Sicht der drei genannten Fraktionen nicht fließen.

 

 

Der Verein nimmt eine Menge Geld in die Hand. Das ist ein Riesen-Kraftakt.

Stefan Redle von der Wernauer Bürgerliste

 

Doch da war die andere Hälfte der Ratsrunde mit WBL, JB und den Grünen anderer Meinung. Sie hatten eine hauchdünne Mehrheit, auch, weil sich Horst Nannt (SPD) enthielt. „Der Verein nimmt eine Menge Geld in die Hand“, sagte Stefan Redle (WBL), das sei ein „Riesen-Kraftakt“, den man unterstützen wolle. Der Stadtrat erinnerte daran, dass man ja im Gegenzug in der vergangenen Sitzung ein von der Verwaltung vorgeschlagenes Stadtentwicklungskonzept abgelehnt hatte. Das wäre noch einiges teurer gewesen, womit aus Sicht seiner Fraktion ein Kostendeckungsvorschlag für den Zuschuss zum Kunstrasen gegeben war.

Der Turn- und Sportverein hatte bereits im Juni einen „Sondervorschlag Sportstättenbau“ vorgelegt: als Alternative zum Bau einer neuen Zweifeld-Sporthalle in Wernau, der zwar eigentlich schon beschlossene Sache ist, aber derzeit kaum finanzierbar erscheint. Dieser Vorschlag setzt alternativ auf eine relativ einfache „Halle mit Bewegungslandschaft“. Sie könnte von den Kunstturnern genutzt werden, die dringend Trainingsmöglichkeiten brauchen, aber auch von Schulen, Kindergärten oder dem Jugendhaus. Der Standort wäre folglich auf dem Katzenstein neben der Realschule.

Der Gemeinderat lässt diese Idee mit einer Machbarkeitsstudie prüfen, die nach Angaben von Bürgermeisterin Christiane Krieger derzeit noch läuft. „Wir rechnen mit einer Fertigstellung und Vorstellung im Gemeinderat Ende erstes, Anfang zweites Quartal“, erklärt sie. Nach aktuellem Stand gehe man von maximal fünf Millionen Euro an Kosten aus, so die Bürgermeisterin. Das wäre zwar mehr, als der TSV zunächst angesetzt hatte, aber noch immer viel weniger als die 11 bis 13 Millionen Euro, die für eine Zweifeld-Halle im Raum standen. Bauherr wäre der Turn- und Sportverein, wobei die Stadt die Kosten in Form eines Investitionszuschusses erstatten würde.

Das Kunstrasenfeld ist der zweite, kleinere Teil des Konzepts: Es soll die Größe eines D-Jugend-Felds haben und vor allem der Fußballjugend zugutekommen. Gerade in diesem Bereich sei der Bedarf besonders groß, erklärt der TSV-Vorsitzende Manfred Leutz. Der Verein rechnet dafür mit Kosten von rund 400.000 Euro, vom Württembergischen Landessportbund bekommt er einen Zuschuss von 58.500 Euro, von der Stadt nach dem aktuellen Beschluss ebenso viel. Hinzu kommen 40.000 Euro an Eigenkapital und ein Kredit, den der TSV – abgesichert durch die beschlossene städtische Bürgschaft – aufnehmen wird.

Am Vereinsstandort Kehlenberg ist Platz für dieses neue Feld, weil die bisherigen sechs Tennisplätze Schritt für Schritt aufgegeben werden. Die Abteilung Tennis kooperiert mit dem TC Wernau, die aktiven Spieler sind bereits ins Neckartal umgezogen. Derzeit laufe der Bauantrag beim WLSB für den Kunstrasenplatz. „Sobald wir die Baufreigabe haben, starten wir“, so Leutz. Er geht davon aus, dass die Arbeiten im Frühjahr beginnen.

 

Alternatives Sportstättenkonzept

Die nächsten Schritte Der Turn- und Sportverein stellt am Montag, 19. Januar das Projekt Kunstrasenfeld seinen Mitgliedern vor. Sie sind dazu ab 19 Uhr in die Kehlenberghalle eingeladen. Es wird über den Ablauf und die Termine gesprochen, ebenso über Kosten und Eigenleistungen. Dann muss das Projekt noch in einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen werden.

Vorbild in Weinstadt Eine „einfache Halle mit Bewegungslandschaft“ wie sie der TSV vorschlägt, besteht beispielsweise in Weinstadt und wird dort vielseitig genutzt. Eine Delegation aus Wernau hat kürzlich dieses „SG Cube“ besucht und sei zu dem Schluss gekommen, „dass so etwas funktionieren kann“, so der Vorsitzende Manfred Leutz.