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Dettingen fordert Tempolimit

Verkehrslärm Die Gemeinde Dettingen stellt mit vorwiegend alten Forderungen den Lärmaktionsplan neu auf. Tempo 50 auf der B 465 wurde neu aufgenommen. Man hofft, dass diesmal die Umsetzung erfolgt. Von Karin Ait Atmane

Die Bundesstraße 465 ist vielbefahren. Trotz der Verbesserung mit der Aufbringung von „Flüsterasphalt“ ist die Lärmbelästigung der direkten Anwohner enorm. Temporeduzierung und bessere Ampelphasen könnten die Belastung etwas abmildern. Foto: Tobias Tropper

Dettingen ist lärmgeplagt, vor allem die Autobahn im Norden und die Bundesstraße, die östlich am Ort entlangläuft, machen sich bemerkbar. In der Fortschreibung des Aktionsplans fordert die Gemeinde deshalb erneut einige Maßnahmen – die meisten davon nicht zum ersten Mal. Die Lärmaktionsplanung ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde; Dettingen hat sie 2009 erstmals erstellt und seitdem zwei Mal fortgeschrieben. 2024 steht nun „Stufe 4“ an.

Einiges wurde in der Vergangenheit schon verbessert: So wurde sogenannter „Flüsterasphalt“ auf der Bundesstraße (B 465) eingebaut und das Tempo auf 70 Stundenkilometer reduziert. Die Gemeinde hätte allerdings lieber nur Tempo 50 auf Höhe der Ortslage, das ist eine ihrer Forderungen. Sie möchte außerdem, dass die Knotenpunkte an der Bundesstraße beschleunigt werden, dass also der Verkehr an den Kreuzungen weniger lange bei laufenden Motoren aufstaut. Zudem sollen laute, zu schnell fahrende Fahrzeuge kontrolliert werden. Das gilt insbesondere für Motorräder, bei denen „Blitzer“ häufig nicht das Nummernschild erfassen. Sie müssen deshalb bei Kontrollen aus dem Verkehr ausgleitet werden. Dafür gebe es in Owen eine geeignete Bushaltestelle, merkte Bürgermeister Reiner Haußmann an.

Lärmschutzwand für die A 8

Für den Autobahnabschnitt, der an der Gemeinde entlangläuft, fordert Dettingen ebenfalls lärmmindernden Asphalt, außerdem eine Temporeduzierung um zehn Stundenkilometer auf 120 und eine Lärmschutzwand – so, wie es sie auf der gegenüberliegenden Seite, in Richtung Kirchheim, bereits gibt. Dettingen hat in diesem Bereich ein Gewerbegebiet, in dem höhere Lärmwerte akzeptiert werden müssen. Allerdings finden sich dort historisch gewachsen auch einige Wohnhäuser, beispielsweise im „Lindengarten“. Vielleicht erhöhe das die Chance auf eine Maßnahme, war die Hoffnung der Verwaltung. Die Lärmentwicklung liegt hier teilweise im „gesundheitskritischen Bereich“, ähnlich wie bei den Gebäuden nahe den Knotenpunkten an der Bundesstraße. Zu den geforderten Maßnahmen gehören außerdem Schallschutzfenster.

Neu ist lediglich die Forderung nach Tempo 50 auf der Bundesstraße, alle anderen Punkte wurden schon früher erfolglos beantragt. Denn bauliche Lärmsanierungen an bestehenden Straßen sind eine freiwillige Leistung des Straßenbaulastträgers, einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht. Auch für Tempolimits gebe es keine festen Grenzwerte, erklärt die Pressestelle des Verkehrsministeriums. Werte im gesundheitskritischen Bereich oder noch höher sollten aber möglichst vermieden werden.

Ohnehin keine Rolle spielt in diesem Plan der Lärm, der von kleineren Straßen wie beispielsweise der Ortsdurchfahrt Kirchheimer Straße ausgeht. Ebenso wenig werden Bahngeräusche betrachtet. Es geht also ausschließlich um Emissionen der Bundesstraße und der Autobahn.

Lärmaktionsplan liegt aus

Der Lärmaktionsplan liegt vom 25. März bis zum 19. April öffentlich im Dettinger Rathaus aus. Bürgerinnen und Bürger, die Anmerkungen haben, können dies bei der Gemeinde abgeben, die sie zusammen mit den genannten Forderungen an die zuständige Behörde weitergibt.

 

Mehr als 100 Dettinger sind betroffen

Wenn Menschen tagsüber einer Lärmbelästigung von mehr als 65 Dezibel (A) ausgesetzt sind wird dies als „gesundheitskritisch“ eingestuft. Nachts liegt die Schwelle bei 55 Dezibel (A). Liegen beide Werte um weitere 5 Dezibel höher, also bei 70 beziehungsweise 60 dB(A), besteht „vordringlicher Handlungsbedarf“.

In Dettingen sind den Berechnungen zufolge gut 130 Menschen mehr als 65 oder sogar 70 Dezibel am Tag ausgesetzt. Die Schwelle von mehr als 55 Dezibel in der Nacht wird bei knapp 190 Personen überschritten. aia