Von der Limburg über den Albtrauf bis hin zur historischen Burg Teck: Wer die Region rund um Kirchheim seine Heimat nennt, mag davon ausgehen, sie und ihre Wahrzeichen bereits in- und auswendig zu kennen. Doch es braucht nur ein klein wenig Mut, einen großen Schirm und etwas technische Unterstützung, um die Teckregion plötzlich aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.
Die Welt ist nie dieselbe von oben.
Marco Gotterbarm-Dangel, Fluglehrer
In Kooperation mit dem Heidengrabenzentrum bietet die Flugschule „Black Sheep Paramotor“ neuerdings Rundflüge mit dem Trike-Motorgleitschirm über die Teckregion und das ehemals größte keltische Oppidum in ganz Europa an. Anders als bei einem normalen Gleitschirm sitzen Pilot und Passagier dabei in einem dreirädrigen Fahrgestell und starten nicht von einer Anhöhe, sondern vom Boden. Die Rolle des Piloten übernimmt Marco Gotterbarm-Dangel aus Oberlenningen, der die Firma vor rund zwei Jahren ins Leben gerufen hat. Das Fliegen ist jedoch schon seit vielen Jahren seine große Leidenschaft – und die möchte er nur allzu gerne mit den Menschen der Region teilen.

Den ersten Kontakt mit dem Flugsport macht der heute 36-Jährige bereits im Kindesalter. Weil der Großvater begeisterter Gleitschirmflieger ist, ist der kleine Marco schon früh Stammgast auf dem Flugplatz. „Mein Opa hat mir das Fliegergen in die Wiege gelegt“, witzelt er.
Eine Leidenschaft wird zum Beruf
Mit Anfang 20 wagt sich Marco Gotterbarm-Dangel schließlich selbst via Gleitschirm in die Luft – damals aber noch ohne Motor – und kann gar nicht genug davon bekommen. Er absolviert einen Schein zum Gleitschirmpiloten, tritt in Wettkämpfen an und kommt viel auf der Welt herum. „Es ist ein sehr reiseintensives Hobby“, verrät der Oberlenninger, der zuvor in Karlsruhe lebte. Es bleibt jedoch nicht nur beim „normalen“ Gleitschirmfliegen: 2017 entdeckt er den Motorgleitschirm für sich; etwas später erwirbt er eine Lizenz für sogenannte Ultraleichtflugzeuge.
An diesem Punkt in Marco Gotterbarm-Dangels Leben gibt es „Black Sheep Paramotor“ noch nicht. Eigentlich hat der Flugenthusiast Grundschullehramt studiert und arbeitet nach dem Abschluss im Kindergartenbereich. So wirklich zufrieden ist er damit aber nicht. „Mir ist es wichtig, einen Beruf zu haben, für den ich mit 70 immer noch brenne“, erklärt er.

So beschließt Marco Gotterbarm Dangel, seinen alten Job hinter sich zu lassen und den Grundstein für eine langfristige Planänderung zu legen: Er beginnt eine Fluglehrerausbildung. Mit dem Abschlusszeugnis in der Hand macht er sich 2023 selbstständig und gründet die Flugschule „Black Sheep Paramotor“, in der er seit Neuestem zwar auch die Rundflüge anbietet, in erster Linie aber anderen Menschen das Fliegen beibringt. Da komme ihm sein Lehramtsstudium ganz gelegen, meint Marco Gotterbarm-Dangel. So könne er sein fliegerisches Talent mit seinem Händchen für das Lehren vereinen.
Aber ist das nicht gefährlich?
Natürlich, so Marco Gotterbarm-Dangel, ist ein Flug nie ganz risikofrei. „Im Bett liegenzubleiben ist die sicherere Option“, witzelt er. Gleichzeitig sei der Motorgleitschirm ein ziemlich sicheres Fluggerät. Statistiken legen nahe, dass die Maschine etwas gefährlicher als das Auto, dafür aber etwas weniger gefährlich als das Motorrad ist. Wie der Fluglehrer erklärt, geschieht die deutliche Mehrheit der Unfälle durch Pilotenfehler. Dieses Risiko habe er durch jahrelange Erfahrung, Wissen und klare Richtlinien minimiert.

In den beinahe 15 Jahren, in denen Marco Gotterbarm-Dangel nun schon fliegt, ist nur ein Mal etwas passiert. Bei einem Wettkampfflug in Slowenien – damals noch mit normalem Gleitschirm – missachtet er eine seiner eigenen Regeln, und der Schirm kollabiert. Er reagiert schnell und aktiviert den Rettungsschirm; der turbulente Abgang endet in einer Baumkrone. Körperlich geht es ihm gut, doch der Unfall hinterlässt psychische Narben. „Ich hatte danach Angst beim Fliegen“, gesteht Marco Gotterbarm-Dangel. Für eine Zeit lang löst jeder noch so kleine Wackler Panik in ihm aus. Tatsächlich ist es der Motorgleitschirm, der ihm schließlich hilft, seine Furcht zu überwinden.
Im Bett liegenzubleiben ist die sicherere Option.
Marco Gotterbarm-Dangel, Fluglehrer
Mittlerweile fliegt Marco Gotterbarm-Dangel wieder so gerne wie eh und je. Am Fliegen mit dem Motorgleitschirm schätzt er besonders die Ruhe und die Kontrolle: „Du bist langsam genug, um dir die Landschaft anzuschauen, kannst auf jeder X-beliebigen Wiese landen und deine Route generell flexibler anpassen.“
Einen schönsten Flug kann der Oberlenninger spontan nicht benennen. „Ich habe ständig schönste Flüge“, meint er nach kurzem Überlegen. Besonders gerne sei er im Spätherbst im Himmel unterwegs, wenn die Sonne die Wolken golden anstrahle. „Die Welt ist nie dieselbe von oben“, schwärmt Marco Gotterbarm-Dangel. „Es sieht jedes Mal anders aus.“ So wirklich könne und wolle er aber gar nicht in Worte fassen, warum er so gerne fliege, ergänzt er. „Das merkst du, wenn du oben bist. Vertrau mir!“

Kostprobe gefällig?
Wer sich traut, kann sich davon aber auch einfach selbst überzeugen. Der Rundflug mit dem zweisitzigen Trike-Motorgleitschirm dauert rund 45 Minuten, kostet 150 Euro und erfordert keinerlei vorherige Flugerfahrung. Der Startpunkt ist der Flugplatz Grabenstetten. Gemeinsam mit Marco Gotterbarm-Dangel können Interessierte die atemberaubende Aussicht über die Region und die ehemals keltische Siedlung zwischen Albtrauf und Albhochfläche genießen.
Die Buchungen sind exklusiv im Heidengraben unter info@region-heidengraben.de möglich. Mehr Infos gibt es unter https://www.region-heidengraben.de/projekte/blacksheep.

