Angefangen hat alles mit einem Unfall: Erich Witte hat es mit seinem Skateboard hingehauen. Volle Kanne – und das sogar aufs Gesicht. Das war so unangenehm und schmerzhaft, dass sich der Zehnjährige dachte: Das muss doch irgendwie anders gehen. Das soll keinem anderen Kind passieren, das versucht, Skateboardfahren zu lernen.
Dann kam ein Nachmittag, den Erich auf der Jugendfarm Echterdingen verbrachte, in der Werkstatt dort mit Holzstücken arbeitete – und schließlich abends mit einem Prototypen nach Hause kam: dem Prototypen des „Knieboards“, das er erfunden hatte. Das Knieboard funktioniert so, dass man es kniend fährt und sich mit den Füßen abstößt. Da man relativ nahe am Boden ist, ist die Sturzgefahr, um die es Erich ging, weitestgehend gebannt.
Knieboard statt Longboard
In der Werkstatt seines Vaters Ulrich Witte hat er weiter daran gearbeitet und einen zweiten Prototypen gebaut. „Da haben wir ein Longboard-Bauset genommen“, erzählt Erich, „und ich wollte noch eine Bremse einbauen, damit man auch gut anhalten kann.“ Die gibt es jetzt, sie ist mittig zwischen den beiden Stellen eingebaut, an denen die Hände platziert werden. Der Einstieg ins Boardfahren soll so einfach wie möglich sein mit dem Knieboard: „Man kann dabei gut lernen, sein Gleichgewicht zu halten“, erklärt Erich und demonstriert die rasante Fahrt auf dem Knieboard gleich. Auch seine Geschwister und Freunde haben das Knieboard schon ausprobiert. „Die finden es alle gut“, grinst Erich.
Das war viel Arbeit für den Zehnjährigen und den unterstützenden Vater. „Aber es ist toll zu sehen, wie Erich seine Idee umsetzt“, sagt Ulrich Witte. Witte war es auch, der vom Artur-Fischer-Erfinderpreis der Baden-Württemberg-Stiftung erfahren hatte und Erich vorschlug, teilzunehmen. Der Preis wird alle zwei Jahre ausgelobt und ehrt im Schülerwettbewerb auch die Nachwuchs-Erfinder.
„Das war spannend“, erzählt Erich. Sie wurden zum Finale eingeladen, und alle Finalisten konnten ihre Erfindungen in einer Ausstellung vor der Preisverleihung präsentieren. „Da waren auch viele Kinder, die haben alle das Knieboard ausprobiert und fanden es gut“, sagt er.
Es soll noch besser werden
Und dann kam die große Entscheidung: In der Altersklasse bis Klasse sieben gewann Erich den dritten Preis für sein Knieboard. „Ich musste auf die Bühne gehen, da habe ich eine Urkunde bekommen und ein Technikbuch“, erzählt er. Erich geht noch auf die Goldwiesenschule in Echterdingen, nach den Sommerferien wird er auf die weiterführende Schule wechseln. Bauen und werkeln gehört zu seinen Hobbys – er ist gerne auf der Jugendfarm Echterdingen und schafft in der Werkstatt.
Pläne für das Knieboard hat er auch noch: Optimieren möchte Erich seine preisgekrönte Erfindung als nächstes. „Ich will das Knieboard elektrisch machen, damit es von alleine fährt, und die Bremse verbessern – die schleift noch ein bisschen“, sagt er.

