You’ve Got a friend“, singt Sandra Schöne zur Gitarrenbegleitung von Johannes Hopf. Das passt und rundet den netten Empfang der Gastgeber perfekt ab. Man fühlt sich willkommen im DRK-Seniorenzentrum „Haus Kalixtenberg“ am Rande der Stadt Weilheim. „Am 13. Januar 2020 war der erste Spatenstich“, erinnert Stefan Wiedemann auch an die widrigen Umstände wie Corona. „Umso glücklicher, dass wir nun auf der Zielgeraden sind“, so der Geschäftsführer der DRK-Seniorenzentren Neckar-Fils gGmbH.
Die Anforderungen von morgen
„Das Haus Kalixtenberg ist seit 37 Jahren ein Ort der Geborgenheit, der Begegnung und der Fürsorge. Hier wurden Beziehungen geknüpft, Lebensgeschichten geteilt und Abschiede gestaltet“, sagt Simon Blessing, ehrenamtlicher Präsident des DRK-Kreisverbands Nürtingen-Kirchheim und ergänzt: „Dieses kulturelle und soziale Erbe hat uns durch die letzten Jahre getragen. Es ist die Seele des Hauses, die wir bewahren wollten, während wir zugleich die Bedingungen geschaffen haben, damit dieses Haus auch den Anforderungen von morgen gerecht wird.“
Mit Rückblick auf die „sechs Jahre intensive Arbeit“, die mitten in „zwei globalen Krisen mit Materialengpässen, Lieferverzögerungen, Preissteigerungen und Planungsunsicherheiten gestemmt wurde“, bedankt sich Simon Blessing bei den Wohnenden für deren „Geduld, Vertrauen und Verständnis in der Zeit des Baulärms, der Umwege, temporären Umzügen und zeitweise eingeschränkten Aufenthaltsbereichen.“ An die Belegschaft gewandt sagt er: „Sie haben den Alltag unter erschwerten Bedingungen organisiert, Prozesse ständig angepasst, zusätzliche Aufgaben übernommen und dennoch das Wichtigste nie aus den Augen verloren – die Menschen. Diese Leistung verdient höchsten Respekt.“

Für Bürgermeister Johannes Züfle, der „meistens zu den 90. Geburtstagen kommt“, ist es nun ein „völlig anderes Ankommen“. Er scherzt mit einem Augenzwinkern: „Während der Bauzeit war für die Bewohner mal was los in der Bude.“ Darüber hinaus lobt der Rathauschef das verbesserte Arbeitsfeld, die Investition in Einzelzimmer sowie die offene Gestaltung des „Mehrzweck-Hauses“ und nicht zuletzt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter auch die Ehrenamtlichen. „Das ist kein 08/15-Job, sondern ein Knochen-Job mit menschlicher Wärme. Die Hauptamtlichkeit und Professionalität ist das Eine, das Ehrenamt, das hier ein Umfeld schafft und wieder Fahrt aufnimmt, das Andere“, betont Johannes Züfle und fügt an: „Das Miteinander im sozialen Netzwerk Weilheim ist wichtig.“
Lacher gab es auch
Zum Musikstück „Time after Time“ können die Gäste das Gesagte sacken lassen. „Im Haus wird gelacht, geweint, gelebt, gestorben, geholfen und umsorgt. Großer Respekt vor Ihnen, für ihre Arbeit und Anwesenheit vor Menschen“, so Weilheims evangelischer Pfarrer Matthias Henning, der die lautesten Lacher mit seinem Geschenk einheimste. 50 Liederbücher mit dem Titel: Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder…, Herausgeber: die Evangelische Heimstiftung. „Die Lösung, ich habe jedes Buch einfach mit DRK-Seniorenzentren – Deutsches Rotes Kreuz überklebt.“

Die Schlüsselübergabe fand zwischen dem Architekten Andreas Schober, seiner Assistentin Caren Mayer sowie Einrichtungsleiterin Petra Schott und Pflegedienstleiterin Gabriella luculano statt. Letztere Mitarbeiterinnen erzählten von den „vielen Momenten“ während der Bauphase. Sei es das Arbeiten „ohne Heizung, bei 11-Grad Raum-Temperatur“ oder die „unmöglich umsetzbaren Telefonate beim Einsatz der Schlagbohrmaschinen“. Doch es gab ferner so manches zum Schmunzeln. „Unsere Ursel war neugierig, sie ließ sich auch von der Absperrung nicht abhalten, bis sie in die Baugrube rutschte“, erfahren die Gäste nicht zuletzt von einem Bauarbeiter, der „sein Geld buchstäblich im Schlaf verdiente – man entdeckte ihn schnarchend hinter einer Wand.“
Das sagt Architekt Andreas Schober
Unser Ziel war es: „Die Stärken dieses Hauses zu bewahren und fortzuführen. Nachhaltigkeit war für uns kein Zusatz, sondern ein zentrales Fundament.“ Erhaltung bestehender Strukturen, statt Abriss, verdichten (aufstocken und erweitern), Umsetzung neuer Dämmungen, moderneren Fenstern, optimierter Haustechnik, natürliche langlebige Materialien und Außenräume, die Jung und Alt zusammenbringen. Kosten: Etwa 13 Millionen Euro.
Sechs Wohngruppen tragen die Namen historischer Obstsorten, die sowohl Farbe als auch Charakter widerspiegeln. Westflügel „Birnengütle“ steht für Beständigkeit und Süße des Lebens, der Ostflügel „Äpfelgütle“ für Vielfalt und Reife. Gezielt erweitert und zu einem lebendigen Treffpunkt ausgebaut wurde der zentrale Verteilerbereich, der den öffentlichen Außenbereich mit dem internen Gartenhof verbindet und eine „natürliche Bewegungs- und Begegnungsachse schafft“. Geschenk: Ein Nachhaltigkeitsmobil mit der Möglichkeit, Bücher, Geschirr oder kleine Gegenstände hineinzulegen oder herauszunehmen.

