Natur
Ein Blütenmeer auf der Alb

Brigitte Niemela aus Ochsenwang hat einen grünen Daumen: In ihrem 500 Quadratmeter großen Gartenparadies sind besonders Rosen und Clematis die blühenden Stars. Angefangen hat alles auf einem kleinen Balkon in Paris.

Wo früher vor allem Streuobstbäume standen, blüht es in Brigitte Niemelas Garten in Ochsenwang heute in allen Ecken. Fotos: Carsten Riedl

In Paris war Brigitte Niemela in ihrem Quartier als die „Frau mit den Blumen“ bekannt. In den 90er-Jahren lebte und arbeitete sie mehrere Jahre in der französischen Hauptstadt. „Meine Wohnung mit einem kleinen Balkon lag nur wenige Gehminuten vom Arc de Triomphe entfernt. Mein Balkon war damals in meinem Viertel der einzige, der begrünt war. Auf ihm blühten Rosen und andere Blumen“, erinnert sich die heute 59-Jährige. Das sei die Zeit gewesen, in der sie sich mit dem „Rosen-Virus“ infiziert habe, fügt Brigitte Niemela hinzu und lacht. Eine Rosenart, die rosa blühende „Eden“-Rose, ist ihr aus ihrer Zeit in Paris geblieben und wächst heute in ihrem üppig blühenden Garten in Ochsenwang, der zu dem früheren Bauernhaus gehört, in das sie mit ihrem Mann 1999 gezogen ist.

Brigitte Niemelas grüner Daumen kommt nicht von ungefähr: Auf einem großen Hof in Bayern aufgewachsen, verbrachte sie schon als Kind viel Zeit im Bauerngarten der Oma. „Auch meine Mutter hatte einen großen Garten. Von ihr und der Oma habe ich die ersten Buchspflanzen ‚geerbt‘ und bei uns im Garten eingepflanzt.“ Der ist rund 500 Quadratmeter groß. Es blüht, duftet und summt in allen Ecken. Rund 100 Rosensorten und 150 Sorten Clematis mit allein schon gut 300 Pflanzen gedeihen heute in dem auf der Albhochfläche in knapp 800 Metern Höhe gelegenen Garten prächtig. „Er dürfte ruhig doppelt so groß sein, ich finde immer wieder neu Sorten, die ich gerne pflanzen würde, mir geht aber langsam der Platz aus“, sagt Brigitte Niemela und lacht.

Auch Kater Marley gefällt es im Garten. Foto: Carsten Riedl

Die Lage des Gartens sei klimatisch optimal für eine größere Auswahl unter den Sorten. „Bei uns oben sind es etwa vier bis fünf Grad weniger als im Tal.“ Zu Rosen und Clematis gesellen sich zahlreiche weitere Blumen, die sowohl in den Beeten als auch auf der auf einem Teil des Rasens vorhandenen Wildblumenwiese viele Insekten anlocken. „Früher war das hier eine Art Streuobstwiese. Heute haben wir noch drei alte Obstbäume“, erzählt Brigitte Niemela. Um die kümmert sich ihr Mann, ebenso wie um die Wildblumenwiese und den Teich. „Alles Blühende ansonsten ist mein Revier“, so die 59-Jährige.

Die duftende weiße Rose "Lykkefund" rankt über den gesamten alten Zwetschgenbaum. Foto: Carsten Riedl

Nachdem man durch den pink blühenden Rosenbogen in den Garten gelangt ist, sticht einem inmitten der Blütenpracht direkt der komplett mit einer duftenden weißen Rose überwachsene Zwetschgenbaum ins Auge. Unter ihm sei früher der Sandkasten der beiden Kinder gestanden. „Ich habe daher die Lykkefund, eine Rose ohne Stacheln, gepflanzt“, erklärt Brigitte Niemela ihre Wahl. Dazu handle es sich bei der dänischen Züchtung um eine sehr winterharte Sorte. Grundsätzlich rät sie dazu, beim Rosenkauf auf das ADR-Siegel (Allgemeine Deutsche Rosenneuheitsprüfung) zu achten, das seien dann sehr gesunde und widerstandsfähige Sorten.

„Ich liebe Rosen, viele von ihnen duften toll und blühen schön und lang“, sagt die Gartenexpertin, die sich ihr umfangreiches Wissen rund um die Rosen sowie ihr zweites großes Steckenpferd, die Clematis, nach und nach selbst angeeignet hat. „Clematis sind Kletterpflanzen und passen daher sehr gut zu Kletterrosen, wenn man die passenden Kombis wählt, etwa was die Blütezeit und Höhe der Pflanzen angeht“, so die Hobbygärtnerin. „Clematis haben zudem die gleichen Ansprüche an den Boden und sind total unempfindlich gegenüber Frost. Unser Boden ist besonders schwer und lehmhaltig. Ich verwende beim Pflanzen ergänzend eine Mischung aus Sand und Lavagranulat, um Staunässe zu verhindern. Gedüngt wird organisch/biologisch“, erklärt Brigitte Niemela, die Mitglied der International Clematis Society ist, einen eigenen Blog mit vielen wissenswerten Infos rund um die Pflanzung und Pflege hat und immer mal wieder auch Fachvorträge hält. Je nach Sorte könne man mit unterschiedlichen Clematis eine Blüte von März bis Oktober erreichen, bei Rosen von Juni bis in den Herbst. „Beim Standort für die Clematis gilt: die Füße im Schatten, den Kopf in der Sonne. Man muss einfach ausprobieren, wo sie am besten wachsen. Rosen sind dagegen eher Sonnenanbeter.“ In Kombination eignen sich bei der Anlage eines Gartens optisch zudem verschiedene immergrüne Pflanzen.

„Fertig ist man in einem Garten nie. Ich bin jede freie Minute in meinem. Aber für mich ist das keine Arbeit, sondern das reinste Vergnügen“, sagt Brigitte Niemela.

Clematis "Innocent Glance". Foto: Brigitte Niemela

 

Tipps und Infos zur Clematis

Schnitt Bei der Clematis gibt es drei Schnittgruppen. Es gilt: Je früher die Blüte, desto weniger schneiden. Keinen Rückschnitt benötigen die Frühjahrsblüher. Einen leichten Rückschnitt macht man bei den großblumigen Hybriden,die zweimal im Jahr blühen, sogenannte Frühsommerblüher. Ein starker Rückschnitt ist für die sommerblühenden Clematisund die Staudenclematis nötig.

Schädling Ungeöffnete oder angefressene Blüten können ein Hinweis auf den „Kalifornischen Blütenthrips“ sein. Er sitzt im Inneren der Knospen. Etwa seit 2017 tritt er hierzulande in Erscheinung. Ihm „schmeckt“ fast alles. Neben Clematis mag er etwa Rosen, Alpenveilchen, Gurken, Äpfel, Orchideen, Erdbeeren und vieles mehr. eis

Wissenswertes rund um die Clematis und ihre Pflege findet man auf Brigitte Niemelas Blog www.clematisworld.de