Zwischen Neckar und Alb
Ein Hoch auf die alte Technik

Tradition Tausende Besucher strömen zum 22. Museumsfest ins Freilichtmuseum Beuren und erleben eine Renaissance alter Techniken. Von Thomas Krytzner

Für viele ist das Museumsfest des Fördervereins Freilichtmuseum Beuren fester Bestandteil im Kalender. Das sonnige Wetter tat das seinige dazu, dass es auf dem Gelände nur so von Besuchern wuselt. Es gibt auch überall etwas zu sehen oder auszuprobieren.

Ob junge Anfänger mit Hammer und Meißel oder alte Könner mit Jagdhorn und Sense - beim Museumsfest im Beurener Freilichtmuseum f
Ob junge Anfänger mit Hammer und Meißel oder alte Könner mit Jagdhorn und Sense - beim Museumsfest im Beurener Freilichtmuseum freuten sich alle Besucher an der Renaissance alter Bräuche, Künste und Handwerkstechniken. Fotos: Thomas Krytzner

Gleich nach dem Eingang warten Kaninchen und Schafe schon darauf, von vielen Kinderhänden gestreichelt zu werden. Einige der Jungs und Mädchen trauen sich hinters Gatter direkt zu den Schafen. Andere verstecken sich lieber hinter dem großen Bruder oder der großen Schwester, um dann ganz zaghaft zu fühlen, wie sich so ein Schafsfell anfühlt. Manchmal ertönte auch der Ruf nach Hilfe, wenn das große Schaf zu nahe kommt. Den weniger Mutigen gefällt die Ausstellung der Jägervereinigung besser. Dort können die Waldtiere gefahrlos von Nahem betrachtet werden - sie sind ausgestopft.

Auf dem Rundgang durch das Museumsgelände begegnen die Besucher auch alten Techniken. So zeigen Handwerker, wie früher Holzschindeln hergestellt wurden oder Holzbalken behauen wurden. Viel Spaß haben vor allem die Jungs beim Steinmetz. Mit Schutzbrille bewaffnet, bekommen sie Hammer und Meißel in die Hand und dürfen einen großen Stein behauen. Erstaunt ist einer der Jungs, als sein Kumpel plötzlich ruft: „Ich habe einen Dinosaurier gefunden.“ Es macht ihnen sichtlich Spaß, zu sehen, wie Bröckchen für Bröckchen vom Stein wegspickt.

Die Bläser der Jägervereinigung Nürtingen bliesen zum ersten Mal am Museumsfest. Foto: Thomas Krytzner
Die Bläser der Jägervereinigung Nürtingen bliesen zum ersten Mal am Museumsfest. Foto: Thomas Krytzner

Die Mädels ziehen die Handarbeit und das Malen vor. Sie freuen sich, dass sie am Filz-Stand mit eigenen Händen eine Schnur filzen dürfen. Ebenso ein Hit ist das Stempeln und Malen mit Kartoffeln. Unzählige Formen und Farben warten nur darauf, auf Papier verewigt zu werden.

Blasende Premiere

Nicht nur die Kinder finden auf dem Museumsfest immer wieder Neues, auch Eltern und Großeltern gehen auf Entdeckertour. Da stehen auf der Wiese zum Beispiel einige alte Bulldogs herum, und die älteren Besucher erkennen die Vehikel sofort wieder. „Mit dem war ich auch auf dem Acker unterwegs“, hört man immer wieder erfreut rufen.

Plötzlich zückt einer der Männer bei den Traktoren eine Sense. Aber nicht etwa, um bedrohlich zu wirken, sondern um den Gästen die alte Technik zu zeigen. Als hätte er nie etwas anderes gemacht, schleift er zuerst das Messer der Sense und beginnt dann, das Gras zwischen den alten Ackerfahrzeugen zu mähen.

Dabei steht etwas weiter oben noch ein alter motorisierter Handmäher. Doch die „Freunde der alten Technik“ schwören auf die echte Handarbeit. Und schnell wird diskutiert, wie man die Sense richtig schwingt oder wer diese Kunst schon länger beherrscht. Die Besucher amüsiert‘s, und sie freuen sich, dass längst vergessene Arbeiten im Museum gezeigt werden.

Während das alte Spinnrad Wolle verarbeitet und dichter schwarzer Rauch aus dem Kamin des alten Backhauses aus Esslingen-Sulzgries steigt, ertönen unvermittelt Jagdhörner. Im Alb-Dorf haben sich die Bläser der Jägervereinigung Nürtingen versammelt, und es gibt eine Premiere. Zum ersten Mal sind die Männer und Frauen in Grün beim Museumsfest dabei. Viele Besucher fühlen sich zeitlich zurückversetzt, als der Jagdgruß ertönt. Der Dorfplatz füllt sich schnell, und die Zuhörer lauschen den Klängen der Bläser.

Einige sind jedoch beim Glücksspiel hängen geblieben. Die Volunteers-Aktion „Glücks-Momente“ bietet nämlich gebackene Glück-Igel zum Kauf an. Und in jedem achten Brötchen steckt ein Fotogutschein fürs museumseigene Fotostudio.