Podcast
Ein Redakteur gerät ins Kreuzverhör

Der Teckbote war im Tecktalk, dem neuen Interview-Format der Stadt Weilheim. Der Versuch einer Begegnung mit der Medienbranche und sich selbst. 

Diese drei freuen sich schon jetzt auf die geschnittene Folge: Thomas Zapp, Daniela Braun und Moritz Keller (v.l.). Foto: Leonie Wacker

Diese Fragen hat er sich bislang noch gar nicht gestellt: „Warum sind Sie Journalist geworden? Worüber schreibt man auf Mallorca? Was würden Sie einem Nachwuchsjournalisten auf den Weg gehen? Wären Sie lieber bei der Bild-Zeitung?“ Im gemütlichen Dachgeschosszimmer des neuen Weilheimer Rathauses will Hauptamtsleiterin Daniela Braun als „Podcast-Host“ all das wissen. und der Autor dieser Zeilen gerät über manche Antwort ins Grübeln.

Warum braucht es noch Lokaljournalismus?

Daniela Braun, im Hauptberuf Weilheimer Hauptamtsleiterin, will es im Tecktalk wissen.

Daniela Braun ist in ihrer zweiten Rolle bei der Stadt Weilheim gemeinsam mit Moritz Keller Co-Gastgeberin des Podcasts Tecktalk. Keller ist seines Zeichens bei der Agentur „Die Kavallerie“ für Texte und Konzepte zuständig.

Ein Podcast ist wie eine Radiosendung, die nicht live gesendet wird, sondern zu einem beliebigen Zeitpunkt abrufbar ist. Er besteht oft aus einer Serie von Beiträgen wie zum Beispiel Interviews und kann über Apps wie Spotify gehört werden. Nach Gästen aus der Weilheimer Wirtschaft war dieses Mal der „Weilheim-Korrespondent“ des Teckboten eingeladen. Eine ungewohnte Rolle: Sich selbst über den Kopfhörer zu hören und über sich selbst zu reden, ist für einen hauptberuflichen Fragesteller eine etwas merkwürdige Selbstbegegnung, vor allem wenn er später noch darüber schreibt.

Als Aufhänger jeder Folge dient ein persönlicher Gegenstand, den jeder Gast mitbringen darf. Hier ist es eine Tasse mit dem PMI-Logo für den Flughafen von Palma de Mallorca. Mehr als elf Jahre war der Flughafen Ein- und Ausgangstür zwischen Arbeitsort und Heimatort für den heutigen Weilheim-Berichterstatter.

Mallorca mit seinen damals drei deutschen Wochenzeitungen und dem deutschen Radiosender war der erste Arbeitsort im Sehnsuchtsland Spanien für den Journalisten. Nach holprigem Start ging es über die Umwege Augsburg und spanisches Festland wieder auf die Insel. Was man da so schreibt? Über vieles, von der verfallenen Boris-Becker-Finca bis zu den Tücken des Alltags, von denen die spanische Verwaltung reichlich zu bieten hat. Bürokratiewahnsinn beherrscht man dort auch.

Zu den Fragen, die man sich selbst nie gestellt hat: Warum ist man eigentlich Redakteur geworden? Das Nachdenken unter dem Kopfhörer bringt es zutage: Inspiriert wurde er auf einer ansonsten eher wenig inspirierenden Berufsorientierungswoche auf dem Bielefelder Gymnasium. Damals erzählte der ehemalige Mitschüler und spätere Bild-Chefredakteur Kai Diekmann der Schulklasse von seiner aufregenden Arbeit. 

 

Medien im Krisenmodus

Als Spätfolge hat der Autor dieser Zeilen in den späten 90er Jahren das Schreiben zum Hauptberuf gemacht. Aber nie bei der Bild-Zeitung: Den Menschen, über die man schreibt, später gefahrlos begegnen können, dieses Plus überwiegt die Karrierechancen bei der Bild-Zeitung.

„Berufsbegleitend“ für den Interviewten ist seit dieser Zeit die Dauerkrise der Medienbranche: wegbrechende Umsätze im Werbemarkt, sinkende Auflagen, Gratis-Konkurrenz durch das Internet.

Berechtigt ist die Frage von Daniela Braun: „Warum braucht es in Zeiten von KI Journalismus? Warum braucht es Lokaljournalismus?“ Antwort: Weil es hier um Informationen aus erster Hand geht, die Leute unmittelbar betreffen, weil „echte“ Köpfe hinter den Informationen stehen. Und weil KI viel digitalen und Social Media viel anonymen Unsinn produziert. 

Daher auch der Rat an journalistischen Nachwuchs: Nicht zu sehr auf KI-Infos vertrauen. Auch sind Internet-Pöbler auf Social Media keine guten Zitate-Geber. Denn dort wird polemisiert, das spiegelt nicht die Gesellschaft wider. Der persönliche Kontakt im Weilheimer Café, das Telefonat, mag alt hergebracht, vielleicht etwas angestaubt sein, bringt echte Informationen.

Gibt es Hoffnung für Zeitung und Co? Ein klares „Ja“! Denn neue Formen und neue Formate – wie der Podcast – bedeuten auch neue Möglichkeiten, etwa Werbevideos neben ein „Reel“ (Kurz-Video) zu einer Veranstaltung zu schalten. Einander medial befruchten geht ja auch, siehe dieser Podcast. 

Ob all das die Weilheimer Zuhörerinnen und Zuhörer interessiert? Die Klickzahlen werden es belegen. Spaß gemacht hat das „Kreuzverhör“ allen Beteiligten, das bestätigen die konsultierten Quellen einstimmig aus erster Hand.

 

Info: Die Folge wird in etwa zwei Wochen auf bekannten Podcast Portalen unter „Tecktalk“ zu hören sein.