Trauer
Ein würdiger Ort für die Sternenkinder

Am Dienstag, 21. April, findet eine ökumenische Bestattungsfeier für die Allerkleinsten auf dem Esslinger Ebershaldenfriedhof statt.

Pfarrerin Irene Palm (links) und Pastoralreferentin Susanne Herzog stehen am Gedenkstein für Sternenkinder auf den Ebershaldenfr
Pfarrerin Irene Palm (links) und Pastoralreferentin Susanne Herzog stehen am Gedenkstein für Sternenkinder auf den Ebershaldenfriedhof in Esslingen. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

„Ruhestätte für Kinder, die zu klein oder zu krank waren, um mit uns zu leben“: So steht es auf einem schlichten Stein am Rande des Kindergrabfelds auf dem Esslinger Ebershaldenfriedhof. Hier werden totgeborene Kinder bestattet, die ein Gewicht von weniger als 500 Gramm hatten. Die Kliniken Esslingen und Ostfildern-Ruit lassen sie gemeinsam kremieren und zweimal im Jahr in einer Sammelurne bestatten. Am Dienstag, 21. April, findet wieder eine Trauerfeier für diese Allerkleinsten statt. Gestaltet wird sie von den beiden Klinikseelsorgerinnen Irene Palm aus Esslingen und Susanne Herzog aus Ruit.

„Für Eltern von totgeborenen Kindern ist es wichtig, einen würdigen Ort zu haben, wo sie trauern können“, sagt die evangelische Pfarrerin Irene Palm. Eine nach oben offene Spirale aus hellem Kalkstein schmückt das Kindergrabfeld. Die Skulptur hat der Esslinger Steinmetz Claus Birkle gestaltet. Den Rand säumt der Vers „Du kamst, du gingst mit leiser Spur/Ein flücht´ger Gast im Erdenland;/Woher? wohin? Wir wissen nur:/Aus Gottes Hand in Gottes Hand.“ Er stammt aus Ludwig Uhlands Gedicht „Auf den Tod eines Kindes“. Die Stele wurde, ebenso wie das Grabfeld 2001 von den damaligen Klinikseelsorgerinnen Gertraude Kühnle-Hahn und Ute Wolff initiiert.

„Zu wissen, dass ihr Kind hier begraben ist und nicht wie früher von den Kliniken entsorgt wurde, tröstet Eltern. Ihre Trauer hat damit einen Ort bekommen“, weiß die katholische Pastoralreferentin Susanne Herzog. Die Kinder, die die beiden Seelsorgerinnen bestatten, sind im Mutterleib oder bei der Geburt gestorben. Sternenkinder werden sie oft genannt. Eine Taufe ist dadurch meist nicht möglich. „Kinder werden nicht erst durch die Taufe Kinder Gottes“, betont Susanne Herzog. „Gerade weil es Zeiten gab, wo das anders gesehen wurde und dadurch Menschen unendlich verletzt wurden, ist es wichtig, dass wir diese Kinder würdig bestatten“, ergänzt Irene Palm. Auch Föten aus Schwangerschaftsabbrüchen sind darunter. „Wir bestatten all diese Allerkleinsten. Das ist unser Dienst als Kirche an diesen Kindern und Eltern“, betont Susanne Herzog. „Wo Frauen eine solch schwierige Entscheidung für einen Abbruch getroffen haben, wollen wir als Kirchen uns nicht raushalten“, ergänzt Irene Palm. Oft hätten Eltern das Bedürfnis, dem verstorbenen oder vom Tod bedrohten Kind noch einen Segen zuzusprechen. Manchmal machten dies auch Ärzte oder Hebammen in den Kliniken. „Das dürfen alle Menschen“, betont die Pfarrerin.

Trauerfeier auf dem Ebershaldenfriedhof

Zur Trauerfeier für die Allerkleinsten sind Eltern aller Religionen und Konfessionen aber auch solche ohne religiöse Überzeugung eingeladen. Sie findet in der Trauerhalle auf dem Ebershaldenfriedhof statt. Neben Gebeten und einer Ansprache gibt es Musik und Kerzen als Hoffnungslichter. Eltern könne die Namen ihrer Kinder verlesen lassen. Anschließend geht es zum Kindergrabfeld, wo die kleine Urne in einem Blumenkranz in die Erde gelassen wird. Es ist eine christliche Trauerfeier, doch muslimische Eltern könnten am Grab auch eigene Gebete sprechen, sagen die Klinikseelsorgerinnen. Oft nehmen Elternpaare, manchmal aber auch Einzelpersonen an der Trauerfeier teil. Zuweilen seien es aber auch größere Gruppen, erzählt Irene Palm. „Es ist berührend zu sehen, dass da eine ganze Familie um ein Kind trauert.“

Eltern seien dankbar für die Trauerfeier und schätzten es, dass sie den schweren Weg des Abschieds in Gemeinschaft mit Menschen gehen könnten, die ähnliches erlebt haben, sagt Susanne Herzog. Auch an den beiden Seelsorgerinnen geht diese Trauerfeier, die jeweils im April und Oktober stattfindet, nicht spurlos vorbei. „Das Schicksal der Eltern berührt auch uns und macht uns manchmal sprachlos. Da ist es gut, dass wir zu zweit sind“, erzählt Irene Palm. Die Bestattung ist anonym, doch die vielen kleinen Figürchen, Kerzen, Steine oder Blumen, die auf den beiden Schalen am Rande des Feldes platziert werden, zeugen davon, dass Eltern ihrer verstorbenen Kinder gedenken wollen. Die abgelegten Gegenstände werden allerdings vor der nächsten Trauerfeier weggeräumt.

Die Sammelbestattung mit Gedenkfeier als Angebot der Klinikseelsorge ist nur eine Möglichkeit, die Allerkleinsten zu bestatten. Eltern haben auch selbst die Möglichkeit und teilweise die Verpflichtung, für die Bestattung zu sorgen.

 

Die nächste Trauerfeier mit Urnenbestattung für die Allerkleinsten findet am Dienstag, 21. April, um 15 Uhr in der Trauerhalle auf dem Ebershaldenfriedhof statt. Eingeladen sind alle Eltern, An- und Zugehörigen von totgeborenen Kindern, die in den Kliniken in Esslingen und Ostfildern-Ruit zur Welt kamen. www.ev-kirche-esslingen.de