In Zeiten knapper Kassen bei öffentlichen und kirchlichen Trägern kann ein baufälliges Dach zu einem großen Problem werden – zumal wenn es sich um das Dach einer mehr als 500 Jahre alten spätgotischen Kirche handelt. Doch wohl dem, der gute Verbindungen hat, und die hat Weilheims evangelische Gemeinde.
So ist der ehemalige Bürgermeister des Städtle, Hermann Bauer, gut bekannt mit Hans Weil, seinem langjährigen, ehemaligen Amtskollegen aus Köngen. Jener Hans Weil wiederum sitzt im Stiftungsrat der Ehmann-Stiftung, die ein ehemaliger Köngener Unternehmer in der Schweiz gegründet hat. Weil hat in dieser Stiftung für das Ansinnen der Stiftung Peterskirche geworben, das Dach des emblematischen Gebäudes zu erneuern.
Sein Werben war von Erfolg gekrönt: Am 17. November hat der Stiftungsrat der Ehmann-Stfitung der Förderung der Dachsanierung zugestimmt und die stolze Summe von 300.000 Euro zugutekommen lassen. „Die Förderzusage ist für uns in Weilheim eine Freude und Ehre zugleich“, sagt Pfarrer Matthias Hennig.
Die Ehmann-Stiftung hat einen fantastischen Aufschlag gesetzt.
Matthias Hennig, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Weilheim
Es waren freilich nicht nur freundschaftliche Motive, die zu der Spendenzusage führten. Die Peterskirche hat einige Besonderheiten, die ihr die Zuwendung verdanken. „Die Peterskirche hat den Bildersturm während der Reformation weitestgehend unbeschadet überstanden“, erklärt der Gemeindepfarrer. So ist im Kirchenschiff ein Wandgemälde aus den Zeit vor der Reformation 1534 erhalten. „Dabei handelt es sich um ein Kulturgut mit Alleinstellungsmerkmal in Württemberg“, sagt der ehemalige Bürgermeister.
Zur Peterskriche hat Bauer eine besondere Verbindung: Er war Bürgermeister im Städtle, als der Innenraum der Kirche in den Jahren 1982 bis 1985 aufwändig dekoriert wurde. „Wie damals auch habe ich mir nun wieder Gedanken gemacht zu externen Fördermöglichkeiten“, erzählt er. Umso glücklicher ist er nun über den jüngsten Erfolg: „Damit ist diese segensreiche Förderung nun zu einem guten Abschluss gekommen.“
Mit der Großspende und dem Geld von der evangelischen Landeskirche aus Kirchensteuern sowie weiteren Zuschüssen vom evangelischen Kirchenbezirk Kirchheim ist zwar ein Großteil der geschätzten 2,5 Millionen Euro für die Dach- und Wandsanierung gesichert. Aber noch gibt es ein Delta, das weiß auch Matthias Henning. „Jetzt liegt der Ball bei den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort.“ Es geht um 400.000 Euro: „Diesen Betrag müssen und möchten wir 2026 zusammenbekommen“, sagt der Gemeindepfarrer. Die 2009 gegründete „Stiftung Peterskirche“ hat das Jahr 2026 daher zum Spendenjahr ausgerufen. Dabei geht es auch musikalisch zu, gleich zu Jahresbeginn mit dem Trio zum Dreikönigstag mit Musik für Orgel, Trompete und Posaune – natürlich in der Peterskirche. Gelegenheiten für weitere Spenden gibt es das ganze Jahr über verteilt, schließlich soll es 2027 mit der großen Renovierung losgehen.
Dass die Weilheimerinnen und Weilheimer „Spendensammeln“ können, haben sie schon in laufenden Jahr mehrfach bewiesen: mit mehr als 10.000 Euro beim Weilheimer Sponsorenlauf, mit mehr als 100 Kindern, oder 15.000 Euro nach einem Spendenaufruf der evangelischen Kirchengemeinde im Oktober.
Sanierungsbedarf: dringend
Für das Projekt der Sanierung von Dach-, Gewölbe- und Außenwand der Peterskirche sind 2,5 Millionen Euro eingeplant. Die Maßnahmen sollen im März 2027 starten und werden etwa ein Jahr dauern. Ziel ist es, das Dachtragwerk der 1489 bis 1492 errichteten Kirche unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes wieder instand zu setzen. Seit der letzten Eindeckung 1969 haben Wind, Nässe, Pilz und Insekten für zahlreiche Schäden gesorgt, unter anderem Risse im Dachgwölbe. Seit 2017 wurden fünf gebrochene Gewölberippen festgestellt. zap

