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Eine imposante Seltenheit

Musik Die Tuba ist das Instrument des Jahres 2024. Trotz ihrer wichtigen Funktion in Blas- und Sinfonieorchestern wird sie nicht von vielen gespielt. Von Rainer Kellmayer

Obwohl sie als Bassinstrument in Blas- und Sinfonieorchestern eine überaus wichtige Funktion hat, ist die Tuba ein eher seltenes Instrument: Von den 1,4 Millionen Schülerinnen und Schülern an den deutschen Musikschulen spielen lediglich 1700 die Tuba. „Derzeit haben wir leider keinen Tubaspieler an unserer Schule“, bedauert Daniela Rathay, die Leiterin der Musikschule Kirchheim.

Etwas besser sieht es bei den Musikvereinen aus, bei denen die Tubisten für die Grundierung des Klangs und den rhythmischen Drive zuständig sind. Freilich werden die Spezialisten der tiefen Töne in den Vereinen zumeist aus der Riege der anderen Blechblasinstrumente rekrutiert. „Ich habe zunächst Bariton und Bassposaune gespielt, ehe ich 2009 auf die Tuba wechselte“, erzählt Bernhard Znaimer, der bei der Stadtkapelle Kirchheim für das Fundament des Orchesterklangs sorgt. Er liebt die tiefen Töne, insbesondere die Pedaltöne, die in die untersten Regionen der Tonskala abtauchen.

Der passionierte Musiker ist gespannt auf das traditionelle „Concerto“ am 17. März in der Stadthalle. Dann wird die Stadtkapelle Kirchheim mit dem renommierten Tubisten Andreas Martin Hofmeir als Solisten das Concerto Nr. 2 op. 67/2 für Tuba und symphonisches Blasorchester des Münchener Komponisten Jörg Duda spielen. „Von Koryphäen wie Hofmeir kann man immer etwas lernen“, ist sich Bernhard Znaimer sicher.

Die Tuba ist eine imposante Erscheinung: Je nach Größe bringt sie zwischen zehn und 20 Kilogramm auf die Waage. Damit ist die Tuba eines der Schwergewichte unter den Musikinstrumenten. In ihrem gold- oder silberglänzenden Outfit sieht sie nicht nur blendend aus, sie liefert auch einen wunderschönen Klang – mal voluminös und edel, dann wieder weich und warm in der Tonfärbung. Und wenn ein Tuba-Meister das Instrument bedient, kann er ihr brillantes Laufwerk entlocken, das so wendig und virtuos perlt wie auf einer Trompete.

Suche nach dem richtigen Mundstück

Das haben auch die Landesmusikräte honoriert und die hochgeschätzte Vertreterin des tiefen Blechs zum Instrument des Jahres 2024 gekürt. Seit 2008 gibt es das bundesweite Projekt, das alljährlich ein Instrument in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Nachdem 2022 das Schlagzeug und 2023 die Mandoline geehrt wurden, gehört in diesem Jahr die Krone der Tuba.

Angeblasen wird die Königin der Blechblasinstrumente über ein abnehmbares Bechermundstück, dessen Durchmesser größer ist als bei allen anderen Instrumenten der Blech-Familie. Eine Herausforderung ist die Suche nach dem richtigen Mundstück: Oft forschen ambitionierte Tubisten bei Instrumentenmachern viele Jahre nach einem Exemplar, das in Randbreite und Kesseltiefe optimal zu ihrer Zahnstellung und Lippendisposition passt. Das Suchen und Experimentieren ist verständlich, beeinflusst doch die Bauart des Mundstücks entscheidend die Tonerzeugung und den Klang des Instruments.

Ist das richtige Teil erst mal gefunden, steht dem Erkunden der Bassregionen nichts mehr im Wege. Doch nicht nur bei den tiefen Tönen kennt sich die Tuba aus, auch in höchsten Sphären ist sie zu Hause. Dazu braucht es jedoch einen Spieler, der über die nötige Kondition und bläserische Expertise verfügt.

„Tuba spielen ist wie Yoga“, sagt der junge Profitubist Sven Vinzelberg, der aus Ochsenhausen stammt und in München studiert, im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. „Man muss die Atmung kontrollieren und beim Spielen locker bleiben.“ Bis das Instrument nicht mehr wie eine Vuvuzela scheppert, ist am Anfang große Geduld und viel Üben gefragt. Darüber hinaus brauche es „tolerante Nachbarn oder ein Haus in der Einsamkeit“, erzählt Vinzelberg. Richtig komplex wird es, wenn man die tiefen Register ohne Gewackel aus der Röhre holen will, weiß der erfahrene Tubist. „Der Spielraum wird dann immer größer, und man weiß nicht so recht, wo das Zentrum des Tones ist.“

Königin der tiefen Lage

Ungeachtet dieser Schwierigkeiten haben Komponistengrößen wie Paul Hindemith oder der englische Tonmeister Ralph Vaughan Williams Tuba-Konzerte geschrieben. Auch zahlreiche Blasmusik-Komponisten setzten die Königin der tiefen Lage als Soloinstrument ein.

Neben Tuba-Konzerten von James Curnow und Frank Bencrisutto stehen kuriose Soli wie „Der alte Brummbär“ von Julius Fucik oder „Elefant und Mücke“, bei dem die Piccoloflöte mit dem Bassinstrument einen interessanten musikalischen Wettstreit um die extremsten Töne ausficht. Und auch in diversen kammermusikalischen Besetzungen setzt die Tuba dem Klang die Krone auf.

 

Wissenswertes über die Tuba

Geschichte Im Vergleich zu anderen Instrumenten ist die Tuba relativ jung. Kurz nachdem um 1810 die Ventile für Blechblasinstrumente erfunden worden waren, beauftragte der preußische Musikinspizient Friedrich W. Wieprecht den Berliner Instrumentenbauer Johann G. Moritz, ein neues Instrument zur Verstärkung der Basslage der Militärorchester zu konstruieren. Schon bald setzte sich die Tuba, deren Namen sich aus dem lateinischen „tubus“ (Rohr) ableitet, auch in den sinfonischen Orchestern durch.
Bauformen Die aus Messing oder Neusilber gebauten Tuben gibt es in verschiedenen Größen und Stimmungen: Von der kleineren F-Tuba bis zur Kontrabasstuba in B. Diese hat ein Rohr von sage und schreibe fünfeinhalb Metern Länge, das äußerst kunstvoll gewunden ist. Normalerweise hat eine Tuba drei oder vier, gelegentlich jedoch auch bis zu sieben Ventile. Der weiche Klang des Instrumentes entsteht durch die weite Mensur des Rohrs und den nach oben gerichteten breiten Schallbecher.
Kurioses Deutschlands größte Tuba steht im Musikinstrumenten-Museum im sächsischen Markneukirchen: Die „Riesentuba“ ist zwei Meter hoch und wiegt 50 Kilogramm. Ihr Tonumfang reicht über fünf Oktaven.
Weltrekord Im Dezember 2018 stellten in der US-Stadt Kansas City 835 Tubistinnen und Tubisten einen Weltrekord auf: Die Teilnehmenden zwischen elf und 86 Jahren spielten sich mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ in das begehrte Guinness-World-Records-Book. kell