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Eltern müssen deutlich mehr bezahlen

Finanzen Lenningen erhöht die Kindergartenbeiträge, was für Ärger bei den Eltern sorgt. Gemeinderäte und Verwaltung möchten das Gespräch mit den Elternbeiräten suchen. Von Heike Siegemund

Die Kinderbetreuung in Lenningen kostet ab Herbst mehr. Symbolfoto: Markus Brändli

Der Unmut ist groß bei vielen Eltern aus Lenningen: Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Dienstagabend beschlossen, die Elternbeiträge für das Kindergartenjahr 2024/25 um 7,5 Prozent zu erhöhen. Damit folgte das Gremium einer Empfehlung der Kommunalen Landesverbände und Kirchen.

„Es ist eine stattliche Erhöhung. Daraus mache ich keinen Hehl“, sagte eingangs Bürgermeister Michael Schlecht. Allerdings sei die Erhöhung gerechtfertigt, weil die Kommune erhebliche Kostensteigerungen zu stemmen habe. Alleine die Personalkosten liegen laut Haushaltsplan für das Jahr 2024 bei 3,88 Millionen Euro. Ein gewaltiger Anteil des Haushaltsvolumens fließe in die Kinderbetreuung. In Lenningen gebe es acht Kinderbetreuungseinrichtungen: „Das ist etwas anderes als zwei oder drei zu haben“, gab Schlecht zu bedenken.

Der Gesamtelternbeiratsvorsitzenden Rieke Sailer und Kay-Uwe Biering, dem Elternbeiratsvorsitzenden des Kindergartens Regenbogen, wurde sodann ein Rederecht eingeräumt (siehe Bericht unten). Im Anschluss entspann sich eine Diskussion im Ratsrund. Michael Schlecht stieß vor allem der Vergleich mit andere Kommunen sauer auf: Andere Gemeinden hätten andere strukturelle Voraussetzungen. Auch Gemeinderat Ulrich Jaudas, der im Vorfeld der Sitzung recherchiert hatte, kam zu dem Schluss, dass es sich bei den Vergleichen um ein schwieriges Unterfangen handle – auch, weil die angebotenen Module nicht immer identisch seien. In Böblingen seien große Firmen angesiedelt. Das sei in Lenningen ganz anders: „Lenningen ist nicht unbedingt eine finanzstarke Kommune“. Letztlich erscheine ihm die vorgesehene Erhöhung der Beiträge „als ein Kompromiss zwischen dem Wünschenswertem und dem Machbaren“. Der Vorschlag der Lenninger Verwaltung sei schlichtweg der Realität geschuldet.

Das sah Kurt Hiller ähnlich: Zwar brachte auch er Verständnis für die Eltern auf. Jedoch müsse er als Gemeinderat mit Blick auf die Finanzen konstatieren, dass „wir zu preiswert sind und eigentlich mehr verlangen müssten“. Denn der Kostendeckungsgrad liege bei zwölf Prozent. Hiller stellte eine Beispielrechnung auf: Eine Familie mit einem Kind unter drei Jahren bezahle künftig für die Ganztagesbetreuung an fünf Tagen pro Woche 720 Euro monatlich. „Ein Krippenplatz kostet uns aber 6000 Euro im Monat“, gab Hiller zu bedenken. „Irgendwas läuft da gewaltig aus dem Ruder.“

„Es ist eine bittere Pille, die wir zu schlucken haben“, sagte Armin Diez mit Blick auf die Beitragserhöhungen. Würde man jedoch darauf verzichten, „werden uns die dramatischen Kostensteigerungen irgendwann einholen“. Auch Karl Boßler betonte, dass die Gemeinde „über die Runden kommen“ müsse. Sein Vorschlag zur Güte lautete, die Elternbeiträge zunächst nur für das kommende Kindergartenjahr zu erhöhen und – nicht wie ursprünglich von der Verwaltung vorgesehen – auch gleich für das Jahr 2025/26 um weitere 7,3 Prozent. Die Zeit bis dahin könne man nutzen, um zu überlegen, welche Einsparmöglichkeiten es gäbe. „Daran hindert den Gemeinderat niemand“, sagte dazu der Bürgermeister. Allerdings prophezeite er schon jetzt: „Wir werden in einem Jahr wieder dastehen mit demselben Vorschlag“.

Er sei gespannt, ob es gelingen könne, den Personaleinsatz und damit die Betreuungszeiten zu reduzieren, ergänzte Schlecht. „Der Aufschrei der Empörung wird dann wahrscheinlich groß sein.“ Es gelte, eine Balance zu finden „zwischen dem, was wir uns leisten können, und dem, was die Familien in ihrer Lebensrealität benötigen“. Er wolle aber gerne in die Diskussion einsteigen, auch mit den Elternbeiräten, betonte er Rathauschef.

Dem Antrag von Karl Boßler stimmten schließlich alle Räte zu – nur der Bürgermeister votierte dagegen. Damit ist die Erhöhung für das Kindergartenjahr 2024/25 beschlossene Sache. Wie es im darauffolgenden Jahr weitergeht, wird sich in den Gesprächen der Räte (auch des neu gewählten Gremiums nach der Kommunalwahl am 9. Juni) mit der Verwaltung und dem Gesamtelternbeirat zeigen.

Auch Schulkindbetreuung wird teurer

Die Elternbeiträge für die Schulkindbetreuung an den Grundschulen in Lenningen steigen ebenfalls für das Schuljahr 2024/25 um 7,5 Prozent. Das beschloss der Gemeinderat. Weil die Nachfrage stark gestiegen ist, wurde außerdem festgelegt, die Ferienbetreuung ab 2024/25 nur noch für Kinder anzubieten, die auch außerhalb der Ferien das Betreuungsangebot in Anspruch nehmen.

Der Kindergartenbeitrag ist in Lenningen nach der Betreuungszeit und -form sowie der Anzahl der unter 18-jährigen Kinder im gleichen Haushalt gestaffelt. Berücksichtigt wird zudem die Anzahl der Kinder eines Haushalts, die gleichzeitig eine Kindertageseinrichtung der Gemeinde Lenningen besuchen (Lenninger Sozialregel).

Ab dem Kindergartenjahr 2024/25 bezahlen beispielsweise Eltern mit einem Kind für die Ü3-Betreuung in den Regel- und VÖ-Gruppen 148 Euro. Für die Ganztagesgruppen mit Betreuung an drei Tagen sind künftig 281 Euro und für die Ganztagesgruppen mit fünf Tagen 370 Euro fällig. hei