Engagement
Erfolgskonzept „wirRauner“: Zusammen weniger allein

Vor zehn Jahren startete das Kirchheimer Quartiersprojekt „wirRauner“. Es geht um Gemeinschaft im Stadtviertel, etwa bei den zahlreichen, von Ehrenamtlichen geleiteten Angeboten. 

Seit bald zehn Jahren gibt es das Repair Café als eines der ehrenamtlich geleiteten Angebote des Quartiersprojekts "wirRauner" in Kirchheim. Die Nachfrage an den Reparatursamstagen ist hoch. Fotos: Markus Brändli

Franz Gubo kommt jede Woche in den Treffpunkt des Kirchheimer Quartiersprojekts „wirRauner“ in der Eichendorffstraße. Der Mittagstisch „Ein Topf für alle“, freitags von 12 bis 13 Uhr sowie der Spiele-Treff im Anschluss sind für den Senior feste Termine in der Woche. „Ich bin hier Stammgast“, erzählt der 99-Jährige, „man ist unter Leuten und kennt sich, das ist schön.“ Für Franz Gubo ist es ganz selbstverständlich, dass er seinen 100. Geburtstag im kommenden Jahr im Treffpunkt in der Eichendorffstraße feiern wird. 

Vielfalt an Angeboten

Eine, die als Mitglied der insgesamt vier ehrenamtlichen Kochteams à vier Personen dafür sorgt, dass Franz Gubo und alle weiteren Gäste des Mittagstischs „Ein Topf für alle“ sich wöchentlich selbst gekochte Suppen, Eintöpfe und Currys schmecken lassen können, ist Wilma Pfeffer. Seit zwei Jahren ist sie mit von der Partie. „Ich bin in Rente gegangen und wollte mich engagieren. Ich habe davor selbst im sozialen Bereich gearbeitet und Kochen ist mein Hobby“, erzählt sie. „Der Mittagstisch wird sehr gut angenommen. Dabei geht es auch um das Zusammenkommen und die Kommunikation“, weiß die Ehrenamtliche. Das bestätigt Bettina Welzel, die seit dem Startschuss des Treffpunkts im Jahr 2014 federführend im Kreativ-Bereich ist. „Das macht einfach großen Spaß, kreative Ideen zu entwickeln und sie gemeinsam umzusetzen“, sagt Welzel.  

Im März 2025 feiert das Repair-Café ebenso sein zehnjähriges Bestehen. Jeden letzten Samstag im Monat – außer im August und Dezember – kann man defekte Elektronik- oder Haushaltsgeräte zur Reparatur vorbeibringen. Klaus Fernow und Peter Bös gehören zu den Gründern. „Sinn und Zweck sind die Müllvermeidung und der Nachhaltigkeitsaspekt“, erklärt Peter Bös die Intention. Er arbeitete früher als Nachrichtentechniker, Klaus Fernow war Funk- und Fernsehtechniker. Pro Reparatursamstag seien es im Schnitt 30 bis 35 Reparaturen. „Im Team sind wir rund 25 Ehrenamtlichen“, ergänzt Klaus Fernow. 

Zur Reparatur gebracht werden ins Repair Café vor allem defekte Elektronik- und Haushaltsgeräte.

Das Angebot im Treffpunkt „wirRauner“ in den Kategorien „Essen und Trinken“, „Sport und Bewegung“ sowie „Hobby und Freizeit“ ist sehr vielfältig. Insgesamt sind über 80 Ehrenamtliche im Einsatz. Neben den Freizeitangeboten umfasst das Quartiersprojekt unter dem Oberbegriff „Älterwerden im Rauner“ die Pflege im Seniorenzentrum St. Hedwig, die häusliche Pflege und hauswirtschaftliche Unterstützung durch die katholische Sozialstation Kirchheim und einen „Essen auf Rädern“-Dienst, alle unter der Trägerschaft der katholischen Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung. Über das Quartiersbüro können zudem Fahrrad-Rikscha-Fahrten durch die Stadt gebucht werden, ein gemeinsames Projekt der Sanwald-Stiftung, Buefet, der Initiative FahrRad, „wirRauner“ und dem Seniorenzentrum St. Hedwig.  

Stadtteil für alle Generationen

„Die Idee des Quartiersprojekts geht auf eine Zukunftswerkstatt der Stadt 2008 zurück“, erklärt der Leiter des Seniorenzentrums St. Hedwig, Kristóf Gnändinger. Träger sind die Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen und die Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung. Ziel waren ein attraktiver, die Generationen verbindender Stadtteil und gute Versorgungsstrukturen. 2014 öffnete der Treffpunkt im Neubauprojekt in der Eichendorffstraße. Bernd Weiler, Vorstandssprecher der Kreisbaugenossenschaft, erklärt: „Es ging in dem Zusammenhang um die Schaffung von mehr Wohnraum, und um ein miteinander und nicht nur nebeneinander Wohnen.“ Gemeinsam mit der Keppler-Stiftung und in Kooperation mit der Stadt habe man die Konzepte entwickelt, „heute ist es eine wahre Erfolgsgeschichte.“ Bei Quartiersmanagerin Barbara Decker laufen die Fäden für die vielen ehrenamtlichen Angebote zusammen: „Es sind viele persönliche Begegnungen und ich bin sehr stolz darauf, was wir hier alle gemeinsam geschaffen haben.“ Das Quartiersprojekt „wirRauner“ sei heute „eine Benchmark für die Nachbarschaftsnetzwerke“, sagt Oberbürgermeister Pascal Bader, „aktuell sind es zehn in Kirchheim, im neuen Jahr kommt ein weiteres im Quartier Dettinger Straße/Alleenring dazu.“ Es gehe um Partizipation und darum, die Menschen in ihrem Quartier zusammenzubringen. Ab 2025 fördere die Stadt jedes Nachbarschaftsnetzwerk mit jährlich 14.000 Euro.
Infos unter: www.wir-rauner.de