Verkehr
„Es darf hier nicht erst was passieren“

Die SPD-Landtagsfraktion hatte dazu aufgerufen, Radwegelücken im Land zu melden. Jene am Notzinger Ortsausgang Richtung Kirchheim wird unter den Top 5 der gefährlichsten Stellen eingestuft. 

Radfahrer, die am Ortsausgang von Notzingen Richtung Kirchheim fahren wollen, müssen die viel befahrene Landesstraße L1201 queren, um auf den Geh- und Radweg zu kommen. Foto: Carsten Riedl

Wer mit dem Rad aus Notzingen kommend auf der Kirchheimer Straße auf dem Schutzstreifen den Berg hoch zum Ortsausgang Richtung Kirchheim fährt, sieht sich oben angekommen mit einer Querungssituation konfrontiert, die der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jan-Peter Röderer als „hochgefährlich“ einstuft, als er sich vor Ort selbst ein Bild macht. Um an dieser Stelle nach links auf den außerhalb Notzingens teils bereits ausgebauten Geh- und Radweg zu wechseln, müssen Radler die viel befahrene Landesstraße L1201 (Kirchheimer Straße) queren. Aus Kirchheim kommend gilt dort für den Verkehr Tempo 50, aus Notzingen kommend seit Kurzem bis zum Ortsschild Tempo 30. Verkehrsschilder, die auf die querenden Radfahrer hinweisen oder eine Querungshilfe, gibt es bis dato keine. 

Ausbau des Gehwegs ist möglich

Gemeinsam mit seinem Fraktionskollegen Andreas Kenner, Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader sowie dem Mobilitätsbeauftragten der Stadt Kirchheim, Thomas Ernst, ist Röderer nach Notzingen gekommen, um sich die Radwegelücke anzuschauen, die bei einer landesweiten Mitmachaktion der SPD-Landtagsfraktion von Notzinger Bürgern gemeldet wurde. Ziel der Umfrage war es, gefährliche, absurde oder kilometerlange Lücken im überörtlichen Radnetz zu identifizieren. Rund 100 Einsendungen habe es aus ganz Baden-Württemberg gegeben, so Röderer, „die Notzinger Querungsstelle landet definitiv unter den Top 5 der gefährlichsten.“ Andreas Kenner betont, er werde diese Gefahrenstelle im Rahmen der Regierungsbefragung vor dem Verkehrsminister vorbringen. Hier müsse gehandelt werden: „Ich halte das für Radfahrer für sehr gefährlich, hier sind unter anderem viele Schulkinder unterwegs.“

Am Notzinger Ortsausgang müssen Radfahrer über die Landesstraße L 1201 fahren, um Richtung Kirchheim auf einem Geh- und Radweg weiterfahren zu können. Das ist nicht ungefährlich. Foto: Katja Eisenhardt

Jan-Peter Röderer hält den Ausbau des noch vorhandenen reinen Gehwegs zu einem durchgängigen Geh- und Radweg für machbar und am sinnvollsten: „Dafür muss er mindestens 2,50 Meter breit und entsprechend ausgeschildert werden. Etwas versetzt werden müssten dafür auch die vorhandenen Straßenlaternen.“

Denn auch wer von Kirchheim mit dem Rad auf dem direkten Weg nach Notzingen einfährt, muss an der Ortseinfahrt aktuell eigentlich auf die Straße wechseln. Für den Ausbau müsste die Gemeinde eine Planung ausarbeiten oder in Auftrag geben und diese der Straßenverkehrsbehörde der Stadt Kirchheim vorgelegen. „Wir werden selbst nochmals bei der Verkehrskommission anregen, dass die Stelle genau geprüft wird. Das ist aktuell sicherer, man fährt auf dem Gehweg in den Ort und aus dem Ort, was eigentlich aber verboten ist“, bestätigen OB Pascal Bader und Thomas Ernst nach einem Selbstversuch mit dem Rad den Handlungsbedarf. „Für einen Ausbau kann die Gemeinde Notzingen einen Förderantrag beim Land stellen, bis zu 70 Prozent der Kosten können übernommen werden“, erklärt Thomas Ernst. Ein vergleichbares Beispiel gibt es in der Nachbargemeinde Hochdorf: Für den Ausbau des dort parallel zur L 1201 verlaufenden schmalen Wegs zu einem offiziellen Geh- und Radweg außerhalb des Orts in Richtung Reichenbach, hatte die Gemeinde die Planung übernommen, die Kosten für die Baumaßnahme trug das Land. 

Es besteht Handlungsbedarf

Es ist seit vielen Jahren ein Thema in Notzingen, dass sich die Radler mehr Sicherheit wünschen. Im Bereich der Kirchheimer Straße in Richtung Kirchheim ist außer dem im Zuge der Straßensanierung bis zum Ortsausgang aufgebrachten Radschutzstreifen bis dato nichts passiert. „Viele Radfahrer nutzen aus Sicherheitsgründen lieber den vorhandenen Gehweg“, weiß der beim Ortstermin anwesende frühere Notzinger SPD-Gemeinderat Helmut Langguth, der sich seit Jahrzehnten mit der problematischen Radwegethematik beschäftigt. „Ab 1984 haben wir uns schon dafür eingesetzt, dass die Fahrradverbindungen verbessert werden und Gefahren beim Überqueren der Hochdorfer und Kirchheimer Straße (Ortsdurchfahrt) beseitigt werden“, erinnert er und zeigt einen alten Wahlflyer: „Es muss an dieser gefährlichen Stelle endlich gehandelt werden. Es darf nicht erst was passieren.“