Weilheim und Umgebung
Essen bekommt eine zweite Chance

Umweltschutz Das Restaurant Burgmann‘s in Weilheim hat sich als erster Betrieb im Landkreis der App „Too Good To Go“ angeschlossen. Über sie können Kunden übrige Speisen vergünstigt kaufen.  Von Bianca Lütz-Holoch

Es ist 13 Uhr, der Mittagstisch ist vorbei. Über die Theke ist aber längst nicht alles gegangen. Für viele Gaststätten heißt das: die Reste des eigentlich noch tadellosen, frisch gekochten Menüs zu entsorgen. Nicht so für das Burgmann‘s in Weilheim. Dort bekommt das Essen eine zweite Chance. Als erster Gastronom im Landkreis Esslingen hat sich Inhaber Jesse Burgmann „Too Good To Go“ angeschlossen – einer App, die gegen Lebensmittelverschwendung kämpft. „Uns ist es schon immer schwergefallen, Essen wegzuschmeißen“, sagt Jesse Burgmann. Als er von der App hörte, stand für ihn fest: „Da mache ich mit.“ Seit einem halben Jahr taucht sein Restaurant nun in der App auf, mit der Kunden die Möglichkeit haben, übrig gebliebene Speisen zum reduzierten Preis zu kaufen.

Teilnehmen können Gastronomen, aber auch Bäckereien, Imbisse oder Metzgereien – eben alle Betriebe, die Lebensmittel verkaufen. Sie melden an, wie viele Portionen im Schnitt bei ihnen täglich übrig bleiben: „Bei uns sind das drei“, sagt Jesse Burgmann. Während der Mittagstisch in seinem Restaurant normal zwischen  6,40 und 7,90 Euro kostet, können sich Sparfüchse und Lebensmittelretter die Portion im Burgmann‘s via „Too Good To Go“-App für 3,50 Euro reservieren  – abgeholt werden kann das Essen allerdings nur in einem kurzen Zeitfenster nach der Mittags-Öffnungszeit, wenn die regulären Gäste alle versorgt sind. „Wir haben 13 bis 13.15 Uhr angegeben“, so Burgmann.

Ein Risiko gehen die Gastronomen mit den günstigen Rest-Portionen nicht ein. „Sollte mittags mehr Nachfrage sein als erwartet, kann ich bereits reservierte Portionen wieder stornieren“, erläutert der Weilheimer. Ist weniger los als sonst, lässt sich die Zahl der übrigen Menüs auch spontan nach oben ändern.

Ein Selbstversuch

Die Kunden allerdings müssen die App im Auge behalten und vorm Abholen checken, ob sich etwas getan hat. Wird ein Essen ausnahmsweise mal storniert, gibt es natürlich das  Geld – das bei der Reservierung gleich über die App gezahlt wird – wieder zurück.

Ein Selbstversuch zeigt: Die Nutzung von „Too Good To Go“ ist kinderleicht. Bei der Umkreissuche in der App erscheint das Burgmann‘s ganz oben, ist es doch von Kirchheim aus gesehen der nächste Betrieb, der mitmacht. Ein grüner Punkt links signalisiert: Es ist noch etwas übrig. Direkt daneben steht, um wie viele Portionen es sich handelt. Rechts ist der Preis angegeben. Ein Klick aufs Fenster führt nicht nur zu einer genaueren Beschreibung des Betriebs und seines Angebots. Es poppt auch ein Button „Kaufen“ samt Abholzeit auf. Wer drauftippt, kann noch die Anzahl der Portionen wählen, seine Bestellung bestätigen und die Zahlungsmethode wählen. Fertig.

Um 13.15 Uhr wartet dann auch der frische Burger mit Pulled Beef und frittierten Kartoffelscheiben in einer Pappbox im Burgmann‘s – sogar noch richtig heiß.

Je nach Betrieb und Angebot müssen Nutzer der App aber auch damit rechnen, dass das warme Essen schon mal kalt sein kann. Schlecht ist es deswegen aber noch lange nicht. „Too Good To Go“ eben  – zu gut, um in die Tonne zu wandern.

„Bei uns wird regelmäßig Essen über die App gebucht“, sagt Jesse Burgmann. Bislang nimmt jedoch nur eine Handvoll Kunden das Angebot wahr. „Aber die Idee ist so toll, dass wir auf jeden Fall weitermachen wollen“, sagt er. Der 40-Jährige spielt bereits mit dem Gedanken, auch Freitagabends Essens-Päckchen anzubieten, um vorm Wochenende noch Reste zu retten.

„Es wundert mich, dass nicht viel mehr Gaststätten und Bäckereien mitmachen“, sagt Jesse Burgmann. „Aus meiner Sicht bringt die App nur Positives.“ Er rettet nicht nur Lebensmittel damit, sondern nimmt sogar noch etwas Geld für die übrigen Portionen ein, die sonst in der Tonne gelandet wären. Angst, dass die Leute das günstige Reste-Angebot ausnutzen und nicht mehr zum regulären Mittagstisch kommen, hat der 40-Jährige nicht: „Wir haben doch Stellschrauben, mit denen wir das steuern können.“ Nun hofft er, dass die App bekannter wird und noch viele weitere Betriebe aus der Umgebung einsteigen.