Lenninger Tal
Etwas Süßes in der sauren Zeit?

Corona Halloween fällt dieses Jahr für viele Kinder und Erwachsene flach. Große Partys können nicht stattfinden und die Spielwarengeschäfte haben aktuell kaum Gruselartikel im Sortiment. Von Lena Bautze

Für viele Kinder ist es ein ­Höhepunkt im Jahr: die Süßigkeitenjagd an Halloween. Normalerweise ziehen Kinder durch die Straße und hoffen, durch ihre „Drohung“ ­„Süßes, sonst gibt’s Saures“ ihre Körbe zu füllen. Doch 2020 ist alles anders, vor allem bei Familien, bei denen der Brauch einen wichtigen Stellenwert hat.

Zum Beispiel bei Familie von Baer aus Kirchheim. „Bei uns ist Halloween nach den Sommer­ferien ein großes Thema“, sagt ­Ulrike von Baer. Die Kirchheimerin hat in Amerika studiert und sich anstecken lassen von dem Brauch. „Ich finde, das Fest ist eine gute Gelegenheit, zusammenzukommen und über die dunkle Jahreszeit hinwegzukommen“, betont sie. Jedes Jahr hat sie kräftig gefeiert - mit allem, was dazugehört: Angefangen hat die Gruselzeit bei ihr mit dem Kürbisschnitzen. „Da waren dann gerne mal bis zu zehn Kinder bei uns daheim plus Eltern.“ Und damit die fleißigen Gespenster, Hexen und Kürbisse sich auch stärken konnten, gab es immer was zu naschen - Halloweenkuchen und schaurige Verzierungen auf Muffins durften da nicht fehlen. Auch essbare Augen kullern gerne mal über den Tisch. Doch nicht jeder im Hause von Baer kann mit dem Spaß etwas anfangen. „Mein Mann ist Arzt und findet sie sehr makaber“, sagt sie lachend.

Kürbisse sollen den Weg zu "süßgkeitreichen Häuser" führen. Foto: Anke Kirsammer
Kürbisse sollen den Weg zu "süßgkeitreichen Häuser" führen. Foto: Anke Kirsammer

In diesem Jahr ist alles ­anders. Normalerweise wissen die Nachbarn von der Halloweenbegeis­terten Familie Bescheid, dass eine Meute hungriger Kinder nachts klingelt und nach Süßem fragt. Doch „dieses Jahr werden die Leute wahrscheinlich nicht aufmachen“, denkt sie. „Eine Alternative könnte sein, dass man die Naschereien vor die Tür stellt“, findet die Mutter. Auf das Laufen will sie ihrem Sohn zuliebe nicht verzichten. „Er hat mich gebeten, wenigstens mit mir zusammen gehen zu dürfen.“ Doch ohne Anmeldung klingeln sie nirgendwo. „Ich werde ein paar Nachbarn anrufen.“ Dabei gibt es laut der Mutter ein Erkennungszeichen, ob Kinder bei einem Haus etwas Süßes erwarten können: „Stehen Kürbisse leuchtend vor der Tür, ist das ein gutes Zeichen.“

Traditionsgemäß wird demjenigen, der nicht öffnet und keine Süßigkeiten gibt, ein Streich gespielt. „Wer trotzdem einen Streich spielen will, muss darauf achten, dass keine Menschen zu Schaden kommen beziehungsweise fremdes Eigentum beschädigt wird“, betont Kriminaloberrat Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Er betont: „Verschlossene Türen sind unbedingt zu respektieren.“

Bei solchen Gestalten hält man freiwillig Abstand: Foto: Carsten Riedl
Bei solchen Gestalten hält man freiwillig Abstand: Foto: Carsten Riedl

Viele feiern an Halloween auch Partys. Eine davon ist Tanja Hummel. Die Lenningerin hatte letztes Jahr noch eine große Gruselfeier, bei der jeder Gast verkleidet kam. „Einer kam sogar ohne Kopf“, sagte sie lachend. Ganz so brutal wie es klingt, war es dann doch nicht: Der Spaßvogel hatte sich einen Mantel gekauft, den man sich über den ganzen Körper stülpt.

Dieses Jahr wird es keine Party geben, auch weiß sie noch nicht, ob ihr Sohn um die Häuser ziehen wird. „Nur mit mir möchte er nicht gehen und bei den Nachbarskindern ist es noch nicht sicher, ob sie dürfen“, sagt Tanja Hummel.

„2020 gibt es kein Halloween“

Tanja Hummel feierte letztes Jahr mit ihrem Sohn im Partnerlook Halloween. Bei solchen Gestalten hält man freiwillig Abstand. Fo
Tanja Hummel feierte letztes Jahr mit ihrem Sohn im Partnerlook Halloween. Foto: privat

Die Corona-Krise verdirbt nicht nur vielen Kindern das Gruselfest, sie wirkt sich auch auf das Geschäft der Spielwarenläden aus. „Wir ­haben dieses Jahr gar nichts in unser Sortiment aufgenommen“, sagt Annette Schad vom gleichnamigen Spielwarengeschäft in Kirchheim. Ähnlich ist es auch beim Spielwarenladen Heiges in der Innenstadt. „Wir ­haben jetzt nur ein paar ­Gebisse, aber unsere üblichen Produkte bieten wir nicht an“, erklärt Verkäuferin Petra Klaus. Bei beiden Läden kann man normalerweise um diese Jahreszeit Kostüme, Haarspray, Gesichtsmasken und Co. kaufen, doch die beiden Frauen sind sich einig: „Dieses Jahr gibt es kein ­Halloween.“