Bildung
Evangelische Realschule Dettingen: Mit Gottes Hilfe zur Mittleren Reife

Seit gut drei Jahren gibt es im Raum Kirchheim eine christliche Realschule. Was ist anders als an staatlichen Schulen, was gleich?

Unterricht in einer der Realschulklassen der Freien Evangelischen Schule. Foto: Carsten Riedl

Die erste fünfte Klasse bestand aus sieben Schülerinnen und Schülern. Drei Jahre ist das her. Aus Fünft- sind Achtklässler geworden, die noch zweieinhalb Jahre Zeit haben bis zur Mittleren Reife. Mittlerweile sind noch einmal acht Quereinsteiger hinzugekommen, sodass die erste Realschul-Klasse der Freien Evangelischen Schule Kirchheim (FESK) aus 15 Jugendlichen besteht. Die aktuellen Fünftklässler sind schon zu zwanzigst, für das nächste Jahr rechnet die FESK – auch dank neuer Räume in der Kirchheimer Straße in Dettingen – mit 25 Anmeldungen. 2029 ist der Umzug in den Neubau nach Kirchheim geplant. Wir gehen auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu staatlichen Schulen ein.

Glaube 

Anders als staatliche Schulen, die zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet sind, ist die FESK, die auch eine Grundschule am Standort Dettingen betreibt, eine sogenannte Bekenntnisschule. Wer sein Kind hier anmeldet, der unterschreibt im Schulvertrag, dass er sich wünscht, dass das Kind im christlichen Bekenntnis unterrichtet wird. Ob die Eltern gläubig seien oder nicht, spiele keine Rolle, beteuert die Schule. „Es gibt keinen Gläubigkeitstest bei uns“, so Vorstand Andreas Krapf. Der christliche Glaube ist nicht nur im Religionsunterricht Thema; er zieht sich durch den ganzen Schulalltag. Montagmorgens findet für die Realschülerinnen und -schüler der Wochengottesdienst statt, der von ihnen mitgestaltet wird. Gemeinsame Andachten, das Bibelstudium und – wenn erwünscht – das Beten gehören mit dazu. Im Unterricht vermitteln die Lehrerinnen und Lehrer nicht nur das Wissen nach dem Bildungsplan des Landes Baden-Württemberg, sondern ordnen das Erlernte mithilfe des christlichen Glaubens ein. „Wenn wir in Geo die Klimazonen unterrichten, ist immer auch Thema, wie wunderbar Gott die Erde geschaffen hat, mit den unterschiedlichen Vegetationszonen, und wie angepasst die Tiere dort leben“, sagt Realschul-Rektor Cornelius Finkbeiner. Er beteuert, dass das nicht auf Kosten der Wissenschaftlichkeit gehe. Der diakonische Gedanke ist der Schule wichtig und spielt bei unterschiedlichen Aktivitäten und Projekten eine Rolle. 

Klassengröße

Die Klassen der FESK sind mit maximal 25 Schülerinnen und Schülern kleiner als die an staatlichen Schulen. Bislang wurde diese Klassengröße aber noch nicht erreicht.

Smartphones

Gemeinsam mit den Eltern hat die FESK einen Orientierungsrahmen zur Medienbildung erarbeitet. Empfohlen wird beispielsweise, dass Kinder erst ab der siebten oder achten Klasse ein Smartphone bekommen. Der Orientierungsrahmen ist jedoch nicht verbindlich. An vielen staatlichen Schulen muss das Smartphone zwar während des Unterrichts ausgeschaltet bleiben. Abgesehen davon mischen sie sich jedoch nicht in die Medienerziehung der Eltern ein.

Schulgeld und Arbeitseinsatz

Die FESK erhebt Schulgeld, das sich nach dem Einkommen und der Zahl der Kinder richtet. Im Schulvertrag ist festgelegt, dass Eltern 20 Arbeitsstunden pro Jahr leisten müssen. Staatliche Schulen kosten nichts.

Bildungsplan

Die Bekenntnisschule unterrichtet, wie staatliche Schulen auch, nach dem Bildungsplan des Landes Baden-Württemberg. Wie in staatlichen Realschulen ist die Klasse fünf die Orientierungsstufe. Ab Klasse sechs wird differenziert unterrichtet. Die Wahlpflichtfächer ab Klasse sechs sind Französisch, Technik oder Alltagskultur, Ernährung und Soziales (AES). „Weil die Klassen aktuell teilweise noch so klein sind, können wir nicht garantieren, dass alle Fächer zustande kommen“, sagt Cornelius Finkbeiner. Langfristig werde man aber alles anbieten können.

Mittagsbetreuung

Die FESK bietet montags bis donnerstags bis 16 und freitags bis 14 Uhr Nachmittagsbetreuung an. Das hat sie mit staatlichen Schulen gemein. Mittagessen gibt es aktuell noch nicht. „Im Schulneubau in Kirchheim planen wir aber mit einer Mensa“, sagt Andreas Krapf. Mittagschule findet in den Klassen sieben und acht an zwei Nachmittagen bis 15.15 Uhr statt.

Berufsorientierung

Weil die Realschule der FESK noch relativ jung ist, gibt es erst seit Kurzem ein Konzept für die Berufsorientierung. Darin steht beispielsweise, dass es ein verpflichtendes Sozialpraktikum für alle Schülerinnen und Schüler sowie ein Handwerkspraktikum in Klasse acht geben soll. 

Anmeldung 

Wenn Eltern sich für die FESK interessieren, müssen sie im Internet ein Formular ausfüllen. Die Schule meldet sich und vereinbart Termine für ein Kennenlerngespräch. Außerdem soll das Kind drei Tage an der Schule hospitieren. Am Dienstag, 27. Januar, um 19 Uhr findet in der FESK, Kirchheimer Straße 106, in Dettingen ein Informationsabend für Eltern statt. Am Freitag, 6. Februar, von 15 bis 18 Uhr ist Tag der offenen Tür für Eltern und Kinder.