Es könnte klappen. Rund um Karlsruhe und in der Pfalz wurde bereits vor zwei, drei Wochen der erste Spargel gestochen. Die Spargelbauern im Kreis Esslingen hoffen jetzt, dass sie pünktlich zu Ostern mit der Ernte beginnen können. Das wäre ideal, denn das Osterfest ist für viele der Start in die Spargelsaison. Normalerweise gibt es zu den Feiertagen auch hier schon gewisse Mengen des Edelgemüses. Aber in diesem Jahr liegt Ostern so zeitig, dass es trotz des ungewöhnlich frühen Saisonstarts knapp werden könnte.
Jetzt ist Trockenheit wichtig
Markus Eberhardt vom Berghof Deizisau hofft nun auf warme und trockene Tage, damit die Spargelfelder abtrocknen können. Die Böden seien durch den vielen Regen zuletzt völlig durchtränkt und schwer. Der Niederschlag sei zwar gut für die Pflanzen, aber jetzt seien Wärme und Trockenheit wichtig für eine gute Ernte. „Dieses Jahr brauchen wir viel Geduld, weil es so viel geregnet hat“, erklärt Eberhardt. „Es könnte gerade so reichen, dass wir noch vor Ostern mit der Ernte beginnen können“, so der Spargelbauer. Sicher sei das aber nicht. Dass die Saison in Karlsruhe bereits eingeläutet wurde, sei nicht ungewöhnlich: Dort sei die Vegetation immer ein bis zwei Wochen voraus.
Guido Henzler vom gleichnamigen Beeren- und Spargelhof in Nürtingen würde lieber heute als morgen mit der Spargelernte beginnen. „Für uns ist es wichtig, das Ostergeschäft mitzunehmen“, sagt er. Die ersten Stangen Grünspargel wurden bereits am Wochenende gestochen, doch ob es auch für nennenswerte Mengen an weißem Spargel reicht, ist unklar. Und das, obwohl die Vegetation in diesem Jahr etwa zehn Tage früher dran sei als 2023, so Henzler. Aber bislang fehle die trockene Wärme. Henzler hofft, dass sich die Spargelernte durch den frühen Saisonstart besser verteilt als sonst – und dass die Preise stabil bleiben. Denn wenn große Mengen auf einmal auf den Markt kämen, drücke das die Preise. Und das wäre laut dem Spargelproduzenten fatal.
Kosten explodieren
Denn schon jetzt werde es immer schwieriger, beim Spargelanbau kostendeckend zu arbeiten. „Alle Kosten explodieren“, sagt Guido Henzler. Neben allgemeinen Preissteigerungen, etwa durch Inflation, schlage auch der höhere Mindestlohn zu Buche. Und man könne die Mehrkosten nicht einfach auf den Spargelpreis übertragen. Deshalb habe er die Flächen für die Spargel- und Erdbeerproduktion im vergangenen Jahr bereits um jeweils fünf Hektar reduziert – jetzt baue er noch auf insgesamt 75 Hektar Spargel, Erdbeeren, Himbeeren, Süßkirschen und Kürbisse an. „Es bringt nichts mehr, Masse anzubauen“, sagt Henzler. Man überlege aber, wie man gegensteuern könnte. „Wir versuchen, mehr maschinell zu machen, um die Personalkosten zu senken“, erklärt Guido Henzler. Doch gerade bei der Spargelernte sei das schwierig. In den Spitzenzeiten im Sommer arbeiten laut Henzler zwischen 150 und 170 Erntehelfer bei ihm, die meisten sind aus Rumänien. Angesichts der vielen Alternativangebote für die Arbeiter sei es nicht immer einfach, genügend Helfer zu bekommen, aber dieses Jahr scheine es zu klappen. Er hofft jetzt auf eine gute Ernte: „Derzeit kann man von einem durchschnittlichen Ertrag ausgehen, die Bestände waren okay.“
Nachfrage zurückgegangen
Auch Markus Eberhardt rechnet mit einer guten Spargelqualität und einer guten Ernte. Der Deizisauer Landwirt hat zwar nicht vor, Anbauflächen zu reduzieren, aber er weiß nur zu gut um den Kampf mit steigenden Kosten. „Wir müssen jedes Jahr die Preise anpassen, es bleibt uns gar nichts anderes übrig“, erzählt er. Er hat den Eindruck, dass angesichts der Inflation auch die Nachfrage nach dem Edelgemüse etwas zurückgegangen sei. Im vergangenen Jahr habe sich die Entwicklung durch das etwas geringere Angebot ausgeglichen. Aber neben dem vergleichsweise hohen Preis bringe Spargel für die Kunden auch Aufwand mit.
Das sei etwa bei Erdbeeren nicht der Fall, vielleicht sei hier deshalb die Nachfrage konstant. Dennoch blickt Eberhardt optimistisch auf die Saison: Die Anbaufläche auf seinem Hof sei seit Jahren konstant – und er habe immer die gesamte Ernte im eigenen Hofladen vermarkten können.

