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Feuerwehr schließt Presse aus

Eklat Bei der Hauptversammlung der Rettungskräfte in Aich wurde eine Journalistin vor die Tür gesetzt.

Bei der Hauptversammlung der Aichtaler Feuerwehr wurde eine Journalistin vor die Tür gesetzt.

Aichtal. Hinter der Feuerwehr in Aichtal liegt ein mehr als turbulentes Jahr 2023: Skandal um Nazi-Parolen, Streit um die Feuerwehrfusion, Amtsenthebungsverfahren gegen den Feuerwehrchef, Suche nach einem neuen Kommandanten, Dauerstreitigkeiten mit der Stadtverwaltung und zahlreiche Austritte und Beurlaubungen: Die Liste der Baustellen bei der Feuerwehr ist sehr lang, und um die Leistungsfähigkeit der Truppe darf man sich zumindest Sorgen machen. Dennoch hüllen sich Rettungskräfte, Stadtverwaltung und Gemeinderat seit Monaten in Schweigen. Mit Start des Mediationsprozesses Ende 2023 hatten alle Parteien vereinbart, nichts nach außen dringen zu lassen, solange die Mediation läuft.

Mit Spannung wurde also die Hauptversammlung der Feuerwehr am vergangenen Freitag in der Aichtaler Festhalle erwartet. Man erhoffte sich Antworten auf Fragen wie: Wird endlich ein neuer Kommandant gefunden? Raufen sich Stadtverwaltung und Feuerwehr wieder zusammen? Wie viele aktive Feuerwehrleute können im Notfall eigentlich noch ausrücken und wie real ist das Szenario einer Pflichtfeuerwehr? Auf Antworten muss die Aichtaler Bevölkerung weiterhin warten.

Noch bevor eine Redakteurin der Nürtinger Zeitung im Zuschauerraum Platz nehmen konnte, wurde sie auch schon wieder gebeten, zu gehen. Aichtals Bürgermeister Sebastian Kurz zeigte sich überrascht über die Anwesenheit der Zeitung, schließlich hatte man die Presse nicht eingeladen.

Nach einer kurzen Rücksprache mit Mediator Matthias Berg und dem aktuellen Kommandanten Christian Wahl wurde die Redakteurin gebeten, die Versammlung zu verlassen. Begründung: Man möchte zunächst die Mitglieder der Feuerwehr über den aktuellen Stand des Mediationsprozesses in Kenntnis setzen. Die Bevölkerung soll zu einem späteren Zeitpunkt informiert werden.

Ungewöhnliches Vorgehen

Ein äußerst ungewöhnliches Vorgehen, schließlich sind Feuerwehr-Hauptversammlungen in aller Regel öffentlich oder es wird zumindest der Presse Zutritt gewährt.

Anfang dieser Woche entschuldigte sich Mediator Matthias Berg bei der Zeitung. „Das war einfach ungeschickt, kein böser Wille.“ Da man der Zeitung keine Einladung geschickt hatte, sei man nicht davon ausgegangen, dass jemand kommt. „Wir hätten einen öffentlichen und einen nicht öffentlichen Teil machen können. Das war unser Fehler.“ Matthäus Klemke