Nahverkehr
Frank Buß zur S-Bahn nach Weilheim: „Wir vergeuden gerade Zeit“

Die Freien Wähler wollen in der Regionalversammlung die Verlängerung der S1 nach Weilheim stärker priorisieren. Ein entsprechender Antrag hat eine Mehrheit bekommen. Doch man müsse „ins Tun“ kommen, sagt Plochingens Bürgermeister.

Die S1 soll nach Weilheim weiterfahren – möglichst nicht erst in 25 Jahren. Archivfoto: Tobias Tropper

Die Fraktion der Freien Wähler hat im Verkehrsausschuss der Regionalversammlung eine Priorisierung der S1-Verbindung nach Weilheim gefordert. Der Antrag mit CDU/ÖDP, Grünen und SPD hat eine Mehrheit bekommen. Darin wird die Geschäftsstelle beauftragt, Vorhaben wie Weilheim weiter zu verfolgen und über Fortschritte zeitnah zu berichten. Schnellstmöglich solle auch ein Vorschlag zur Umsetzung erarbeitet werden. Die Strecke habe auch wegen „Rosenloh“ und dem geplanten „Klimawerk“ von cellcentric eine große Bedeutung.

 

Regeln erschweren Umsetzung

Beispiele wie die S-Bahn-Verlängerung nach Neuhausen auf den Fildern zeigen, dass solche Projekte zu lange brauchen. „Die Strecke sollte mal 2017 fertig sein, jetzt ist 2028 geplant“, sagt der Plochinger Bürgermeister Frank Buß. Er ist ebenso wie Weilheims Rathauschef Johannes Züfle Mitglied der Freien-Wähler-Fraktion in der Regionalversammlung und Sprecher für den Verkehrsausschuss. Das Problem sei, dass man für vier Kilometer Bahnstrecke 25 Jahre brauche, obwohl in Neuhausen ebenso wie in Weilheim bereits eine Strecke vorhanden sei, die nur reaktiviert werden müsse. „Das bestehende Reglement macht eine schnellere Umsetzung unmöglich“, sagt er. So habe es für Neuhausen 58 Enteignungsverfahren gegeben. 

Für Weilheim müsse man daher möglichst schnell „ins Tun“ kommen. „Wir wollen deutlich vor 2050 in Weilheim sein“, betonte Buß und forderte von der Verwaltung, klar aufzuzeigen, wie diese Themen im Vertrag behandelt werden sollen. Bislang habe es zwischen dem Verband Region Stuttgart und dem Landkreis Esslingen aber noch keine Gespräche darüber gegeben. „Wir vergeuden gerade Zeit“, sagt der Plochinger Bürgermeister. 

 

Warum die Strecke wichtig ist  

Die Region Stuttgart fordert für die kommenden Jahrzehnte einen Ausbau des S-Bahn-Angebots. Dabei befürwortet sie die Elektrifizierung der Kleinen Teckbahn und Anpassungen in Kirchheim. So soll der Zug am Kirchheimer Bahnhof geteilt werden, ein Teil soll dann nach Oberlenningen fahren, der andere nach Weilheim. Die Trasse ins Städtle soll dafür reaktiviert werden. Der Verband Region Stuttgart teilt aber auch mit, dass insbesondere das Projekt „S1 Weilheim“ noch nicht umsetzbar sei, da „Betriebsqualität, Stellwerksentscheidungen und kommunale Finanzierung“ noch offen seien.

Die Reaktivierung der Strecke von Kirchheim nach Weilheim hätte für die Region auch einen finanziellen Anreiz: Dafür gibt es bisher noch eine Bundesförderung von bis zu 90 Prozent. „Das ist gigantisch gut“, sagt Frank Buß. In einigen Jahren würde sie vermutlich nicht mehr gewährt.Thomas Zapp