Es ist ein musikalischer Abend, mit Märschen, Polkas und Ohrwürmern. Am Samstagabend geht es hoch her beim Jubiläumsauftakt des Unterlenninger Musikvereins in der Sulzburghalle. Doch nicht die Musik macht den Abend zu etwas Besonderem, sondern die monatelange Arbeit dreier Musikerinnen. Janina Klaus, Stefanie Schmid und Mirjam Weis haben auf 182 Seiten die Vereinsgeschichte aufleben lassen. Sie erzählen dem lachenden Publikum, dass sie das unter Zuhilfenahme von mindestens zehn Kekspackungen, 20 Flaschen Sekt, einer Flasche Eierlikör, sehr viel Tee über die Wintermonate und drei Weinbergpfirsichlikören schafften. 1700 digitale Elemente waren zu sichten, zu sortieren und auszusuchen. „Bei mehr als 20 Treffen gab es keinen einzigen Streit“, sagt Janina Klaus, „und das, obwohl wir drei Perfektionistinnen sind“.
Neugieriger Vorsitzender
Eine reife Leistung, die mit Dankesworten und viel Applaus gewürdigt wird. Selbst Simon Knabel, erster Vorsitzender, sieht die Chronik an diesem Abend zum ersten Mal. Immer wieder erwähnt er, dass er zur Chronik nichts sagen kann. „Das kommt später.“ Über Monate hinweg hat er versucht, dem Trio Informationen zu entlocken. Vergeblich. Doch es dauerte eine Weile, bis er seine Bemühungen eingestellt hat. Spätestens, als er als Antwort auf seine wiederkehrende Frage, wie weit sie denn seien, Seitenzahlen genannt bekam, lernte er, die Damen machen zu lassen.
Groß werden einzelne Seiten der Chronik an die Hallenwand geworfen und Janina Klaus wandert weit in die Vergangenheit. Doch zu viel verraten möchte sie nicht, die Chronik steht zum Verkauf und soll zahlreiche Abnehmer finden. Mit zehn Euro sei sie ganz schon billig, wie ein Zwischenrufer aus dem Publikum feststellt. „Dafür haben wir die Spendenkasse,“ sagt Simon Knabel, „da dürft ihr gerne etwas reinwerfen.“ Der günstige Preis ist nicht der Werbung zu verdanken. Besonders Mirjam Weis war es ein Herzensanliegen, die Seiten nicht mit Anzeigen zu versehen. Sie kennt andere Chroniken und wollte auf gar keinen Fall, dass ihr Werk ebenfalls immer wieder durch Werbung unterbrochen wird. Nach einigen Überlegungen entschied der Verein daher, das Buch selbst zu sponsern. Trotz des günstigen Preises gibt es die Signaturen der drei Verfasserinnen bei Anfrage gratis dazu. Den Anfang macht der Vorsitzende, obwohl er keine Ahnung hat, warum er auf die Bühne gerufen wird. Er muss sich leicht nach vorne beugen, und die drei Frauen versehen seine Chronik auf seinem Rücken mit ihren Unterschriften. Die kleinen Konfettikanonen, die in seinem Rücken gezündet werden, lassen ihn kurz zusammenzucken, bevor er endlich in der Chronik blättern darf.
100 Chroniken und 50 Flaschen Likör verkauft
Dann wandern die Autorinnen an ihren Verkaufsstand und Knabel informiert die begeisterten Gäste über den Jubilikör, den es ebenfalls zu kaufen gibt. Harald Schneider, ebenfalls Musiker im Verein, freut sich, dass seine Brennerei den edlen Tropfen fürs Jubiläumsjahr herstellen darf. Während die Stammkapelle des Musikvereins das musikalische Unterhaltungsprogramm wieder aufnimmt, wird die Schlange am Verkaufsstand länger und länger. Am Ende des Abends sind 100 Chroniken verkauft. Auch der Likör wird gerne mitgenommen, und innerhalb kürzester Zeit sind die 50 Flaschen weg. Doch da es noch weitere Termine im Jubiläumsjahr gibt, gibt es auch noch weitere Gelegenheiten für Chronik und Likör.
Vom 5. bis 7. Juli findet das Jubiläumswochenende statt. Mit SWR3-Party, Blasmusik und Gastkapellen ist von Freitag, 17 Uhr, bis Sonntagabend 19 Uhr, Partystimmung angesagt. Das Jahreskonzert findet am 23. November in der Sulzburghalle statt.
Weitere Informationen zum Jubiläumsprogramm gibt es unter www.mv-unterlenningen.de

