Schaue man sich im Kreis um, so werde deutlich, dass man mit der schwierigen Haushaltslage nicht alleine dastehe, erklärte Bissingens Bürgermeister Jens Fritz bei der Vorstellung des Haushalts 2026. Zwar komme den Kommunen eine einmalige Finanzierung aus dem Sondervermögen des Bundes zugute, das für Bissingen eine Finanzspritze von 2,2 Millionen Euro bedeutet, die innerhalb der kommenden zwölf Jahre für Investitionen abgerufen werden kann. Dennoch gelte mit Blick auf die Finanzlage des kommenden Haushaltsjahres: „Die Pflichtaufgaben haben Vorrang vor den freiwilligen“, betonte Kämmerin Simone Lappöhn. Steuererhöhungen seien im Haushalt 2026 aktuell keine vorgesehen. „In den Folgejahren kann sich das ändern.“
Zu den wesentlichen geplanten Ausgaben im Ergebnishaushalt zählen laut Lappöhn unter anderem Straßensanierungen (40.000 Euro), Sanierungsarbeiten am Ochsenwanger Feuerwehrhaus (33.000 Euro) sowie dem Kindergarten Teckstraße (8000 Euro), potenzielle 20.000 Euro für den Hochwasserschutz sowie als größte Posten die Abschreibungen (791.000 Euro), die Finanzausgleichsumlage (1,28 Millionen Euro) sowie die Kreisumlage (1,9 Millionen Euro).
Haushalt nicht ausgeglichen
Im Jahr 2026 lasse sich kein ausgeglichener Haushalt erzielen. Im Ergebnishaushalt steht unterm Strich ein Minus von 490.150 Euro. „Das kann über die Rücklage und die vorhandene Liquidität ausgeglichen werden“, erklärte Lappöhn. Der wesentliche Grund für das Defizit seien grundsätzlich die steigenden laufenden Kosten bei gleichzeitig stagnierenden Einnahmen, so die Kämmerin. Zu Buche schlagen hier insbesondere die steigenden Personalkosten – unter anderem aufgrund der Tariferhöhungen – sowie die steigende Kreisumlage. Die Personalkosten steigen im Haushalt 2026 um rund acht Prozent auf 4,2 Millionen Euro an.
Im Finanzhaushalt erfordere das umfangreiche Investitionsprogramm eine Kreditaufnahme von einer halben Million Euro. Zu den größten Investitionen zählen laut Simone Lappöhn im kommenden Haushaltsjahr der abschließende Ausbau der Breitbandversorgung, die Neukonzipierung des Ochsenwanger Sportplatzes, der Grunderwerb zur Innenentwicklung, die Entwicklung des Schulstandorts in Sachen Ganztagsbetreuung sowie der Neubau eines Schafstalls, der zur Einhaltung der Landschaftspflegevorgaben in den Folgejahren umzusetzen ist. Insgesamt sind für dieses Projekt 1,8 Millionen Euro kalkuliert, abzüglich Förderung liegt der Eigenanteil der Gemeinde bei einer halben Million.
Hallenanbau muss warten
Ein wesentlicher Punkt, der aus den klammen Finanzmitteln resultiert, ist die Notwendigkeit, die geplante Erweiterung der Gemeindehalle auf dem Bissinger Schulgelände um einen Mehrzweckraum vorerst auf Eis legen zu müssen. 2,8 Millionen Euro können dadurch vorerst eingespart werden. „Trotz der möglichen Förderung ist die Hallenerweiterung momentan finanziell nicht zu stemmen“, erklärte Bürgermeister Jens Fritz, betonte aber, dass das Projekt damit nicht dauerhaft vom Tisch sei. „Wir werden jetzt die Planungen für die Gestaltung der Außenanlagen weiterführen. Nur der Hallenanbau wird zwangsläufig vorerst zurückgestellt“, so Fritz. Man werde zudem nach alternativen Räumlichkeiten für die Nutzung durch den Sportverein und die Schulkindbetreuung suchen: „Das ist uns sehr wichtig und wir werden das 2026 gemeinsam mit dem Gemeinderat weiter erörtern“, betonte Jens Fritz.
„Wir haben uns noch nichts verbaut, was die Hallenerweiterung angeht“, bestätigte auch Siegfried Nägele (UWV). Was die Steuerhebesätze angehe, so müsse man sehen, was in den nächsten Jahren erforderlich werde. Andrea Bizer (UWV) erklärte, es sei „schmerzlich“, dass der Anbau an die Gemeindehalle vorerst nicht umsetzbar sei, „aber positiv, dass das Projekt nicht generell zurückgestellt wird“. Denn der zusätzliche Raumbedarf sei groß. Das betonte auch Jochen Eitel (FWV): Es sei nachvollziehbar, dass der Hallenbau aktuell nicht möglich sei, gerade im Winter seien die räumlichen Engpässe aber massiv vorhanden, eine Ganztagsbetreuung an der Schule werde das nochmals verschärfen. „Für das Kinderturnen beispielsweise müssen manche Familien schon jetzt auf umliegende Gemeinden ausweichen. Wir müssen die Hallenerweiterung in den nächsten Jahren angehen.“ Kurzfristig könnten für das Gymnastik- und Turnangebot alternative Räumlichkeiten „hoffentlich für etwas Entlastung sorgen“.
Wichtige Kennzahlen im Bissinger Haushalt
Ergebnishaushalt Den ordentlichen Erträgen mit 10,27 Millionen Euro stehen ordentliche Aufwendungen von 10,76 Millionen Euro gegenüber. Das Defizit im Ergebnishaushalt beträgt 490.150 Euro.
Finanzhaushalt Einnahmen von rund 9,91 Millionen Euro stehen Ausgaben von rund 9,97 Millionen Euro gegenüber. Daraus ergibt sich ein Zahlungsmittelbedarf des Ergebnishaushalts von minus 55.700 Euro. Investiert werden sollen insgesamt 2,33 Millionen Euro. Die Einzahlungen aus Investitionstätigkeit liegen bei 1,76 Millionen Euro. So ergibt sich ein Finanzierungsmittelbedarf aus Investitionstätigkeit von minus 567.500 Euro. Es ist eine Kreditaufnahme von einer halben Million Euro geplant.
Liquidität Die Liquidität liegt zum Jahresanfang 2026 bei 1,4 Millionen Euro. Bis 31. Dezember 2026 verringert sich diese auf 1,2 Millionen Euro. Der Schuldenstand beträgt zum Jahresende 1,48 Millionen Euro. Die Ergebnisrücklagen betragen 2,68 Millionen Euro.

