Tierschutz
Greifvogelzentrum Falconis in Uhingen: Ab in die wiedergewonnene Freiheit

Falknerin Sandra Hildebrandt hat ein großes Herz für Vögel. Rund um die Uhr ist sie für ihre Schützlinge da. In Weilheim kann sie einen von ihr gesund gepflegten Mäusebussard in sein Revier entlassen.

Nach einer erfolgreichen Operation kann der Mäusebussard von Falknerin Sandra Hildebrandt in die Freiheit entlassen werden. Foto: Carsten Riedl

Eine Geschichte mit Happy End: Nach einigen Wochen der Rekonvaleszenz in der Voliere bei Sandra Hildebrandt vom Greifvogelzentrum Falconis Filstal in Uhingen konnte ein Mäusebussard – vermutlich eine Dame – endlich wieder in den unendlich scheinenden Himmel starten. Der Flug war erstaunlich kurz und endete in einem nahegelegenen Baum auf einer Streuobstwiese.

Den Platz hat Sandra Hildebrandt bewusst ausgewählt. Er war nur wenige Meter von der Stelle entfernt, wo sie die erste Begegnung mit dem schönen Vogel hatte. Wie immer, wenn sie angerufen wird, ist der Anlass ein Trauriger. In dem Fall hatte sich der Flügel des Bussards im Stacheldraht eines akkurat gepflegten Grundstücks in Weilheim verfangen. Ein Gassigänger hatte die Notlage erkannt und die Polizei informiert, die wiederum die Falknerin anrief. Die Polizei kennt ihre Telefonnummer, regelmäßig wird sie gerufen, wenn Wildvögel verletzt sind. „Die Zusammenarbeit hat, wie so oft, auch in dem Fall hervorragend geklappt. Die Feuerwehr Weilheim war super und hat mir geholfen“, ist Sandra Hildebrandt voll des Lobs. Um den Vogel zu beruhigen, hat sie ihn mit einem Handtuch abgedeckt, während die Feuerwehr links und rechts des Flügels den Stacheldraht durchtrennt hat. Den Draht hat sie dann postwendend so perfekt repariert, dass nicht zu sehen ist, wo das Malheur passiert ist.

Mäusebussard wurde operiert Stacheldraht Greifvogel

Mit dem Vogel ging die Falknerin zu einer spezialisierten Tierärztin, die fachkundig unter Vollnarkose den Fremdkörper aus dem Flügel operiert und die Wunde vernäht hat. Nun hieß es warten und hoffen – und vor allem den Bussard pflegen. Alles lief perfekt, der Bussard hätte sogar schon früher wieder in die Freiheit entlassen werden können. „Doch es war in der vergangenen Woche so heiß, da kommen die Mäuse nicht raus“, begründet die Falknerin die Verzögerung.

Doch schließlich kommt der Tag. Der große Vogel wird aus der Transportbox mit dem Falkner-Handschuh herausgenommen und auf die Wiese getragen. Nach einer kurzen Orientierungsphase öffnet Sandra Hildebrandt ihre Faust – und nach einem verdutzten Moment fliegt der Bussard davon. Weit kommt er nicht, es folgt der Halt auf einem Obstbaum. Es dauert nicht lang, dann wird das Tier von anderen Raben- und Greifvögeln wahrgenommen. Stoisch bleibt der Bussard sitzen, die Falknerin geht beruhigt zu ihrem Auto zurück, ihre Aufgabe ist in dem Fall erfolgreich beendet.

Jedes Fundtier bekommt seine Chance

Das bedeutet für Sandra Hildebrandt jedoch keine Ruhepause. Es warten genügend andere Sorgenkinder auf sie. Ihr Garten besteht nahezu ausschließlich aus Volieren, wo ihre flug- und auswilderungsunfähigen Schützlinge leben. Ein großes Zimmer mit separatem Eingang ist den Pflegekindern vorbehalten. Küken sämtlicher Altersklassen päppelt die Falknerin hier auf. Jedes Fundtier bekommt seine Chance, auch wenn sie noch so aussichtslos erscheint. Zu oft hat Sandra Hildebrandt die Kämpferherzen der kleinen Flaumknäuel erlebt, die sich aus ausweglos erscheinenden Situationen wieder hochgerappelt haben und ausgewildert werden konnten.

24 Stunden, sieben Tage die Woche ist die Falknerin für ihre Tiere im Einsatz. „Wer einen hilflosen Vogel findet, soll bitte nichts selber machen und Dr. Google fragen. Bitte das Tier abgeben, das ist verdammt wichtig für den Vogel und seine Gesundheit“, appelliert sie und wird deutlich: „Im Internet steht so viel Mist bezüglich Ernährungstipps drin.“