Nachbarschaftshilfe
Gut aufgehoben auf der Alb: Dafür sorgt der Verein „Aktives Helfen“

Für nahezu alle Lebenslagen wissen die Vereinsmitglieder in Erkenbrechsweiler und Hochwang eine Antwort. Viele Ehrenamtliche engagieren sich. Der Verein ist Anwärter auf den Ehrenamtspreis.

Das Friedhofschwätzle in Erkenbrechtsweiler ist das neueste Angebot von Aktives Helfen. Foto: pr
Das Friedhofschwätzle in Erkenbrechtsweiler ist das neueste Angebot von Aktives Helfen. Foto: pr

Ein kleines Dorf mit vielen engagierten Menschen und sozialem Miteinander: Das ist Erkenbrechtsweiler. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn der direkt benachbarte Lenninger Teilort Hochwang gehört zu „Aktives Helfen“ genauso dazu. Vor 20 Jahren wurde auf der Berghalbhinsel auf der Alb dieser ortsübergreifende Verein aus der Taufe gehoben. Die Gemeindeschwester hatte ihren wohlverdienten Ruhestand angetreten und so entschieden sich sämtliche Beteiligte, den Krankenpflegeverein „umzuswitchen“ und mit neuem Leben zu füllen. 

Wir fahren etwa 5000 Kilometer im Monat.

Andrea Ruoff über die Fahrdienste, die über 20 Ehrenamtliche leisten  

 

Von der ersten Stunde an dabei ist Andrea Ruoff. „Es ging um ganz praktische Sachen: Betreuung und Hilfe im Haushalt, Schneeschippen im Winter, Einkauf oder Fahrdienste zu Ärzten, Therapeuten, Krankenhaus und Reha im Tal. Mit fünf Ehrenamtlichen haben wir begonnen“, erinnert sich Andrea Ruoff. Seitdem ist der Verein kontinuierlich gewachsen, etwa 90 Ehrenamtliche engagieren sich im Verein. „Wir fahren etwa 5000 Kilometer im Monat“, nennt sie eine stattliche Zahl. Über 20 Fahrer sitzen hinter dem Steuer. Vom Teenie bis zum rüstigen Senior, sind sämtliche Altersklassen im Verein vertreten. Eine junge Mutter sorgt beispielsweise regelmäßig für News auf Instagram.

 

Essen mit Stil und Pfiff: Apfelsuppe im Apfel, Kürbissuppe im Kürbis. Foto: pr
Essen mit Stil und Pfiff: Apfelsuppe im Apfel, Kürbissuppe im Kürbis. Foto: pr

 

Ständig werden Ideen aufgenommen, der Verein passt sich den Gegebenheiten an. Gartenarbeit war und ist ein Thema. Seit etwa 15 Jahren gibt es einen Mittagstisch, der sich großer Beliebtheit erfreut. Dutzende nehmen das Angebot an, um es sich im Kreis anderer schmecken zu lassen. Bis 2025 wurde auch regelmäßig das Essen auf Rädern ausgefahren, doch dann schlossen zeitgleich die Metzgereien sowohl in Hochwang als auch in Erkenbrechtsweiler. „Das waren seniorengerechte Teller und mit den Fahrern wurde immer auch ein bissle geschwätzt. Beide Ortsteile waren geschockt, als die Geschäfte aufgegeben wurden“, sagt Andrea Ruoff. Erste Essens-Alternativen laufen jetzt an.

 

Ein Teil der Ehrenamtlichen fand sich zum Fototermin ein. Foto: Thomas Blank
Ein Teil der Ehrenamtlichen fand sich zum Fototermin ein. Foto: Thomas Blank

 

Aktives Helfen ist für alle Menschen da. Irgendwann ist die Hausaufgabenbetreuung für Grundschüler dazugekommen, auch im Kindergarten sind die Ehrenamtlichen aktiv. „Manches Angebot wird aber nicht angenommen, beispielsweise das Babysitting. Die jungen Mütter sind bei uns wohl richtig gut vernetzt – sowohl familiär als auch im Freundeskreis“, sagt Andrea Ruoff. Ziemlich schnell hat sich dagegen die BUS-Gruppe etabliert. Bei Bewegung-Unterhaltung-Spaß ist die Sturzprophylaxe ein Schwerpunkt.

 

Bei BUS - Bewegen. Unterhalten. Spaß. - wird zur Sturzprophylaxe der Einbein-Stand trainiert. Foto: pr
Bei BUS - Bewegen. Unterhalten. Spaß. - wird zur Sturzprophylaxe der Einbein-Stand trainiert. Foto: pr

 

Es gibt das Albdinner zwei bis dreimal im Jahr mit einem bestimmten Thema, etwa Pilze oder Tipps zur gesunden Ernährung, das von einem professionellen Koch angeleitet wird. Etwa alle sechs Wochen gibt es das „Bunte Bücherkarussell“. Bei jedem Termin stellt jemand ein Buch vor – egal ob Roman, Gedichtband oder Krimi. Im Anschluss wird bei Getränken und Snacks darüber gesprochen. Es gibt Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, Stichwort Pflegegrad – und viele weitere Angebote.

 

Der Mittagstisch stößt auf große Resonanz. Foto: pr
Der Mittagstisch stößt auf große Resonanz. Foto: pr

 

Eine der jüngsten Ideen ist das Friedhofsschwätzle. Das unterschwellige Angebot haben insbesondere Witwer angenommen. Ein fester Kern hat sich herauskristallisiert, zu dem immer wieder weitere Gäste stoßen und bei dem es auch Kaffee gibt. „Das ist der Hammer. Einige Männer sind immer da, man kann Kontakte knüpfen – und es wird nicht über Krankheiten gesprochen. Altes Wissen wird geteilt – wo beispielsweise einst ein Laden war. Einer erzählt von seiner verstorbenen Frau, das Vertrauen in der Gruppe war schnell aufgebaut“, freut sich Andrea Ruoff.

 

Diese zwei arbeiten leidenschaftlich gern im Garten. Foto: pr
Diese zwei arbeiten leidenschaftlich gern im Garten. Foto: pr