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Historisches Bissinger Waaghäusle soll optisch in den Fokus rücken

Sanierung Die Plätze rund um die frühere Gemeindewaage und den Hirschbrunnen gegenüber werden neu gestaltet. Kunst von Winfried Tränkner soll die Historie präsent machen. Von Katja Eisenhardt

Die Plätze rund um das historische Bissinger Waaghäusle (im Hintergrund) und den Hirschbrunnen sollen ansprechend gestaltet werden. Foto: Carsten Riedl

Das historische Waaghäusle im Bereich der Vorderen Straße 13 bis 17 in Bissingen soll wieder mehr ins Blickfeld gerückt werden. Dafür bekommt der Platz rund um die frühere Gemeindewaage ebenso wie jener beim gegenüberliegenden Hirschbrunnen eine optische Frischekur, um den dörfliche „Vorgarten-Charakter“ wiederherzustellen. Wie genau das künftig aussehen könnte, hat der Wendlinger Landschaftsarchitekt Tobias Gula jetzt dem Gemeinderat vorgestellt. Aufgrund der recht kleinen Fläche sei das „eine knifflige Aufgabe“, erklärte Gula, man habe aber eine gute Lösung gefunden. Dabei sollen die erschwerte Zugänglichkeit des Bereichs rund ums Waaghäusle und die derzeit nicht vorhandene Aufenthaltsqualität in Angriff genommen werden. Aktuell stünden optisch die geparkten Autos im Fokus. „Wir haben momentan keinen gestalterischen Zusammenhang der beiden Straßenseiten“, sagte Tobias Gula, allein schon was den Mix an verwendeten Materialien angehe. Bei den Bodenbelägen dominiere wenig ansprechend das graue Betonpflaster. 

Zum Verweilen einladen

Das soll sich ändern: Der Landschaftsarchitekt hat sich im Ort umgeschaut und ist auf einige positive Beispiele mit dörflichem Charme gestoßen: Schön bepflanzte Natur- und Sandsteinmauern, Holzzäune, blühende Bauerngärten oder auch berankte Hauswände dienten ihm als Inspiration für den aktuellen Entwurf der beiden Plätze. Dieser sieht zum Beispiel durch eine niedrige Hecke geschützte Sitzbänke beim Waaghäusle vor, die zum Verweilen einladen. Dazu mehrere Pflanzbeete mit blühenden Stauden. Der neue Bodenbelag wird noch abgestimmt. Ein Stellplatz direkt am Waaghäusle muss für die neuen Sitzgelegenheiten weichen. Die übrigen Parkplätze im Areal sollen durch einen circa 1,20 bis 1,40 Meter hohen Holzlamellenzaun von der Straße abgetrennt werden, ebenso wie mit einer niedrigen Natursteinsockelmauer, die als zusätzliche Sitzmöglichkeit genutzt werden könnte. Siegfried Nägele (UWV) gab zu bedenken, dass der Zaun zwecks besserer Sicht im Straßenverkehr nicht ganz bis an die Vordere Straße gezogen werden sollte. Beim Hirschbrunnen gegenüber ist ebenfalls ein blühendes Pflanzbeet vorgesehen. Da müsse man dann auch direkt „den hässlichen Metallpapierkorb“ durch eine optisch ansprechendere Variante ersetzten, fand Rolf Rüdiger Most (FWV). Die Anregung wurde von Tobias Gula aufgenommen.

Die Historie der früheren Gemeindewaage, zu der die Landwirte Anfang des vorherigen Jahrhunderts ihr Rinderjungvieh im Frühjahr und Herbst zum Wiegen brachten, wird mit Unterstützung des örtlichen Bildhauers Winfried Tränkner wieder zugänglich gemacht. Geplant ist eine 100 auf 80 Zentimeter große Bronzetafel mit einer bildliche Darstellung des früheren Viehwiegens. Das Motiv ist angelehnt an ein vorhandenes Bild aus dem Gemeindearchiv. Ein Erklärtext auf der Tafelrückseite liefert zusätzliche Infos. Wo genau die Bronzetafel letztlich beim Waaghäusle aufgestellt wird, werde mit dem Künstler noch besprochen, erklärte Bürgermeister Marcel Musolf. „Wir sind hier für alles offen.“ Zu weit in den Hintergrund rücken sollte sie jedenfalls nicht, gab Rolf Rüdiger Most zu bedenken. Hans-Dieter Aberle (FWV) regte zudem ein Mikromuseum im Waaghäusle an. Hierzu gebe es erste Gedanken, die man noch weiter besprechen müsse, so Musolf. Ein bereits beschlossenes Gestaltungselement sind drei Bohlen aus Bronze, eingebettet in eine Natursteinfläche, die die alte Waage vor dem Waaghäusle symbolisieren sollen. 

Neue Bäume werden gepflanzt

Die zeitliche Umsetzung am Waaghäusle und am Hirschbrunnen hängt mit dem Bau eines Einfamilienhauses im Planbereich zusammen, dessen Baustart im zweiten Quartal 2024 geplant ist. Erst wenn der Hochbau abgeschlossen sei, mache es Sinn, sagte Musolf. Noch in diesem Jahr sollen an der Kirche zwei und am Adlerbrunnen vier neue Bäume gepflanzt werden. „Favorit ist die Felsenbirne, das sind schöne, schmalkronige Bäume mit einer hohen Lebensdauer“, so Tobias Gula.