Zweimal im Jahr bietet das Dettinger Familienzentrum im Gemeindehaus ein Vater-Kind-Frühstück an
Hoch lebe Speck mit Ei

Dettingen. Samstag, kurz vor 8.30 Uhr: In der Dettinger Ortsmitte wuselt es schon. Wo wollen die denn alle hin? Zahlreiche Papas und Kinder sind auf dem Weg zu „Speck und 


Ei“, dem Vater-Kind-Frühstück des Familienzentrums. Zu diesem kommen zweimal jährlich bis zu 70 Leute ins Gemeindehaus im Pfarrgarten.

Im Februar 2012 gab es „Speck und Ei“ zum ersten Mal. Besonders im Kindergarten wurde dafür intensiv geworben. „Geht da mal hin“, bekam so mancher Papa von der Mama zu hören – und war natürlich gehorsam. Inzwischen sind solche Anweisungen gänzlich unnötig geworden, denn die Väter kommen gerne und ganz von selbst. Meist gibt es mehr Interessenten als Plätze und beim Anmelden eine Warteliste. Die Väter melden sich schon an, bevor der nächste Termin überhaupt feststeht – ganz nach dem Motto: „Setze mich auf die Liste. Egal, wann der Termin ist – ich komme.“ In so mancher E-Mail, die Inge Eichler, Leiterin des Familienzentrums, erhält, stehen gleich mehrere Namen; die Familien haben sich schon abgesprochen. Längst gibt es viele große und kleine Stammgäste. Auch solche, die sonst keinen engen Kontakt zur evangelischen Kirchengemeinde, der Trägerin des Familienzentrums, haben.

Noch ist dieser Samstagmorgen etwas trüb. Pünktlich spricht Ulrike Kirschmann das Tischgebet und wünscht ein „frohes Frühstück“. So­gleich ist das Buffet gut belegt. Ulrike Kirschmann ist die Projektpatin. Mit ihrer 25-Prozent-Teilzeitstelle kann Inge Eichler nicht jedes Projekt persönlich betreuen; deshalb delegiert sie gerne. Wer jetzt aber denkt, dass ja doch wieder die Frauen alles machen, liegt falsch: Zum Team gehören auch Mathias Blankenhorn und Manuel Schiegl. Wer zu „Speck und Ei“ kommt, muss nichts mitbringen und auch hinterher nicht spülen. Hilfe beim Abräumen ist willkommen, das Putzen eingeschränkt, denn die Tische sind vorsorglich alle mit weißem Papier zugeklebt.

Doch zuerst werden Brezeln und Brötchen, Hefezopf und Honig geholt und Eier aus Freilandhaltung an die Tische gebracht. Dort stehen ­Raclettegrills, für die immer die Papas zuständig sind. Sie machen ihre Sache gut: Die Spiegeleier sehen fast immer gelungen aus. Der Besucherandrang und der Verbrauch sind an diesem Morgen etwas kleiner als sonst: Die Bilanz liegt bei 60 Eiern und eineinhalb Kilo Speck. Hinzu kommen 50 Waffeln.

Ulrike Kirschmann macht sich erst mit ein wenig Verzögerung mit zwei Waffeleisen ans Werk. Zuerst sollen die Kinder eine weniger süße Grundlage bekommen. Süß ist allerdings relativ, denn so mancher Teller des Nachwuchses trägt einen kleinen Schokocremeberg. Als die Kinder gut gesättigt sind, zieht es sie in die Spielecke. Dort warten Maltische, Holzklötze und eine Verkleidungskiste – für den Garten ist das Wetter an diesem Samstag nur bedingt geeignet.

„Das Gute ist, dass die Kinder mal Zeit mit ihren Vätern verbringen, ohne dass sie immer wieder zur Mama gehen können – denn Mama ist nicht da“, sagte Andreas Heckt, der mit Laura und Nico zum Frühstücken gekommen ist. Er findet es außerdem gut, andere Papas zu treffen. Das bestätigt Christoph Hoyler, der mit Robin und Micha da ist. „Wenn die Kinder gefüttert sind, ist es entspannt“, meint ein anderer Papa. Dem stimmt sein Nebenmann sogleich zu. „Dann sind wir dran und essen die Reste“, sagt er schmunzelnd.

Regelmäßig kommen bei „Speck und Ei“ neue Gäste hinzu. So wie Thomas Eberhard, der mit seinem Sohn Louis der Empfehlung anderer Väter gefolgt war: „Man nimmt sich Zeit für sein Kind, und die Mamas haben ein bisschen Zeit für sich.“

Die Frage, ob das nächste „Speck und Ei“ nicht früher stattfinden könne, hört Inge Eichler immer wieder. Dies sei allerdings eine Frage der Kapazitäten, entgegnet sie. Diese gäbe es sicherlich auch an anderen Orten, die das Projekt kopieren könnten. Falls sich ein besorgter Kassierer oder Kirchenpfleger fragt, was das kostet, kann er beruhigt sein. Auf den Dettinger Tischen stehen Dosen, der Richtpreis für das Frühstück liegt bei drei Euro. In der Regel gehen die Finanzen auf, sagt Inge Eichler. Oder es gebe sogar einen kleinen Überschuss.