Leidenschaft
Holz-Jeep mit 300 PS unter der Haube

Vier Jahre hat Norbert Arnold an dem Auto aus Kiefern- und Fichtenholz gearbeitet, das einen
V8-Motor hat. Wie er auf die Idee kam und wie viele Stunden in dem Projekt stecken. 

Ruhe vor dem Sturm: Norbert Arnold mit seinem Holz-Jeep am Morgen des Brazzeltags in Speyer. Foto: pr

Es ist kein Fahrzeug für jeden Tag. „Vor sieben Wochen bin ich ihn zum letzten Mal gefahren“, sagt Norbert Arnold. Das Auto, von dem er in seiner „Schrauberhalle“ in Frickenhausen mit leuchtenden Augen erzählt, ist ein Jeep aus Holz. Ob Türen, Sitze, Fensterrahmen, Splinte an den Radkappen, die Kappen selbst, die Spiegelverkleidung oder das Armaturenbrett: Wo sonst Metall oder Kunststoff dominieren, hat er Kiefern- und Fichtenholz verbaut. Seit vier Jahren steht das Unikat neben anderen skurrilen Fahrzeugen im Technikmuseum in Sinsheim.

„Eigentlich bin ich ein Holzwurm“, sagt der 56-Jährige. In dritter Generation hatte der Kohlberger einst mit seinem Bruder den Zimmereibetrieb des Vaters übernommen. Zimmerer zu lernen, war nach der Schule alternativlos. Gleichzeitig, so sagt er von sich, sei er schon immer „ein Schrauber“ gewesen. Nach Feierabend wurde an Autos gebastelt. Geländewagen gehörten schon lange zum Fuhrpark der Familie. Offroad „im Dreck rumzufahren“, war damals Norbert Arnolds Ding. Mit dem Projekt Jeep, Marke Eigenbau, verband er Beruf und Hobby: Ein CJ-7 sollte es werden. Originalgetreu aus Holz. „Aus Stahl kann es jeder“, so Norbert Arnold trocken.

Wenn sie anfangen zu klopfen oder mit dem Fingernagel reinzudrücken, werde ich stinkig.

Norbert Arnold hat ein zwiespältiges Verhältnis zu allzu begeisterten Autofans.

„Angefangen hat es mit zwei Achsen. Die hat mir ein Kumpel geschenkt“, erzählt er. An einem Samstagnachmittag vor 16 Jahren habe er davor gesessen und überlegt, was er damit machen könnte. Da sei der Entschluss gereift, den Holz-Jeep in Angriff zu nehmen. Allen Unkenrufen zum Trotz stürzte sich Norbert Arnold in die Arbeit. „Vier Jahre habe ich in jeder freien Minute daran geschafft“, sagt er. Oft sei er bis Mitternacht in seiner damaligen Zimmerei in Neuffen gesessen. Insgesamt stecken 4000 Stunden in dem Projekt. Möglich war der Nachbau, weil sämtliche Einzelteile des Jeeps bei irgendeinem seiner Kumpel „rumlagen“. Während er auf Fotos des imposanten Fahrzeugs an der Wand zeigt, sagt er stolz: „Das ist alles Handarbeit.“ Handhobel, Schleif- und Hobelmaschine, Oberfräse, Band- und Kreissäge – alles, was in einer Zimmerei steht, kam beim Bau des Prototyps zum Einsatz. Alles, außer einer CNC-Maschine.

Laut wie ein startendes Flugzeug

Rückschläge blieben nicht aus: „Wenn du an einem Teil acht Stunden arbeitest und es innerhalb von ein paar Sekunden kaputt ist“, sagt er knapp. Lehrgeld musste er vor allem bei gebogenen Teilen zahlen. „Die muss man langsam trocknen, sonst brechen sie zu schnell.“ Mit heißem Wasserdampf machte er die Hölzer „einigermaßen flexibel“. Für die Motorhaube – „das Allerschwierigste“ – leimte er viele Hölzer zusammen. Die gebogenen Kotflügel und das Karosserieelement unterhalb der Windschutzscheibe forderten ihn besonders. „Ich habe alles allein gemacht“, sagt er.

Helfen ließ er sich lediglich von einem Elektriker und einem „Airbrusher“. Der hübschte die zwei Stahlachsen auf. Wenn schon Stahl, dann wenigstens in Holzoptik. Motor und Getriebe habe er gebraucht gekauft. „Als die Karosserie fertig war, hat es richtig Geld gekostet“, sagt Norbert Arnold. Insgesamt stecken in dem Auto 30.000 Euro.

Seit vier Jahren steht der Holz-Jeep im Technikmuseum in Sinsheim. Foto: pr

Auch was der Jeep unter der Haube hat, kann sich sehen und vor allem hören lassen: Der Acht-Zylinder-Motor mit 5,9 Litern Hubraum und 300 PS bringt es mit seinem „V8-Sound“ auf gut 130 Dezibel, wenn der Kohlberger aufs Gas drückt. Das entspricht ungefähr dem Lärm eines startenden Flugzeugs. Einmal im Jahr – am „Brazzeltag“ –, wenn sich das Gelände des Technikmuseums in Speyer in eines der größten Technikfestivals in Deutschland verwandelt, dröhnt auch der Holz-Jeep von Norbert Arnold durch den Parcours. Das geht mit einer Tageszulassung und ist versichert durch den Veranstalter. Möglich wäre sogar eine Zulassung für die Straße. „Dann dürfte ich aber nur 59 km/h fahren und bräuchte eine Sondergenehmigung.“

Auch wenn er den Trubel um seinen „Eyecatcher“ genießt, sei er jedes Mal froh, wenn der Tag vorbei ist. Die Leute dürften das Fahrzeug am Brazzeltag auch anfassen. „Wenn sie aber anfangen zu klopfen oder mit dem Fingernagel reinzudrücken, werde ich stinkig.“ Ein „reines Möbelstück“ ist es eben doch nicht. Zum Schutz auch vor UV-Strahlen hat er es viermal mit insgesamt 15 Litern Bootslack überzogen. Nötig war der Schutz etwa bei einem der beiden Fernsehaufnahmen auf dem Hohenneuffen. „Beim zweiten Mal hat es geschüttet. Das hat dem Jeep nichts ausgemacht.“

Bis auf wenige Teile hat Norbert Arnold den Jeep komplett aus Holz gebaut. Scharniere beispielsweise sind wegen der Stabilität jedoch aus Metall. An manchen Teilen wurde per Airbrush für Holzoptik gesorgt.

Längst bevor der Anruf aus dem Technikmuseum in Sinsheim kam, hatte das hölzerne Auto für Aufsehen gesorgt. Noch ohne Motor habe er es beim US-Car-Treffen in Metzingen ins Zelt gestellt und eine riesige Resonanz bekommen. Der Jeep stand auf der Retro Classics in Stuttgart, er wurde von einem großen Forstmaschinenhersteller auf eine Messe geholt, und auch Fachzeitschriften wurden auf den Tüftler aufmerksam.

Seit vier Jahren ist die Leihgabe im Technikmuseum in Sinsheim zu Hause. „Perfekt“ findet Norbert Arnold das. „Da steht er richtig.“ Im Winter besuche er ihn immer. Und natürlich am „Brazzeltag“. Da habe die ganze Familie einen „Mordsspaß“. Norbert Arnold setzt sich dann wieder ans Steuer seines Holz-Jeeps und lässt den Motor dröhnen.