In Casting-Shows achten Fernsehmacher nicht nur auf Talente, sondern auch auf unterschiedliche „Typen“. Vermutlich hätten sie ihre Freude am „Casting“ für Holzmadens nächsten Bürgermeister gehabt. Mit Marius Remmler, Florian Schepp und Markus Seitz präsentierten sich in der Weilheimer Limburghalle sehr unterschiedliche Charaktere. Einziges Manko: Eine Frau fehlte in der Kandidaten-Runde.
Der 40-jährige Marius Remmler setzte auf den Faktor „Verbundenheit mit dem Ort“: Er ist nicht nur langjähriges Mitglied im TSV Holzmaden, sondern auch Leiter der Jugend-Fußballabteilung und zieht mit Frau Melanie und seinen beiden Kindern im Herbst von Kirchheim in die Urwelt-Gemeinde. Er sei einfach „sau gern“ in Holzmaden, sagte der begeisterte Fußballer, der kein Rede-Manuskript hatte. „Alles andere als ein klassischer Verwalter“ sei er, aber er könne der Gemeinde frische Impulse geben. Die fehlende Erfahrung wolle er als Team-Player wettmachen. Ziele zu erreichen, habe er als Vertriebler gelernt. „Ich bin gewohnt, Menschen zu überzeugen“, sagte er. Als „Kapitän vom Team Holzmaden“ wolle er Neues ausprobieren, die Kinderbetreuung im Ort verbessern, ein Mehrgenerationenhaus planen und Bauplätze schaffen.
Nach dem eher lockeren Start kam der Kirchheimer Stadtrat und Kriminalhauptkommissar Florian Schepp. Er hielt den strukturiertesten, manchmal ob seiner Informationsfülle etwas gehetzt wirkenden Vortrag des Abends. Der 45-jährige zweifache Familienvater konnte sowohl auf Verwaltungskenntnisse im Polizeidienst verweisen sowie auf ein breites ehrenamtliches Engagement, nicht nur als Skilehrer, sondern auch im Elternbeirat der Kirchheimer Kindertagesstätten. Seine Begeisterung für Holzmaden konnte er nicht nur mit der Gemeindegröße, sondern auch mit dem „Teckblick“ verbinden und damit gleichzeitig das „Machen-Wollen von A bis Z“ und die Heimatverbundenheit zeigen. Er brachte das Thema Straßenverkehr im Ort ein und bewies dabei Fachkenntnis. Er will konkrete Vorschläge für die Nachfolge des geschlossenen Dorfladens machen und erkannte auch wie sein Vorredner, was ein Thema der Zukunft sein wird: Wohnraum und Gewerbeflächen schaffen. Eine neue Idee hat er zum Bereich Kommunikation: Sollte er Bürgermeister werden, wird es ein „Bürgermeister-Bänkle“ am Rathaus geben, auf dem er sitzt und Bürgern Fragen beantwortet.
Hemdsärmelig und als „ein Mann vom Volk“: So präsentierte sich der Dritte der Kandidatenrunde, der Weilheimer Markus Seitz, nicht nur auf dem Wahlplakat am Ortseingang, sondern auch an diesem Abend bei seinem „Heimspiel“ in der Limburghalle. Der 51-Jährige machte aus seiner fehlenden Erfahrung keinen Hehl, sondern verweise gleich darauf, dass ihm gefalle, dass keiner eine Ausbildungsverwaltung auf dem Rathaus vorweisen könne. Seine Erfahrungen aus 30 Jahren Unternehmertätigkeit in seiner Firma für Siebdruck könne er vielfach auf die Gemeinde und ihre Anwohner übertragen. Er wisse was es heißt, jeden morgen früh aufzustehen, um seine Brötchen zu verdienen: „Ich weiß, wo der Schuh drückt.“ Inhaltlich schwebt ihm ein Fahrdienst für Ältere und behinderte Menschen vor, die Kinder- und Jugendbetreuung stärken, sowie Lösungen gegen den Verkehrslärm suchen. Desweiteren stehe er für Schuldenabbau und neue Bauplätze. Als einziger sprach er über Umwelt: Seine Firma produziere klimaneutral, das sei auch an vielen Stellen in Holzmaden möglich.
In den Fragerunden stellte dann Gemeinderätin Katja Hanning-Fischer allen drei Kandidaten die „Gretchen-Frage“: Wie sie gedenken, sich fehlende Kenntnisse anzueignen? So unterschiedlich wie die Kandidaten fielen auch die Antworten aus. Während Marius Remmler „on the job“ lernen will und bei Fragen auf die Fachkompetenz von Hauptamtsleiterin Roswitha Haselbeck vertraut, hat Florian Schepp konkrete Fortbildungsangebote im Blick. Markus Seitz würde sich sowohl fortbilden als auch einarbeiten. Launig merkte er an, dass es für Fragen ja auch die „Mädels“ im kompetent besetzten Rathaus gebe, die seien „klasse“.
Fazit: Es wird spannend in Holzmaden. Wie sehr Qualifikation, Sympathiewerte oder Identifikationsptenziel die Wahlentscheidung bestimmen, wird man am Abend des 14. März sehen.