Es klingt paradox: Das Defizit hatte sich angekündigt, und es hängt ausgerechnet mit einem dicken Plus zusammen. Finanziell gesehen fällt der Erfolg der vergangenen Jahre der Gemeinde Holzmaden im nächsten Haushalt auf die Füße: Die starken Steuerjahre 2024 und 2025 haben dazu geführt, dass Holzmaden mit einer „Steuerkraftsumme“ von 5,9 Millionen Euro auf Platz 1 im Landkreis liegt. Die Steuerkraft ermittelt die finanzielle Stärke einer Gemeinde, sie kombiniert die bereinigten Steuereinnahmen mit den Schlüsselzuweisungen des Landes aus dem Finanzausgleich.
Der Nachteil: Aufgrund des großen Erfolgs fallen im kommenden Jahr die Schlüsselzuweisungen weg – von 830.000 Euro auf Null. Gleichzeitig steigen
„Das Geld tut uns gut, auch wenn es die kommunalen Haushalte nicht dauerhaft saniert.
Holzmadens Bürgermeister Florian Schepp sieht den Effekt das „Sondervermögens“ realistisch.
die Beiträge zum Finanzausgleich auf knapp 1,5 Millionen und die Kreisumlage auf mehr als zwei Millionen Euro, was eine Verdoppelung im Vergleich zum laufenden Jahr bedeutet. „Das sind Faktoren, die wir nicht beeinflussen können“, erläutert Tobias Kirchner von der Kämmerei später in seinem Zalhenwerk.
Ein großer Faktor ist für Holzmaden der Posten „Persona“. „Die Personalkosten im Bereich Kinderbetreuung sind alleine in unseren Kindergärten in den letzten sechs Jahren um über 50 Prozent angestiegen“, wird Florian Schepp konkret. Das liege zum einen an gestiegenen Standards, etwa einem relativ hohen Betreuungsschlüssel, wie er in Baden-Württemberg gilt. Aber auch die Tarifsteigerungen für pädagogische Fachkräfte müssen die Gemeinden auffangen. Dazu komme ein deutliches Plus an Personal beim kommunalen Betreuungsangebot an der Schule. „Hierzu sind wir verpflichtet, und wir wollen das auch tun“, stellt Florian Schepp klar. Gleiches gelte für das Integrationsmanagement..
Alles in allem rechnet die Gemeinde für 2026 mit einem Minus von -2,4 Millionen. Doch wissend, wie es zustande gekommen ist, bleibt der Bürgermeister optimistisch. „Trotz der Belastungen ist 2026 ein ausgesprochen starkes Investitionsjahr. Insgesamt investieren wir rund 2,98 Millionen Euro in unsere Infrastruktur“, kündigt der Rathauschef an. Daraus sticht erwartungsgemäß der Kindergarten Seestraße hervor. Das Großprojekt der kommenden Jahre schlägt 2026 mit 1,55 Millionen Euro zu Buche, unter anderem für den Abriss und die Planung. „Wir erhalten hierfür bereits 270.000 Euro aus der Landesförderung“, betont Schepp.
Die gute Liquidität beruhigt
Auch das historische Rathaus muss eine Frischzellenkur bekommen, schließlich soll das Aushängeschild der Gemeinde noch lange erhalten bleiben. „Das Rathaus ist unsere DNA und das Schmuckstück von Holzmaden. Hier müssen wir dringend ran, bevor die Schäden noch größer werden.“
Um die finanzielle Durststrecke der kommenden Jahre zu überwinden und die Investitionen zu decken, kann Holzmaden auf eine gute Liquidität bauen. Die steigt bis Ende des laufenden Jahres noch auf 6,75 Millionen Euro. Endes des Jahres sollen dann noch 2,95 Millionenen Euro übrig bleiben. „Weit über dem der Mindestliquidität von 116.723 Euro“, so er Bürgermeister.
Zumal nach derzeitigem Stand die Talsohle zeitlich begrenzt ist. „Der Zahlungsmittelüberschuss des Ergebnishaushaltes wird 2028 wieder positiv“, kündigt Florian Schepp an. Bis dahin sollen auch die Gewerbesteuereinnahmen wieder auf über 2,6 Millionen Euro steigen. Man plane derzeit weder eine Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuer noch sei eine Kreditaufnahme geplant.
Und dann gibt es ja noch das „Länder-und-Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz“ aus dem „Sondervermögen“ der Bundesregierung, das alle Städte und Kommunen mit insgesamt bis zu 100 Milliarden unterstützt. Auf Holzmaden entfallen nach derzeitigem Stand rund 1,54 Millionen Euro, die aber für 2026 noch nicht eingeplant sind.
Doch auch wenn Holzmaden dieses Mal mit einem blauen Auge davonkommt, mahnt Florian Schepp eine Reform des kommunalen Finanzierungswesens an. Mit einem Zitat von Steffen Jäger, Präsident des Städte und Gemeindetags, schließt er seine Haushltsreede: „Wenn die Kommunen für deutlich mehr als ein Viertel der öffentlichen Ausgaben geradezustehen haben, zugleich aber mit einem Anteil von nur rund einem Siebtel vom Steuer-Kuchen abgespeist werden, dann müssen sie zwangsläufig in die roten Zahlen rutschen.“
Und so geht es weiter: Bis zum 18. Januar 2026 müssen die Anträge der Wählergruppierungen eingegangen sein, die Stellungenahmen, Anträge und Entscheidungen fallen dann in der Sitzung am 29. Januar.

