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Hommage an Udo Jürgens: Immer wieder geht die Sonne auf

Musik In der Weilheimer Limburghalle kamen Udo-Jürgens-Fans beim Konzert des Musicaldarstellers Karim Khawatmi voll auf ihre Kosten und sangen am Ende sogar mit. Von Sabine Ackermann

Mit starker Stimme brachte Karim Khawatmi begleitet von Jonathan Frey am Piano Udo Jürgens auf die Bühne.  Foto: Sabine Ackermann

Udo Jürgens ist tot. In acht Monaten werden es schon zehn Jahre, dass diese Nachricht kurz vor Weihnachten 2014 zahlreiche Fans schockte. Mit über 105 Millionen verkauften Tonträgern, 50 Alben und mehr als 1000 geschriebenen Liedern in seiner nahezu sechzig Jahre andauernden Karriere, zählt der aus Klagenfurt stammende Sänger, Komponist und Pianist zu den bedeutendsten Unterhaltungsmusikern im deutschsprachigen Raum. Große Fußstapfen einer Legende, die es zu füllen gilt – und das gelingt dem Münsteraner Karim Khawatmi hervorragend.

Mit starker Stimme brachte Karim Khawatmi Udo Jürgens auf die Bühne.  Foto: Sabine Ackermann

Den eingefleischten Musicalfans wird der Wahlberliner kein Unbekannter sein. Neben zahlreichen Produktionen kennt man den Sänger auch als Hauptdarsteller aus dem Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“. Schon das erste Lied, „Aber bitte mit Sahne“, machte im doppelten Sinn Appetit auf mehr. Auch seine etwas älteren Hits wie, „Siebzehn Jahr, blondes Haar“, „Vielen Dank für die Blumen“ oder „Merci Cherie“, kamen beim überwiegend älteren Publikum sehr gut an. Logisch, schließlich ist bei Udo Jürgens „Mit 66 Jahren“ noch lange nicht Schluss.

Bandbreite an Stimmungen

Ob balladesk oder im dynamischen Rhythmus, in letzterer Ausrichtung nimmt Karim Khawatmi die ganze Bühne ein, offenbart er mit seiner klaren, festen und angenehmen Stimme die facettenreiche Bandbreite der Stimmungen seines Idols – virtuos begleitet am Klavier von Jonathan Frey, der im Raum Stuttgart zu Hause ist. Ein durchgängiger Hörgenuss, bei denen sich weder Sänger noch Pianist in den Vordergrund stellt. „Das Leben bist du, du bist das Leben“. Udo Jürgens war nicht zuletzt für seine tiefgründigen Texte bekannt, die leider aktueller denn je sind: „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden zur Tat. Achte auf deine Taten, denn sie werden dein Schicksal. Achte auf deine Fehler, andere machen sie nach. Du bist dein Krieg, du bist dein Frieden.“ Wer kennt nicht das „Ehrenwerte Haus“, in dem sich vermutlich so manche Bewohner beim Auszug sagten: „Jetzt oder nie und nicht irgendwann“. Mit Leidenschaft gesungene Ratschläge, um das zu „Tun, was man will“, heißt es doch: „Heute beginnt der Rest deines Lebens“. Gänsehaut-Feeling bescherte das Stück „Gäb‘ es nur noch dieses Lied für mich“, bei dem der Sänger seine ganze Seele reinlegte.

Publikum sorgt für Lichtermeer

Immer Kontakt zu seinem Gegenüber, durften drei willkürlich ausgewählte Personen auf einem Zettel notieren, was ihnen gerade in diesem Moment wichtig wäre, am Ende wurden die Notizen vorgelesen. Da Karim Khawatmi aufgrund seines Musicals-Engagements Udo Jürgens gut kannte, plauderte er zwischen den Titeln die ein oder andere Anekdote aus. Darunter nette Geschichten, die allerdings im Laufe des Abends des Guten zu viel und fallweise zu sehr mit einem Glorienschein versehen waren. „Familie ist eben alles“, nennt er des verstorbenen Sängers Credo. „Udo hat unsere Kultur beeinflusst“, bekräftigt der Musical-Darsteller und Fotodesigner, der sich beim „Sonnen-Medley“ ein Lichtermeer aus Smartphone-Lichtern wünscht und dieses auch bekam. Je später der Abend, umso mutiger das Publikum, das es am Schluss mitsingend nicht mehr auf den Stühlen hielt. Mehrere Zugaben beendeten den wundervollen Abend.