Mit seinen Hühnern ist er berühmt geworden, aber auch seine Serie „Die Paar Probleme“ haben Kultstatus erreicht: Peter Gaymann gehört zu den bekanntesten Zeichnern Deutschlands. Was viele aber nicht wissen dürften: Er befasst sich seit zwölf Jahren auf humoristische Weise auch mit einem ernsten Thema, der Demenz.
Unter dem Titel „Demensch“ geht er mit dem Demenzexperten Professor Thomas Klie sowie dem Kabarettisten und Musiker Josef Brustmann auf Tour. Am Dienstag, 25. November, macht das Trio ab 19 Uhr auf Einladung des Sozialen Netzes Weilheim im katholischen Gemeindehaus in Weilheimer Station. Live lassen dann Peter
„Humor kann eine Überlebensstrategie sein.
Peter Gaymann
glaubt, dass Lachen
lebensverlängernd sein kann.
Gaymann zeichnerisch und Josef Brustmann musikalisch an der Zither die Hühner tanzen. Auch Thomas Klie ist dabei, er liest Texte zum Thema Demenz.
Der Gerontologe ist Ideengeber für dieses ungewöhnliche Trio. „Er hat mich auf einer Wanderung angesprochen, ob ich humoristisch etwas zu diesem Thema beitragen möchte“, erinnert sich Peter Gaymann im Gespräch mit dem Teckboten. Der Karikaturist war skeptisch: „Ich fragte mich: Geht das überhaupt? Aber mich reizte die Herausforderung.“ Zu seiner eigenen Überraschung habe das Thema humoristisch gleich funktioniert. Ziemlich schnell entstand dann der erste Kalender. „Der bekam eine überaus positive Resonanz“, erinnert er sich.
Ziel: Tabus aufbrechen
Auf der einen Seite werde die Gesellschaft stetig älter, auf der anderen Seite gebe es ein großes Tabu, über das Thema Alter und Demenz zu sprechen. „Die Zeit war reif dafür“, ist er sicher, dass sein Ansatz helfen kann, mit Demenz besser umzugehen.
Der Zeichner hat das Thema in der eigenen Familie erlebt. Seine Schwiegermutter ist an Demenz erkrankt. „Gemeinsam lachen“, heißt seine Devise, er will sich über niemanden lustig machen oder das Gesundheitssystem anprangern. Auf seinen Veranstaltungen kommt er viel mit Angehörigen von Demenzkranken zusammen, die ihm auch Geschichten zum Schmunzeln erzählen. Zum Beispiel diese: „Ein Mann hat mir erzählt, dass er mal ein paar Tage Auszeit genommen hat, während sich seine Kinder um seine Frau gekümmert haben. Als er wieder kam, sagte seine Frau zu ihm: Wer sind Sie? Antwort: Ich bin Dein Mann. Sie darauf: Schön wär’s.“
Wenn Menschen die Kontrolle über ihr Leben verlieren, ist das eigentlich etwas Trauriges. Doch darin kann auch Komik liegen. Wie der ältere Herr, der sich über den Computer ärgert, weil der „sein“ Passwort nicht mehr weiß. Gaymann vermischt in seinen Werken leichtfüßig verschiedene gesellschaftliche Themen: Wie die Protestdemo gegen die Demenz, auf der ein Teilnehmer ruft: „Die Regierung hat uns vergessen.“ Oder der Opa, der einen Schneemann völlig falsch zusammenbaut und von seinem Enkel zu hören kriegt, dass das ja wohl kein Schneemann sei: „Der ist divers“, sagt er leichthin. Für Angehörige von Demenzkranken sei es manchmal eine Erleichterung, über das schwere Thema lachen zu können, sagt er. Denn: „Bemitleiden hilft einem auch nicht viel.“ Wichtig sei, miteinander zu lachen, nicht übereinander.
Dass Krankheit und Humor sich nicht ausschließen müssen, hat Gaymann in seiner eigenen Familie erfahren. „Ich bin mit einem Vater aufgewachsen, der nur ein Bein hatte. Er hat es im Krieg verloren. Er hat mit seinem Holzbein alles gemacht, war sehr aktiv und ist auch Auto gefahren“, erzählt er. Als Peter Gaymann einen Hahn mit einem Holzbein gezeichnet hatte, der seinen eigenen Schenkel zubereitet hatte, habe sein Vater das sehr witzig gefunden, erinnert sich der gebürtige Freiburger.
Selbst tut der mittlerweile 75-Jährige das Wichtigste, um Demenz vorzubeugen: Er ist immer noch sehr gut beschäftigt, arbeitet jeden Tag in seinem Atelier und hat immer viel mit Menschen zu tun. „Ich versuche einfach ein Leben zu führen, das mir Spaß macht.“ Ansonsten gehöre natürlich auch viel Bewegung und frische Luft dazu, die berühmten 10.000 Schritte gehören bei ihm zum täglichen Programm. Das habe er aber immer schon so gehalten. Er könne Leute nicht verstehen, die im Alter nur noch auf Parkbänken sitzen. „Wenn ich manchmal denke, ist das jetzt zu viel? Dann gebe ich mir selbst die Antwort: Auf jeden Fall besser, als nichts zu tun.“
Info Für die Veranstaltung „Demenz und Humor: Das Demensch-Trio zeigt, dass dies prima passt“ im katholischen Gemeindehaus Weilheim ist eine Anmeldung notwendig: unter 0 70 23/7 43 30 77 oder per Mail an info@soziales-netz-weilheim.de.

