Kreativität
Im Kloster die Kunst entdeckt

Claudia Lippkau hat ihr Faible für die Malerei während eines Kloster-Workshops entdeckt. Heute stellt die Notzingerin ihre Werke selbst regelmäßig aus. 

Zu Hause in Notzingen hat sich Claudia Lippkau ein Atelier eingerichtet. Hier experimentiert die Hobby-Malerin mit vielen Farben und ganz unterschiedlichen Materialien. So entstehen Schicht für Schicht ihre abstrakten Strukturbilder. Foto: Katja Eisenhardt

Bis 1995 hat Claudia Lippkau als Bankerin gearbeitet. „Ich habe dann einen neuen Weg eingeschlagen und mich freiberuflich als Trainerin/Coach weitergebildet und als solche gearbeitet. Allerdings bis 2015 immer noch im bekannten Umfeld der Bankenwelt“, erzählt die Notzingerin. Im Laufe dieses Jahrzehnts seien Bausteine wie das Lachyoga und die Achtsamkeit thematisch bei den Coachings dazugekommen. „2015 habe ich der Bankenwelt dann endgültig den Rücken gekehrt und mich ganz auf die Selbstständigkeit mit meiner ‚Lachschmiede‘ konzentriert.“ Bis heute macht Claudia Lippkau das Lachyoga mit eigenen Workshops oder auch Trainings für Firmen vielen Interessierten zugänglich. 

Malerei-Workshop war Auslöser

Zur Kunst kam die Notzingerin ebenfalls 2015. Im Sommer besuchte sie gemeinsam mit ihrem Mann Uwe einen Malerei-Workshop im Kloster Heiligenkreuztal in Oberschwaben. „Wir waren ein halbes Jahr vorher dort auf einem Achtsamkeits-Wochenende, da habe ich von dem Kunst-Workshop erfahren und das einfach spontan gebucht. Ich wollte das auch mal ausprobieren, mein Mann hat die Malerei schon länger als Hobby“, erzählt Claudia Lippkau von den Anfängen. „Ich dachte damals, ich muss mal aus meiner Komfortzone raus. Im Workshop war das Malen aus der Mitte heraus, also das intuitive Malen ohne vorgefertigten Plan, das Thema. Das Experimentieren mit den Farben und Formen fand ich direkt sehr interessant. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keine kreative Ader in mir entdeckt“, ergänzt Lippkau und lacht. 

Dass genau diese aber ganz offensichtlich doch in ihr schlummerte, wurde recht schnell deutlich. Claudia Lippkau fand Spaß am neuen künstlerischen Hobby und ist drangeblieben. Sie hat immer mehr Malerei-Kurse besucht – von jenen an der Holzmadener Kunstschule von Sabine Fleischmann und bei Gabriele Middelmann in München bis zur Kunstakademie am Bodensee und bei Robert Süess in der Schweiz. Nach und nach hat sie ihre Fertigkeiten und das Wissen rund um die unterschiedlichen Techniken, Stile und den Einsatz der Materialien immer weiter ausgebaut. „Beim Malen vergesse ich Raum und Zeit, das ist für mich Tiefenentspannung pur“, sagt Claudia Lippkau.

Seit zehn Jahren entsteht ihre eigene Kunst in ihrem kleinen Atelier in den heimischen vier Wänden. „Anfangs habe ich viele Fachbücher gewälzt und mich von anderen Künstlern und ihrem Stil inspirieren lassen und einfach viel ausprobiert. Mit der Zeit habe ich so meine eigene Richtung gefunden. Mir gefällt das Haptische, das Gröbere und Strukturen in den Bildern zu schaffen“, sagt Lippkau. Das gelinge beispielsweise durch den Einsatz von Spachtelmasse und Marmormehl sowie Acrylbinder in Kombination mit Kartonage oder Netzen, die mit ins Bild eingearbeitet werden. Schicht um Schicht entstehe so das Bild, ohne vorgefertigten Plan. Das sei wie beim Lachyoga – aus dem Bauch heraus. „Da gibt es so viele Möglichkeiten, das macht es spannend. Man weiß am Anfang eigentlich nie, was am Ende dabei herauskommt. Es ist ein Ausprobieren – welche Materialien, welche Farben passen gut zusammen“, erklärt Claudia Lippkau. Sie arbeite viel mit Acrylfarben, „die sind zum Beispiel auch in Kombination mit Tusche oder Pigmenten und Kohle toll.“

Ihren Stil beschreibt die Hobby-Malerin als „abstrakt und reliefartig. Es sind Strukturbilder.“ Inspiration bekomme sie viel aus der Natur oder von alten Gebäuden, „von Räumen, in denen die Farbe schon abblättert und man die diversen Farbschichten sieht. Lost Places wie die alte Papierfabrik Scheufelen in Lenningen zum Beispiel sind toll.“ 

Ausstellung im Schloss

Ihre erste Ausstellung fand im Herbst 2018 im Rahmen von „Owen leuchtet“ statt, erinnert sich Claudia Lippkau. Im März 2020 reichte es dann gerade noch für die Vernissage im Haus des Gastes in Bad Ditzenbach, bevor die beginnende Corona-Pandemie die Ausstellung abrupt beendete. Als es wieder möglich war, folgten unter anderem Ausstellungen im Rahmen des Kirchheimer Sommers oder bei „Kunst im Schaufenster“ in Nürtingen. „Mein absolutes Highlight war eine Ausstellung auf Schloss Filseck in Uhingen. Das war schon auch eine gewisse Bestätigung, dass das nicht so schlecht sein kann, was man da macht“, erzählt die Notzingerin, die Mitglied im Kunstverein Kirchheim und beim Wendlinger Galerieverein ist.

 

Hier ist Claudia Lippkaus Kunst zu sehen

In Kirchheim sind noch bis Donnerstag, 20. November, ein paar von Claudia Lippkaus Werken in der Goldschmiede Nº 3, Rossmarkt 3, zu sehen.

In Bad Ditzenbach findet am Freitag, 7. November, um 19 Uhr die Vernissage zur Ausstellung „Zeitspuren“ mit rund 40 Bildern aus den letzten zehn Jahren im Haus des Gastes, Helfensteinstraße 20, statt. Die Ausstellung läuft bis Freitag, 28. November. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr sowie Montag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 16 Uhr.

In Stuttgart ist die Notzingerin am Wochenende des 20. und 21. Dezember beim „Kunstkaufhaus“-Event in den Wagenhallen, Innerer Nordbahnhof, mit von der Partie.

Eindrücke der Werke, die man auch erwerben kann, bekommt man samt Kontaktinfos über die Homepage www.malschmiede.de und den Instagram-Account claudialippkau. Workshop-Termine gibt es unter www.lachschmiede.deeis