Ob die Null eine vollwertige Zahl ist, darüber streiten sich die mathematischen Geister. Aber als ein gutes Zeichen hat sie für Johannes Züfle auf jeden Fall einen Wert. Denn der Weilheimer Rathauschef kann in seiner Reder zur Einbringung des städtischen Haushalts 2026 darauf verweisen, dass die Stadt „null“ Euro an Krediten aufnehmen muss. Das kann die Basis dafür sein, über das Jahr 2026 hinaus größere Investitionen ins Visier zu nehmen. Denn hinzu kommt noch ein „Geschenk“ aus dem Sondervermögen der Bundesregierung in Höhe von 6,13 Millionen Euro. „Dafür möchte ich Danke an die Bundes- und Landesregierung sagen. Die Probleme in den Kommunen werden gesehen.“
Dennoch macht sich der Rathauschef keine Illusionen: „Zur hohen Schlagzahl der vergangenen Jahre war uns klar: In diesem Tempo kann es nicht weitergehen.“ Die Millionen-Investitionen der jüngeren Vergangenheit haben für runderneuerte Kitas gesorgt, eine neue Turnhalle an der Limburgschule, die auch architektonisch etwas hermacht, und ein neu entwickeltes Gewerbegebiet Rosenloh. „An uns soll der wirtschaftliche Aufschwung nicht scheitern“, gibt sich Züfle kämpferisch in schwierigen Zeiten.
Keine Panik auf der Titanic.
Johannes Züfle – Weilheims Bürgermeister verweist auf das Polster der Stadt, kündigt aber auch an, dass Prioritäten gesetzt werden müssen.
In der Tat könnte es schlimmer sein. Die Verschuldung des Weilheimer Kernhaushalts beträgt aktuell eine Million. Damit liegt Weilheim etwa bei einem Zehntel der Durchschnittsverschuldung aller Städte und Kommunen in Baden-Württemberg. „80 Prozent aller Kommunen können ihren Haushalt nicht mehr ausgleichen“, sagt Johannes Züfle. Die Ursachen sind hinlänglich bekannt und werden in einer Art Dauerschleife beklagt: eine steigende Zahl an kommunalen Aufgaben, steigende Standards und zunehmende Bürokratie. Die „Entbürokratisierungskommission“ des Bundes lobt der Bürgermeister daher ausdrücklich.
Es ist auch kein Geheimnis, dass es Weilheim 2026 „wohl erwischen“ wird, so Züfle. Für das Jahr wird ein Ergebnis von – 5,9 Millionen Euro erwartet, für 2027 gar von – 8,7 Millionen Euro. Letzteres liegt im Finanzausgleichsgesetz begründet, das die sehr hohe Gewerbesteuer-Einnahmen aus dem laufenden Jahr „bestraft“. Doch das Polster ist noch vorhanden: Seit 2009 hat Weilheim immer einen Zahlungsüberschuss erwirtschaftet. 2026 geht es erstmals ins Minus.
Vor diesem Hintergrund ist mit den Großinvestitionen zumindest im kommenden Jahr erst mal Schluss. Die „top vier“ der geplanten Ausgaben für das kommende Haushaltsjahr lesen sich im Vergleich zu den früheren Projekten eher bescheiden. Der Breitbandausbau mit 1,1 Millionen Euro – von denen aber bis zu 90 Prozent gefördert werden – wird gefolgt vom bereits laufenden Umbau des Bildungszentrums Wühle mit 900.000 Euro, rund 500.000 Euro für Ersatzbeschaffungen im Bauhof und 500.000 Euro für Brückensanierungen aus dem Sondervermögen.
Apropos: Eine Million aus dem Sondervermögen geht in den Jahren 2027 und 2028 in Brückensanierungen, die 4,5 Millionen könnte sich die Verwaltung als Grundstück für ein neues Feuerwehrmagazin vorstellen (siehe Info).
Fazit: Ein finanzielles Polster ist noch da, Freiwilligenleistung wie Freibad, Stadtbücherei oder Schulsozialarbeit stehen noch nicht auf der Kippe, und die Hoffnung auf Reformen und eine Verbesserung der Lage ist da. „Sie gilt es zu erhalten. Für sie gilt es aber auch dankbar zu sein und sie nicht für selbstverständlich zu erachten.“ Daher sein Fazit: „Ja, wir werden Ausgaben noch mehr hinterfragen müssen. Keine Panik auf der Titanic.“
Wie das die Gemeinderäte sehen, wird sich in der Januar-Sitzung zeigen. Dann folgen die Stellungnahmen der vier Fraktionen.

Die Feuerwehr braucht mehr Platz
Das alte Feuerwehrmagazin „hat keine Zukunft mehr“, befindet nicht nur Bürgermeister Johannes Züfle. Weilheims Feuerwehrkommandant Norbert Wahl berichtete dem Gemeinderat in seinem „Feuerwehrbedarfsplan“ über die beengten Verhältnisse in der Zentrale. So sei ein Ein- und Aussteigen in der alten Halle nicht mehr möglich. Denn: Diese stammt aus den 50er Jahren, und heutige Fahrzeuge seien einfach viel größer. Lagermöglichkeiten sind erschöpft, Einsatzmaterial muss teilweise auf dem Bauhof gelagert werden. Die Spinde sind nicht von den Fahrzeugen getrennt, es gibt keine getrennten Umkleiden für Männer und Frauen – es gibt generell zu wenig Umkleiden, die Jugendfeuerwehr zieht sich im Treppenhaus um.
Bei den Fahrzeugen gehen zwei auf 25 Jahre Einsatzzeit zu. „Wir gehen sehr pfleglich damit um“, sagt er. Aber die Einsatzzahlen steigen, gerade auch für technische Hilfsleistungen. Das Löschgruppenfahrzeug LF10 und der Rüstwagen sind daher als Nächstes dran.
Zusätzliche Einsätze seien auch durch die neuen Eisenbahntunnel gekommen, da sich die Weilheimer Wehr spezialisiert hat. Sie ist auch für die Filstalbrücke zuständig. Neben dem Hochwasserschutz spielt auch zunehmend die Flächenbrandbekämpfung eine Rolle. In den letzten drei Jahren kam die Wehr mit 113 Aktiven auf 441 Einsätze, davon 107 Brandeinsätze. zap

