Tourismus
Informativ durch Holzmaden rutschen

Was lange währt, wird möglicherweise endlich gut. Aus dem zu teuren Schieferlehrpfad ist der Info-Rundweg „Hohlwegrutscherrunde“ geworden – und der hat gute Chancen auf Umsetzung in der Urweltgemeinde.

So könnte die Runde mit den 14 Stationen durch die Urweltgemeinde aussehen.  Grafik: pr

Sie reicht bis ins Jahr 2006 in die Amtszeit von Bürgermeister Jürgen Riehle zurück, die Idee eines „Schieferlehrpfades“ in Holzmaden, mit dem die Besonderheit der Urzeit-Gemeinde erlebbar werden soll. Kurz vor ihrem 20. „Geburtstag“ gibt es nun eine Renaissance der Idee. Im Zuge der Haushaltsberatungen für 2025 hatte es den Vorschlag aus dem Gremium gegeben,

Der Preis wäre ein Schnäppchen.

Rainer Stephan hat über die deutlich teurere Anfangsidee schon vor 20 Jahren im Gemeinderat diskutiert.

vom Parkplatz des Museum Hauff den Weg zum Sportheim auszuschildern und dabei auch den Steinbruch mit einzubeziehen.

„Das haben wir jetzt als Azubi-Projekt angelegt“, erklärt Bürgermeister Florian Schepp. Daher war es auch der Auszubildenden der Gemeinde Holzmaden, Isabella Rinaldi, vorbehalten, dem Gemeinderat die neuen Ideen vorzustellen, die sie maßgeblich mit entwickelt hat. Rinaldi hat aus dem Lehrpfad mehr gemacht und eine „Hohlwegrutscherrunde“ entwickelt.

„Hohlwegrutscher ist ein alter Spitzname für die Einwohner von Holzmaden“, erklärt Florian Schepp. Man kann es sich gut vorstellen, wie in alten Zeiten Anwohner die abschüssigen Trampelpfade im Ort heruntergerutscht sind. Dennoch wird der rund 3,5 Kilometer lange Pfad vermutlich nicht so heißen, als launiger Arbeitstitel sorgt er aber für gute Stimmung im Gemeinderat. 

Die Fakten hellen nicht minder die Mienen der Anwesenden auf: Die Runde umfasst 14 Stationen im gesamten Gemeindegebiet und hat an jedem Haltepunkt ein Schild im A2-Format. Darauf wird mindestens ein Bild als auch einen QR-Code abgebildet sein, hinter dem weitere Informationen hinterlegt sind. Die Halterung soll eine Pultform haben und dadurch bequem einsehbar sein. Zusätzlich soll es drei Übersichtstafeln geben. Am Beispiel Stephanuskirche zeigt Isabella Rinaldi, wie so eine Tafel aussehen kann. Texte zu ihrer Entstehung wechseln sich mit Grafiken und einer Erklärung zum Holzmadener Steffele, der historischen Jesus-Figur.

Wer direkt zum Sportheim gehen möchte, kann dies vom Museum über den Steinbruch und die Stationen „Ortsgeschichte“ und „Handwerk“ tun. Es geht aber auch andersherum, und dann sind es zehn Haltepunkte mit Informationen über verschiedene Aspekte der Ortsgeschichte, darunter Kirche, Rathaus, TSV Holzmaden oder eine Gedenktafel an einen Bombenabwurf auf die Gemeinde am 20. April 1945.

 

Kosten rund 8500 Euro

Damit hat die Auszubildende die Gemeinderäte schon für sich eingenommen, doch das Beste kommt zum Schluss: der finanzielle Aspekt. Mit geschätzten Kosten zwischen 6500 und 8500 Euro für die Agentur, die Tafeln und Grafiken – für den Aufbau wären die Bauhofmitarbeiter zuständig – liegt sie deutlich unter den Kosten für einen Schieferlehrpfad, der vor rund 20 Jahren mit geschätzt 50.000 Euro angegeben wurde. Tatsächlich war diese Summe damals auch ausschlaggebend dafür, dass der Gemeinderat dem Projekt die Zustimmung verweigerte. Auch eine günstigere Variante in Höhe von 10.000 Euro im Jahr 2009 wurde wieder auf Eis gelegt.

Die aktuelle Version hat nun deutlich bessere Chancen auf Umsetzung, zumindest ist die Resonanz unter den Gemeinderäten durchweg positiv. „Ich bin überrascht von den Dimensionen, der Schieferlehrpfad war deutlich kleiner“, meint Rainer Stephan (HBL), der bei den ersten Überlegungen zu diesem Projekt schon im Gemeinderat saß. Auch zu den geplanten Kosten hat er eine klare Meinung: „Der Preis wäre ein Schnäppchen.“ Markus Ocker (HBL) freut sich, dass die alte Idee Formen annimmt: „Jetzt wird’s konkret.“

Der Antrag der Verwaltung, die Mittel in den Haushalt 2026 einzustellen, wird mit einer Enthaltung angenommen.