Rund 2000 Kakteen füllen das Gewächshaus von Heinz Barz. Mittendrin steht ein kugelförmiges Exemplar mit Rippen, langen Dornen und rund einem halben Meter Durchmesser: Diesen Bauernkaktus hat der Notzinger Ende der 70er-Jahre von seiner Großmutter, die Kakteenfreundin war, zur Hochzeit bekommen. Liebe auf den ersten Blick war das nicht, die stachelige Kugel wollte nicht blühen, weshalb Barz sich einige Jahre später spontan ein Buch über Kakteen kaufte und es – da er gerade in Kur war – auch gleich durchlas. Damit war der Grundstein für eine Leidenschaft gelegt und die Zahl der dornigen Pflanzen bei ihm zu Hause wuchs langsam, aber kontinuierlich an. 1990 reiste er zum ersten Mal nach Mexiko und fuhr mit Gleichgesinnten im gemieteten VW-Bus in die Wüste, von einem Standort zum nächsten. „Da sind wir jeden Tag irgendwo anderes hin“, sagt er. „Und dann sucht man halt.“ Was bedeutet, im unwegsamen Gelände unterwegs zu sein, bei teilweise extremer Hitze und Trockenheit und mit langer Kleidung. Gemütlich ist so ein Urlaub nicht – aber für ein Foto von blühenden Prachtexemplaren oder für ein paar Samen tut ein Kakteenfan alles.

Ein Glücksfund in Mexiko
Barz und ein Freund stießen auch schon mal zufällig auf eine erst kurz davor von einem Mexikaner entdeckte Art namens Aztekium valdezii. „Wir hatten einfach Dusel“, sagt er. Aus dem Samen, den man damals noch legal mitnehmen durfte, ist seitdem ein kleiner Kaktus erwachsen: Nach 13 Jahren ist er grade mal drei Zentimeter hoch und schmückt sich derzeit mit zwei hübschen Blüten. Von Händlern werde diese extrem langsam wachsende und seltene Art eigentlich gar nicht angeboten, sagt der Notzinger. Schon eher könne man solche Raritäten bei Börsen und Messen wie den Korber Kakteentagen finden, die er als Mitglied des Vereins Kakteenfreunde Württemberg mitorganisiert.
Sie sind sehr vielfältig, sie halten hohe Temperaturen aus – und ob man es glaubt oder nicht, sie sind zum Teil sehr empfindlich beim Gießen.
Heinz Barz über die besondere Pflege seiner Kakteen
Dass man Kakteen nicht zu pflegen braucht, ist ein Irrtum. Gar nicht so einfach, sie zum Blühen zu bringen. Aber wenn sie es dann tun, ist die Freude groß. Zur Hauptblütezeit im Frühjahr wird es bunt in Heinz Barz’ 30 Quadratmeter großem, selbst gebautem Gewächshaus. Sein Hauptsammelgebiet, die Gattung Echonocereus pectinatus, präsentiert sich dann mit weißen, gelben, rosa oder roten Blüten – „eigentlich alle Farben außer Blau und Schwarz“. Aber auch jetzt im Sommer kann man einzelne Kakteen mit Blüten entdecken.

Überhaupt ist die Vielfalt erstaunlich: Es gibt Exemplare mit und ohne Dornen, mit Rippen oder glatter Oberfläche, rund oder länglich, verzweigt oder kugelig. Barz fasst die stacheligen Gesellen an, als ob sie zarte Schmetterlinge wären. Zwei bis drei Mal die Woche ist bei ihm Kakteenzeit. Zu tun gibt es genug, auch Düngen gehört dazu, trotz des teils sehr langsamen Wachstums. „Dort, wo die wachsen, haben sie sehr nährstoffreichen Boden“, sagt Barz. „Da fehlt nur das Wasser.“ Wenn es dann mal regnet, grünt und blüht die ganze Wüste – ein beeindruckendes Erlebnis, allerdings mit Kehrseite – man sieht dann in all dem Grün die Kakteen schlechter.

Auch das richtige Gießen ist durchaus eine Kunst für sich. Im Gewächshaus sollten die Kakteen ab ungefähr Ende April alle vier Wochen Wasser bekommen. Aber zur richtigen Zeit – sonst werfen sie die Blüten weg oder nehmen den Fehler auf andere Weise übel und „legen die Ohren an“, wie Heinz Barz sagt. Für ihn macht das einen Teil des Reizes dieser Pflanzen aus. „Sie sind sehr vielfältig, sie halten hohe Temperaturen aus – und ob man es glaubt oder nicht, sie sind zum Teil sehr empfindlich beim Gießen“.
Umtopfen im großen Stil
Umpflanzen gehört auch dazu, zwar nicht allzu oft, aber bei 2000 Exemplaren kommt trotzdem einiges zusammen. Dann bläst Barz die Wurzeln frei und entfernt faulige oder abgestorbene Teile. Er lässt die Pflanzen zunächst eine Woche unterm Tisch ruhen, bevor sie neu eingepflanzt werden. Man kann auch Ableger gewinnen und vielleicht dazu bringen, Wurzeln zu schlagen – oder sie auf einen anderen Kaktus aufpropfen. Mit dem, was ansteht, „werde ich dieses Jahr gar nicht fertig“, stellt der 71-Jährige fest. Schließlich hat er auch noch anderes zu tun im Garten und auf dem eigenen wie auch auf anderen „Stückle“, denn der Obstbaumschnitt ist seine Spezialität.
Wenn es selbst Kakteen zu heiß wird
Übrigens macht sich der Klimawandel selbst bei Kakteen bemerkbar – mittlerweile wird es ihnen bei uns im Sommer unterm Glasdach manchmal zu heiß. Und auch an ihren natürlichen Standorten könne man durchaus „Kakteenleichen“ finden, wie Heinz Barz schon mit eigenen Augen gesehen hat. Noch mal in die mexikanische Wüste zu fahren, wäre schon ein Ziel für ihn, trotz aller Strapazen.
Exoten fürs Wohnzimmer
Die Heimat der Kakteen ist Amerika: Süd- und Mittelamerika, aber auch Nordamerika bis Texas, New Mexico oder auch Kansas. In der Sonora-Wüste in Nordmexiko ist die Kakteendichte besonders hoch. Lediglich eine Art, die Rhipsalis baccifera, ist auch in Afrika zu Hause. In Mittelmeerländern, vor allem in Spanien und in Nordafrika, sind zwar ebenfalls Kakteen zu finden. Dabei handelt es sich in der Regel aber um eingeführte Arten.
„Für mehr Kakteen rund um Stuttgart!!!“ ist das augenzwinkernde Motto des Vereins Kakteenfreunde Württemberg, der jedes Jahr eine ganze Reihe von Veranstaltungen im Naturfreundehaus Fuchsrain in Stuttgart-Ost durchführt. Darunter sind Vorträge zur Pflege oder Reiseberichte. Auch die Süddeutschen Kakteentage in Korb werden jährlich von diesem Verein ausgerichtet.





