Umwelt
Kampf am Teckberg: Ranger gegen Müll

Martin Gienger und Steffen Wachter sind für den Landkreis Esslingen im Dienste des Naturschutzes unterwegs. Von rücksichtslosen Besuchern können die beiden Ranger ein Lied singen. 

Die Ranger Steffen Wachter (links) und Martin Ginger sammeln am Teckberg Müll ein. Foto: Anke Kirsammer

Es könnte die pure Idylle sein: Bei der Auffahrt zum Teckberg schickt die Sonne die ersten Strahlen am Turm vorbei. Auf der Heide am Hörnle riecht es würzig nach Kräutern, und aus dem angrenzenden Wald dringt das Gezwitscher eines Vogels. „Das könnte ein Kleiber sein“, sagt Martin Gienger. Er ist seit 31 Jahren als Ranger für den Landkreis Esslingen unterwegs.

Eine wichtige Aufgabe des hauptamtlichen Naturschutzdienstes ist, Besucher zu informieren und sie über die Regeln im Wald und in Naturschutzgebieten aufzuklären. Dazu versieht Martin Gienger im Wechsel mit seinem Kollegen Steffen Wachter von April bis Oktober sonntags Streifendienst. Das Gebiet, das sie betreuen, reicht vom Boßler bei Weilheim bis zum Jusi bei Kohlberg. Dabei arbeiten sie eng mit dem Verein für Naherholung zusammen.

Überall da, wo die Leute mit dem Auto hinfahren können, liegt am meisten herum.

Steffen Wachter, Ranger für den Landkreis Esslingen

Doch an diesem Montagmorgen müssen die beiden Ranger das tun, was sie an jedem Montagmorgen tun: Übers Wochenende hat sich wieder viel Müll angesammelt. Das nicht nur in den Mülleimern, sondern auch ringsum. Mit großen Säcken und Greifzangen ausgestattet, klauben Martin Gienger und Steffen Wachter Coffee-to-go-Becher, Plastikschalen mit Marinade-Resten von Grillfleisch und abgenagte Maiskolben auf. „Nicht mal mehr das Pfand hat einen Wert“, sagt Martin Gienger, als er eine achtlos weggeworfene Coladose aufhebt.

Besonders viele Abfälle liegen in den vier Feuerstellen und drumherum auf der als Spiel- und Liegewiese ausgewiesenen Fläche. Außerdem um die Abfalleimer und besonders an den Flaschencontainern am Parkplatz. „Überall da, wo die Leute mit dem Auto hinfahren können, liegt am meisten herum“, sagt Steffen Wachter. Das Problem habe sich in den vergangenen beiden Jahren verschärft, sagt er. Wo nur Wanderer hinkämen, wie etwa am Sattelbogen zwischen Lenningen und Bissingen, gebe es diese Probleme nicht. Dort hielten sich die Besucherinnen und Besucher daran, die Plätze so zu hinterlassen, wie sie sie vorgefunden hätten.

15 Tonnen Müll pro Jahr

Normalerweise haben die beiden Ranger ihre eigenen Gebiete: Während Martin Gienger die Region um Schopfloch und Ochsenwang säubert, übernimmt Steffen Wachter die Bereiche um Erkenbrechtsweiler, den Hohenneuffen, Kohlberg und das Lenninger Tal. „Jedes Jahr kommen rund 15 Tonnen Müll zusammen“, so Steffen Wachter, der den Teckberg zusätzlich freitags von Müll befreit.

Die Ranger Martin Gienger und Steffen Wachter sind für den hauptamtlichen Naturschutz im Landkreis Esslingen zuständig. Sie betreuen das Gebiet vom Boßler über das Neidlinger Tal, die Schopflocher Alb, den Breitenstein, den Teckberg, das Lenninger Tal und den Hohenneuffen bis zum Jusi bei Kohlberg. Sie haben ein Auge auf fünf Kernzonen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, 13 Naturschutzgebieten, 14 Landschaftsschutzgebieten, mehr als 100 Naturdenkmalen und 32 Felsen. Hauptaufgabe ist der Schutz von Lebensräumen. Dazu gehören unter anderem Streuobstwiesen, Quellen und Bachläufe. Sie erledigen Landschaftspflegearbeiten, halten 24 Grillstellen, 160 Tische und Bänke und 70 Orientierungstafeln instand und leeren montags 60 Müllbehälter. Im Winter gehört das Präparieren der Loipen des Landkreises Esslingen mit zu ihren Aufgaben.

Tierleid durch Abfall

Die Verschandelung der Landschaft ist das eine, die Gefahr für die Tierwelt das andere: „Wer achtlos eine Plastiktüte wegwirft, sieht nicht, dass es dem Igel schlecht geht, wenn er sie gefressen hat“, sagt Martin Gienger. Für ihn ist der Teckberg ein Musterbeispiel dafür, wie eng verschiedene Lebensräume beieinander liegen können.

Bei der Ausweisung als Naturschutzgebiet 1999 seien hier 490 verschiedene Pflanzenarten kartiert worden. Es gebe allein 17 Arten von Orchideen, nachgewiesen worden seien 56 Brutvogelarten. Wald, Wiese, Schafweide und Feuchtgebiete bildeten ein Netz äußerst hochwertiger Lebensräume.

Gleichzeitig sei der Besucherdruck hoch. „Die Teck ist vom mittleren Neckarraum aus super schnell erreichbar.“ Das ist vom Hörnle aus leicht nachvollziehbar. Das dicht besiedelte Neckartal mit den Schornsteinen des Altbacher Kraftwerks ist von hier oben aus gut zu erkennen. In das Vogelgezwitscher mischt sich unablässig das Rauschen der Fahrzeuge auf der Autobahn. Weil hier die Bedürfnisse der Natur und der Menschen zusammenprallten, sei das Einhalten von Regeln umso wichtiger, betont Martin Gienger.

Unterhalb des Parkplatzes ist eine Spaziergängerin unterwegs. Ihren Hund hat sie angeleint. Das sei längst nicht immer so, sagt Steffen Wachter. „Oft springen Hunde über die Fläche. Sie scheuchen Rehkitze oder am Boden brütende Vögel auf“, gibt er zu bedenken.

Regelverstöße auf Rädern

Ein anderes Problem wird am Bölle deutlich, dem oberhalb von Owen liegenden Teil des Teckbergs: Vom Württemberger Weg, der zur Burg hinaufführt, zweigt ein steiler Weg ab. Er schlägt eine Schneise quer durch den Wald. „Den gab es vor ein paar Jahren nicht“, sagt Martin Gienger. Hier seien verstärkt Mountainbiker unterwegs.

Ein paar Meter weiter oben taucht ein Mann mit seinem MTB auf. Nachdem er zwei Wanderern begegnet ist und die Ranger erkannt hat, steigt er nicht wieder auf. „Vielen Dank, dass Sie schieben“, so begrüßt Martin Gienger ihn freundlich. Doch längst nicht alle Mountainbiker seien einsichtig.

Auf dem Grat habe man zusammen mit dem Forst versucht, einen von Mountainbikern stark frequentierten Weg mithilfe von hohem Reisig zu sperren. Er sei inzwischen wieder offen, sagt Martin Gienger kopfschüttelnd. Da müsse mit der Motorsäge gearbeitet worden sein. Elektro-Mountainbikes verstärkten den Trend, mit dem Bike im Wald zu fahren, so der Ranger. Die Regel, wonach nur Waldwege befahren werden dürfen, die breiter als zwei Meter sind, werde von vielen nicht beachtet. „Mit den Kletterern haben wir es gut hinbekommen. Genauso mit den Paraglidern.“ Sie würden sich daran halten, ihren Sport nur auf ausgewiesenen Felsen und Startplätzen auszuüben.

Die Flächen auf der Limburg, am Breitenstein und am Reußenstein, wo die Paraglider früher gestartet seien, hätten sich inzwischen gut entwickelt, so Steffen Wachter. Ein Problem sei das Mountainbiken auf schmalen Wegen nicht nur, weil sie auch von Wanderern und Spaziergängern genutzt würden. „Die Wanderwege werden dadurch immer breiter“, so Martin Gienger. An anderen Stellen erodierten Wege.

Zudem führten sie häufig durch Rückzugsbereiche von Tieren. „Wenn du bei Familie Kleinspecht ständig durchs Wohnzimmer fährst, gibt es sie halt irgendwann nicht mehr.“