Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen in Brucken dient der Rettung Jugendlicher
Kerze löst Kellerbrand aus

Zu einem Kellerbrand eilte der Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen am Samstag in Brucken. Als die Kräfte im Rahmen ihrer Hauptübung im Rinnenweg 7 eintrafen, stürzten die ersten Personen ins Freie.

Daniela Haussmann

Lenningen. Aufgeregt berichteten sie Adolf Schott, dass noch zwei Jugendliche im Untergeschoss des Gemeinschaftshauses der Liebenzeller Mission eingeschlossen sind. Dort war im Keller eine Kerze umgefallen und hatte die Couch entzündet. Der Gruppenführer erkundete die Lage und entdeckte drei weitere Personen auf dem Balkon, denen aufgrund der starken Rauchentwicklung im Treppenhaus der Weg nach draußen versperrt war.

In Windeseile stellten die Floriansjünger der Abteilung Brucken die Wasserversorgung sicher. Unterstützt wurden sie von den Kameraden der Abteilung Lenningen, die von der rund 400 Meter entfernten Lauter Schläuche zum Ort des Geschehens verlegten. Dabei kam eine Tragkraftspritze zum Einsatz, die etwa 800 Liter Wasser pro Minute zur Brandbekämpfung durch die Rohre pumpte. Während die Atemschutzgeräteträger der Abteilung Lenningen sich noch ihre Pressluftatmer über die Schulter warfen und sich für den Vorstoß ins Gebäude rüsteten, arbeiteten sich Florian Fleischmann und Lutz Ramminger bereits durch die dichten Rauchschwaden zum Brandherd vor.

Die beiden Atemschutzgeräteträger der Abteilung Brucken öffneten die Kellertüre und gaben mit ihrem Strahlrohr einige Wasserstöße in Richtung Decke ab, um die Temperatur im Inneren des Raumes abzusenken. Auf diese Weise wird eine Rauchgasdurchzündung verhindert, also das plötzliche Durchzünden und Abbrennen von Pyrolysegasen, die entstehen, wenn Stoffe wie Holz, Plastik oder Gummi so weit erhitzt werden, dass sie brennbare Gase absondern. In der Hocke und mit abgespreiztem Bein, das sie zur Menschensuche einsetzten, arbeitete sie sich im Uhrzeigersinn durch den Keller. Als Fleischmann und Ramminger die beiden Jugendlichen fanden, legten sie ihnen eine Rauchmaske mit Mehrbereichsfilter an. Draußen übergaben sie sie den Rettungskräften des Deutschen Roten Kreuzes Bereitschaft Lenninger Tal.

Jochen Mendl, Einsatzleiter und Kommandant der Abteilung Lenningen, hatte unterdessen schon das Drehleiterfahrzeug der Werkfeuerwehr der Papierfabrik Scheufelen eingewiesen. Mit dieser Hilfe konnten die Personen auf dem Balkon aus dem Gemeinschaftshaus der Liebenzeller Mission evakuiert werden. Gleichzeitig verhinderten Alexander und Adrian Goebe von der Abteilung Lenningen ein Übergreifen des Feuers. Mit einer so genannten Riegelstellung verringerten sie die Wärmeabstrahlung und unterbanden gefährlichen Funkenflug.

Bernd Attinger, Kommandant der Abteilung Brucken, betonte, dass bei Bränden an derartigen Gebäuden die Menschenrettung im Vordergrund stehe. „Das Gemeinschaftshaus verfügt über sehr viele Räume, in denen sich Personen aufhalten können", erklärte er. „Im Obergeschoss gibt es eine Wohnung. Gerade deshalb ist es wichtig sicherzustellen, dass alle Menschen schnell gefunden und sicher evakuiert werden." Darüber hinaus befinde sich auf dem Gemeinschaftshaus eine Fotovoltaikanlage. Diese gelte es im Notfall abzuschalten, da für die Löschtrupps die Gefahr eines elektrischen Schlags bestehe. Deshalb ist, laut Attinger, Sicherheitsabstand wichtig.

Eine Herausforderung könne auch der hydraulische Aufzug im Gebäude darstellen. „Falls er im Ernstfall nicht mehr funktioniert und Personen in ihm eingeschlossen sind, muss die Feuerwehr die Türen öffnen", erklärte Attinger. „Im Technikraum muss dann der Hebel für den Notablass betätigt werden. Der Aufzug bewegt sich dann nach unten und die Eingeschlossenen können durch die Türen in Sicherheit gebracht werden."

Am Samstag war auch das Löschfahrzeug LF 20/16 vor Ort. Es ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. Mit ihr lassen sich im Ernstfall Personen schneller auffinden und retten. „Sie hilft auch, Brandherde und Glutnester schnell und effektiv aufzuspüren", erklärte Michael Eberle. Eine Möglichkeit zur Optimierung sah der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen in punkto Wasserversorgung darin, dass unter der Straße ein Rohr verlegt wird, an das die Floriansjünger ihre Schläuche anschließen können: „Auf die Art müssten wir die Schläuche nicht über der Straße legen."

Für Kreisbrandmeister Bernhard Dittrich stellten die Kameraden einmal mehr ihren hohen Ausbildungsstand unter Beweis. „Positiv ist, dass die Straße nicht zugeparkt war", bemerkte Dittrich. „Der Mindestradius, den eine Feuerwehr mit einer Drehleiter braucht, beträgt 10,5 Meter. Dieser weitet sich aufgrund der nachlaufenden Hinterachse im Kurvenbereich um 5,50 Meter." Deshalb sei es wichtig, dass Pkw-Fahrer ihre Autos nicht in Kurven abstellen und Engstellen frei halten.