Shutdown
Kirchheimer Schüler erleben chaotische Rückreise vom USA-Austausch

13 Zehntklässler und zwei Lehrkräfte des Kirchheimer Schlossgymnasiums waren während des Shutdowns in Amerika. Während sich die Auswirkungen für sie vor Ort kaum bemerkbar machten, wurde die Heimreise zur Odyssee. 

Ein Besuch des Yellowstone National Parks inklusive seiner tierischen Bewohner stand für die Kirchheimer Gymnasiasten während ihres dreiwöchigen USA-Austauschs auf dem Programm, der während des Shutdowns stattfand. Foto: pr

Seit fast 40 Jahren gibt es den Austausch des Kirchheimer Schlossgymnasiums mit der Partnerschule Marsh Valley High School in Idaho. Am 18. Oktober flogen wieder 13 Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihrer Lehrerin Maike Dieterich nach Salt Lake City und reisten von dort weiter gen Norden zu ihren Gastfamilien. Der Shutdown in den USA – also die Stilllegung der Bundesverwaltung – hatte bereits am 1. Oktober begonnen. Bei der An- und Einreise lief dennoch alles glatt, berichten Maike Dieterich und eine kleine Gruppe der Zehntklässler, die am Austausch teilgenommen haben. Das sollte sich auf der Rückreise ändern. In Kirchheim angekommen ist die Gruppe erst mit zwei Tagen Verspätung. 

Die Probleme kamen am Ende

Gar nicht erst in die USA zu fliegen, sei keine Option gewesen, sagt Maike Dieterich. „Es war ja alles schon bezahlt und man konnte auch nicht recht einschätzen, wie sich der Shutdown auf unseren Aufenthalt auswirkt.“ In den letzten paar Tagen wurde sie in den USA noch von ihrem Kollegen Jonas Takors unterstützt, der schon mehr Probleme bei der Einreise hatte, weil das Personal fehlte. Während der drei Wochen im ländlichen, südlichen Idaho und zum Abschluss in Memphis seien für sie keine wirklichen Einschränkungen im Alltag spürbar gewesen. Thema sei der Shutdown auch in der Schule kaum gewesen, berichten die Gymnasiasten. „Wir selbst haben es vermieden, in der Schule oder in unseren Gastfamilien über die Politik der Trump-Regierung zu sprechen. Wir wussten nicht, was sie von Trump halten und wie sie reagieren“, erzählt Lars. 

Neben dem Besuch der High School standen für die Kirchheimer auch verschiedene Ausflüge auf dem Programm. Sie waren im Yellowstone National Park, auch der geplante Besuch des „Potato Museums“ klappte reibungslos. „Der Kartoffelanbau spielt im Bundesstaat Idaho eine zentrale Rolle“, erklärt Dieterich das Programm. 

Im US-Bundesstaat Idaho spielt der Kartoffelanbau eine wichtige Rolle. Die Hintergründe erfuhren die Kirchheimer Schülerinnen und Schüler im „Potato Museum“. Foto: pr

Am Sonntag, 9. November, sollte es zunächst von Memphis nach Atlanta und von dort via Amsterdam nach Stuttgart gehen, Ankunft am Montagvormittag. Doch daraus wurde nichts. „Kurz vor unserer Abreise kamen die Meldungen zu den Flugausfällen, weil aufgrund des nach wie vor andauernden Shutdowns auf den Flughäfen unter anderem Fluglotsen fehlten. Da hatten wir dann schon etwas Bauchschmerzen“, schildert Maike Dieterich den Auftakt des darauffolgenden Chaos. Schließlich stand fest: Der gebuchte Inlandsflug von Memphis nach Atlanta zählt zu den Tausenden gestrichenen Flügen, zahlreiche weitere hatten massive Verspätungen. Für die zehn Mädels und drei Jungs hieß es: warten und den Eltern zu Hause Bescheid geben. Für ihre beiden Lehrer begann der Umbuchungsstress. „Delta hat uns für die Nacht ein Hotel gestellt, das war wirklich gut. Wir haben die Zeit dann noch gut genutzt und sind am Sonntagabend zu einem NBA-Basketballspiel in Memphis und noch mal zum Essen in ein typisches Diner gegangen“, erzählen Lia und Lisbet. „Da waren wir noch relativ entspannt, weil wir dachten, dass wir am nächsten Tag heimfliegen“, ergänzt Max. „In der Stadt haben wir die Nationalgarde gesehen, das war schon etwas komisch“, berichtet Lars. Am frühen Montagmorgen ging es erneut an den Flughafen von Memphis. 

Ohne Gepäck und übermüdet

„Zwischendurch hieß es, dass wir rennen müssen, weil es knapp wird. Da haben einige von uns auch ihr Handgepäck mit aufgegeben, um nichts schleppen zu müssen“, berichtet Philipp. „Der Flug hatte letztlich allerdings so viel Verspätung, dass wir erst um 18 Uhr in Atlanta ankamen und der Anschlussflug nach Amsterdam bereits weg war.“ Auf das aufgegebene Gepäck hatten die Kirchheimer keinen Zugriff mehr. Wer auch sein Handgepäck aufgegeben hatte, stand ohne alles da. Keine Wechselkleidung, keine Zahnbürste, die Geschäfte am Flughafen teuer. Die an die Gestrandeten ausgegebenen Care-Pakete waren bereits vergriffen. Die Entspannung war dahin, die Müdigkeit dafür immer größer. Wieder warten, wieder umbuchen. „Drei Stunden haben mein Kollege und ich erneut am Schalter verbracht“, sagt Maike Dieterich. „Da war es dann irgendwann nicht mehr witzig“, so Lisbet. 

Es ging letztlich auch in Atlanta noch eine Nacht ins Hotel. Erst am Dienstagabend konnte die Gruppe über Nacht nach Amsterdam fliegen, Turbulenzen inklusive. In Amsterdam hieß es dank der Strapazen und des Jetlags völlig übermüdet noch mal vier Stunden bis zum Weiterflug nach Stuttgart überbrücken. „Wir wollten nur noch heim, duschen und schlafen“, fassen Lynn und Lia zusammen. Gegen 18 Uhr am Mittwoch, 12. November, hatten sie es endlich nach Stuttgart geschafft. Die Koffer allerdings wieder nicht, sie wurden Donnerstag und Freitag nach Hause geliefert. 

Ihren USA-Aufenthalt wollen die Schülerinnen und Schüler trotz der anstrengenden Rückreise nicht missen. „Wir waren eine tolle Gruppe, haben viel erlebt und viele neue Leute kennengelernt“, sagt Emma. Man lerne auch vieles mehr zu schätzen – die eigene Schule, die kurzen Distanzen oder sogar die Mülltrennung, ergänzen ihre Mitschüler. „In den USA wird so viel Müll produziert, das ist richtig aufgefallen“, berichtet Lars. „Jeder, der die Chance für einen Austausch hat, sollte sie nutzen“, bringt es Lisbet auf den Punkt.