Renteneintritt
Kraft und Mut im neuen Lebensabschnitt

Inge Hafner spricht in einem Vortrag des Kreisseniorenrats über das Glück, gebraucht zu werden.

Dem Leben Farbe geben, hält fit, sagt Inge Hafner. Foto: Nicole Mohn

Rente, und was dann? Diese Frage hat der Kreisseniorenrat (KSR) Esslingen in einer Veranstaltungsreihe aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Zum Abschluss im Kronensaal der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen machte sich Inge Hafner zusammen mit ihren Zuhörern auf den Weg zum Glück.

Auf einmal nicht mehr jeden Morgen im Büro sein. Nicht mehr gemeinsam mit den Kollegen Mittagessen. Keine Anrufe,
E-Mails und Anfragen mehr. Wer in den Ruhestand wechselt, findet sich auf einmal in einer neuen Lebensrealität wieder. Und je nachdem, welche Position man so im Arbeitsleben innehatte, kann die Fallhöhe hoch sein, weiß Inge Hafner, die bis 2012 der Altenhilfe im Landkreis Esslingen ihren Stempel aufdrückte. Neue Aufgaben sind gefragt, die Fehlstellen zu schließen. Nicht als Beschäftigungstherapie und auch nicht als billige Aushilfskräfte. „Die Zeiten sind lange vorbei“, weiß die Pionierin der Volunteers-Bewegung in der Region. Nein, es brauche Aufgaben, die zu dem Einzelnen passen. Wo man seine Kompetenzen ausspielen kann. Und auch für sich selbst einen Mehrwert findet. Sinn stiftend nicht nur für die Organisation oder das Thema, in dem man sich engagiert, sondern sinnstiftend eben auch für sich selbst.

Den Trieb der Neugier zu füttern, mache glücklich, sagt Inge Hafner: „Es ist wichtig, sich neue Horizonte zu eröffnen.“ Die Verhaltensforschung habe erkannt, dass neue Erkenntnisse für den Menschen etwas Lustvolles haben.

Deutschland erlebt eine Renaissance der Werte

Dem „Leben Farbe geben“ halte fit. Glücklich macht auch die Anerkennung. Die „Währung für Leis­tung“ im ehrenamtlichen Engagement, so nennt es die Volunteer-Erfahrene. Und auch, gemeinsam zu handeln – vor allem, wenn man dabei erfolgreich sei: „Das schafft Bindungen, nach denen sich die Menschen heute so sehr sehnen.“ Deshalb erlebe Deutschland derzeit eine Renaissance der Werte. „Aber Glück muss man auch wahrnehmen, sonst nährt es uns nicht.“

Sich eine neue Aufgabe suchen, sich einbringen, Herausforderungen annehmen, das braucht Kraft und Mut. „Bisher war man jemand. Und dann geht man zu einer Freiwilligenbörse, und da wird man gefragt: Ja, was können sie denn und was haben sie bisher gemacht?“, zeigt die Referentin Verständnis. Wer sich aber auf das Wagnis einlässt, kann nur gewinnen.

Mit dem Vortrag schließt die Veranstaltungsreihe, die der KSR – unterstützt von der Kreissparkasse (KSK) Esslingen-Nürtingen – umgesetzt hat. Acht Hybrid-Veranstaltungen gab es seit Februar, die insgesamt rund 500 Menschen in Präsenz erlebten. „Wir haben den Nerv der Zeit getroffen“, zeigt sich Marcus Wittkamp, bei der KSK zuständig für Gesellschaftliches Engagement, sehr zufrieden mit der Resonanz. Auch Renate Schaumburg und Gisela Rehfeld, die Vorsitzenden des KSR, fühlen sich bestätigt, dass das Thema viele Menschen beschäftigt. Im Gespräch mit Moderatorin Anneliese Lieb verrieten sie, dass der KSR an die Reihe anknüpfen will. So sollen weitere Vorträge und Angebote zu tiefer gehenden Fragen rund um das Thema Rente auf den Weg gebracht werden.