Schule
Kritik am geplanten Aus des Werkrealschulabschlusses

Bemängelt wird von Kirchheimer und Lenninger Schulleitern der Wegfall einer bewährten Chance sowie eines wichtigen Bausteins im Bildungssystem. 

Die baden-württembergische Landesregierung will den Werkrealschulabschluss zum Schuljahr 2030/31 wieder abschaffen. Das sorgt für Kritik. Symbolfoto: stock.adobe.com

Kirchheim/Lenningen. Auf der einen Seite vergibt die Landesregierung den Landespreis für Werkrealschulen, auf der anderen Seite wurde beschlossen, den Werkrealschulabschluss ab dem Schuljahr 2030/31 wieder abzuschaffen. Der FDP-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Nürtingen, Dennis Birnstock, kritisiert das in einer Pressemitteilung anlässlich des im Juli verliehenen Preises als „stark irritierend und sogar zynisch anmutend“. Aus Sicht der FDP seien die Werkrealschulen ein wichtiger Baustein des Bildungssystems. Dessen Vielfältigkeit schaffe für die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten bestmöglich gefördert zu bekommen. „Es braucht für jede Schülerin und jeden Schüler die passende Schule und nicht eine Schule für alle“, so Birnstock. 

Schulleiter betonen Bedeutung

Thorsten Bröckel, Schulleiter der Kirchheimer Alleenschule, und seine Lenninger Kollegin Theresa Breier betonen ebenfalls die Bedeutung des bewährten Abschlusses: „Der Wegfall des Werk­realschulabschlusses ist eine tiefgreifende Veränderung, die einer Schülerschaft eine bewährte Chance nimmt – den sogenannten mittleren Bildungsabschluss direkt nach Klasse 10“, sagt die Lenninger Schulleiterin. Für eine möglichst heterogene Schülerschaft, die eine individuelle Förderung und berufliche Perspektiven brauche, sei dieser Baustein elementar. Wenn es das Ziel sein solle, Bildungschancen für alle offen und gerecht erreichbar zu halten, dürfe dieser Abschluss nicht pauschal abgeschafft werden ohne zuverlässige, wohnortnahe Alternativen.

„Gerade Schülerinnen und Schüler mit schwächeren Startbedingungen, Lernmotivationen oder Sprachbarrieren profitieren von der Beziehungs- und Förderarbeit, die an Werkrealschulen geleistet wird“, so Breier. Ohne diesen Rahmen sei eine frühe Abgrenzung realistisch – zum Nachteil vieler Jugendlicher. Er verstehe zwar die Zielrichtung der Landesregierung, so Thorsten Bröckel, die geplante Abschaffung des derzeit möglichen mittleren Bildungsabschlusses über die Hauptschule in Form eines zehnten Schuljahres werde die Schulart aber an sich schwächen: „Die Hauptschule hat allerdings nach wie vor ihre Berechtigung.“