Bauprojekt
Kunst am Bau sorgt für Diskussionen

Die Turnhalle an der Limburgschule ist fertiggestellt. Nun muss ein Kunstobjekt vor der Halle erstellt werden, das will der Bund als Förderer. Das scheinbar harmlose Thema hat einige Gemüter erhitzt. 

So sieht der Entwurf des Künstlers aus: Eine Streetdance-Gruppe tanzt vor der neuen Halle.  Grafik: pr

Die Turnhalle an der Limburgschule, das neue Prestigeobjekt der Stadt Weilheim, ist fertig. Und eigentlich ist es nur eine Formalie gewesen, die dazugehörige „Kunst am Bau“ im Gemeinderat zu beschließen. Der Entwurf des Bissinger Künstlers Winfried Tränkner für den Bereich vor der Turnhalle war bereits von der Verwaltung mit den Sprechern der vier Gruppierungen besprochen und beschlossen worden. Im Rennen war noch ein zweiter regionaler Künstler gewesen. 

Die Streetdance-Gruppe aus drei in Bronze gegossenen Figuren samt Musik-Box soll künftig den Teil des Schulhofes zieren, der an den Eingangsbereich der Turnhalle angrenzt. Die „Kunst am Bau“ ist keine Idee der Stadtverwaltung, sondern eine Bestimmung des Förderbescheids für den Turnhallenbau über insgesamt 2,25 Millionen Euro, den Weilheim aus Bundesmitteln erhält. Der Bescheid fordert in Verbindung mit dem Bauprojekt die Schaffung von Kunst im öffentlichen Raum als zwingendes Element einer Förderung. 

 

Meinungen gehen auseinander

Die Meinungen liefen dann trotz Vorbesprechung recht konträr. Michael Kübel (FWV) fand die Skulptur nicht gerade passend für Grundschüler, sondern „eher für eine Realschule“ geeignet. Hans-Peter Sindlinger (BDF) lobte hingegen die gute Verständlichkeit des Motivs und plädierte generell dafür, dass die öffentliche Hand in Kunst investieren solle, denn auch Künstler müssten von etwas leben können. Rainer Bauer (FWV) äußerte die Sorge, dass eine Höhe von rund 1,50 Metern Gefahren für die Kinder bergen könnte, da sie bestimmt draufklettern würden. Außerdem sehe auch er das Motiv nicht charakteristisch für eine Grundschulsituation an.  

Gemeinderat Bernd Kautter (UWV) störte vor allem die Höhe der geplanten Ausgabe. Immerhin sollen die Skulpturen 100.000 Euro kosten. „Bei üblichen 0,5 bis 1 Prozent wären auch 40 bis 50.000 Euro möglich“, merkt er an. Angesichts angespannter Haushaltslagen plädiert er für weniger und mahnte an, vorerst den genauen Sachstand im Gewerbegebiet Rosenloh wissen zu wollen. Der Antrag, vor der Abstimmung für die Beauftragung des Künstlers noch den Rosenloh-Status abzufragen, fand keine Mehrheit. Die gesamte Skulptur infrage zu stellen, schien nicht nur dem Bürgermeister zu viel des „Guten“. Er mahnte an, dass man alles bereits besprochen habe und derartige Diskussionen „schlechter Stil“ seien. Aus den umfangreichen Förderrichtlinien las Johannes Züfle dann noch einige Passagen vor. 

Stadtbaumeister Jens Hofmann erklärte dann die üblichen Sätze für „Kunst am Bau“, die bei geförderten Bauprojekten unter 20 Millionen üblich sind, zwischen 1 und 1,5 Prozent der gesamten Summe. In diesem Falle liege man bei rund einem Prozent, also in der Mitte.

 

Erste Gelder sind bereits geflossen

Hans-Peter Sindlinger fügte noch hinzu, dass man auch bei Änderungen am Bauplan schnell mal 80.000 Euro mehr ausgebe, ohne große Diskussion. Zur Sorge, dass bei einer Entstehungszeit von rund einem Jahr auch die Fördermittel auf sich warten lassen könnten, antwortete Kämmerer Dennis Bräunle, dass bereits 900.000 Euro eingegangen seien, weitere 900.000 Euro in diesem Jahr fällig würden und der Restbetrag im kommenden Jahr. „Die Förderquoten wurden bereits erreicht“, sagt er. Das sei unabhängig vom Zeitpunkt der Fertigstellung des Kunstwerks. 

Dem Künstler Winfried Tränkner, dessen lebensechte Skulpturen an vielen Orten im Landkreis stehen, ging es in seiner Beschreibung des Kunstwerkes um „Bewegung und Lebensfreude“, die er mit einem Schulhof verbinde. Die war dann nach der teilweise angespannten Stimmung auch wieder im Gemeinderat zu spüren. Mit zwei Gegenstimmen wurde der Entwurf des Bissinger Künstlers angenommen und die Beauftragung beschlossen.