Die frühere Steingießerei im Kulturpark Dettinger hat aktuell viele Farbtupfer bekommen: Gut 15 Mitglieder des Wernauer „Atelier Couleur“ von Wolfgang Hergeth stellen ihre Kunstwerke auf Einladung der Initiative Mahlwerk unter der Federführung von Anu Paflitschek aus. „Gerti Münker aus Plochingen war bei uns in der Atelier-Gruppe die treibende Kraft“, sagt Hergeth. Mit dabei sind Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle und Arbeiten in Acryl- und Ölfarbe. Der Stil der Werke reicht vom Gegenständlichen, Altmeisterlichen bis zum Expressionistischen und Abstrakten. „Es ist unsere erste gemeinsame Ausstellung nach über zehn Jahren“, sagt Hergeth. In seiner Wernauer Werkstatt gibt der 78-Jährige seit mittlerweile 28 Jahren Malkurse, davor bereits zwölf Jahre am damaligen Standort in Oberensingen. „Das ‚Atelier Couleur‘ ist ursprünglich aus der Esslinger Schule heraus entstanden, die ich mitgegründet habe“, erzählt Wolfgang Hergeth, der von Haus aus gelernter Dekorations- und Kirchenmalermeister ist.
Mitglieder teils 40 Jahre dabei
Es habe Zeiten gegeben, als über 100 freischaffende Amateur-Künstlerinnen und -Künstler zur Atelier-Gruppe zählten, „heute sind es noch etwa 30 Malerinnen und Maler“, sagt Hergeth. Jede Woche trifft man sich in der Wernauer Werkstatt, um gemeinsam unter Anleitung des Profis zu malen. Immer zu einem wechselnden Thema und jeder in seinem individuellen Stil. Manche sind seit 40 Jahren dabei, andere seit zwei, die Altersspanne reicht von Ende 20 bis über 80. Birgit-Editha Mäder (Foto) aus Unterensingen zählt seit gut 25 Jahren zur Atelier-Gruppe: „Ich wollte das Malen als neues Hobby einfach gern von der Pike auf lernen. Ich habe damals in Wernau gewohnt und vom ‚Atelier Couleur‘ und den Kursen erfahren“, erinnert sie sich. Schön sei auch der Austausch untereinander, sagt die ehemalige Dialyse-Schwester, die die Kunst als einen für sie guten Ausgleich zum fordernden Beruf beschreibt. Günther Ulbrich hat die Malerei vor 18 Jahren für sich entdeckt. Wie bei Birgit-Editha Mäder hat auch er ein Faible für besonders farbenfrohe Bilder. Vom Stil her sage ihm die Pop-Art besonders zu, sagt der Wernauer. „Viele der Gruppe stammen aus dem Raum Kirchheim und Nürtingen“, sagt Wolfgang Hergeth. Aus Kirchheim sei bei der Ausstellung etwa Ingrid Bachthaler mit größeren Ölbildern in Pastelltönen dabei, aus Ochsenwang steuert Isolde Dicke ihre „Töpferinnen“ zur Ausstellung bei. Von Wolfgang Hergeth selbst findet sich eine großformatige, dreiteilige Serie: „Der alte Mann und das Meer“ hat er die Bilder genannt, die künstlerisch die bekannte Geschichte Ernest Hemingways aufgreifen.
Mit der Malerei aufgewachsen
„Die Literatur dient mir inhaltlich oft als Vorlage, genauso male ich aber beispielsweise auch Landschaften oder Stillleben. Die Bilder müssen eine Aussage haben, einen Inhalt.“ Er sei mit der Malerei aufgewachsen, erzählt der 78-Jährige, der unter anderem bei seinem Vater, einem gelernten Dekorationsmaler, und bei Kunstmaler Friedrich Schoch lernte. Die Ausbildung zum Dekorations- und Kirchenmalermeister führte Hergeth nach München, Stuttgart und Esslingen. Im späteren Beruf war er europaweit bei Restaurationsarbeiten im Einsatz. Seine eigene Kunst hat der in Silberbach, Böhmen, geborene Maler sogar schon in New York ausgestellt: „Die Malerei ist für mich der Puls des Lebens, mit ihr kann ich alles ausdrücken“, sagt Hergeth.
Info Die Vernissage der Ausstellung des „Atelier Couleur“ in der Steingießerei im Dettinger Park in Plochingen findet am heutigen Samstag, 8. Juni, um 16 Uhr statt. Geöffnet ist jeweils von 14 bis 18 Uhr am Sonntag, 9. Juni, und den beiden darauffolgenden Wochenenden.

