Ein munterer Abstimmungsreigen ergab sich völlig überraschend für Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht beim Tagesordnungspunkt zum Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen ab dem kommenden Schuljahr. Er hatte damit kein Problem und ließ über jeden Punkt abstimmen.
„Es kommt was auf uns zu. Heute bereiten wir den ersten Aufschlag vor – aber wir beginnen nicht bei null“, eröffnete er den Tagesordnungspunkt. Jana Reichle, Haupt- und Ordnungsamtsleiterin, berichtete daraufhin dem Gemeinderat, wie derzeit die Betreuungsangebote aussehen. „Bei sieben Ortsteilen stellt sich die Frage, wo und wie sinnvoll ein Betreuungsort aussehen soll“, gab sie zu bedenken. Derzeit gibt es Angebote an den Grundschulen in Ober- und Unterlenningen sowie in Schopfloch mit unterschiedlichen Zeiten, teilweise sogar über dem gesetzlich geforderten Maß. Um dem Gesetz Genüge zu tun, müsste Lenningen nur an einem Standort acht Stunden an fünf Werktagen eine Ganztagsbetreuung anbieten bei einer vierwöchigen Schließzeit, sprich Ferien.
In Oberlenningen haben wir einen Hort und Fachkräfte – und auch eine Ferienbetreuung.
Jana Reichle, Leiterin des Haupt- und Ordnungsamts
Aus diesem Grund schlug die Verwaltung vor, genau diese Vorgaben am Schulstandort Oberlenningen zu erfüllen. „Dort haben wir einen Hort und Fachkräfte – und auch eine Ferienbetreuung“, sagte Jana Reichle und erinnerte an den Neubau der Kita. „Der Anspruch ist absolut und der Bedarf wird wohl steigend sein. Wie wir das personell und finanziell lösen, bleibt uns überlassen“, erklärte sie. Als Nadelöhr bezeichnete sie die Personallage. „Das sind keine attraktiven Arbeitsplätze – sie sind in Früh- und Spätarbeitszeiten gestückelt und in den Ferien ganztags. Es ist sehr schwer, Personal dafür zu finden“, verdeutlichte sie.
„Wir müssen die Ganztagsbetreuung verlässlich erfüllen, das ist unser oberstes Ziel. Und wir wollen am Prinzip kurze Beine, kurze Wege festhalten. Aber an allen drei Standorten die gebundene Ganztagsbetreuung anzubieten, ist für uns auf Dauer nicht umsetzbar. Wir würden möglicherweise auch Raumprobleme bekommen“, erklärte Michael Schlecht. Die könnten zwar mit Containern aufgefangen werden, „aber wir müssen lernen, welche Bedarfe da sind“.
Den maximalen Umfang will Gretel Jaudas in Rücksprache mit den Schulleiterinnen erhalten. „Oberlenningen ist räumlich am flexibelsten“, sagte sie. Achim Mall will auf keinen Fall das Signal aussenden, nur den Standort Oberlenningen zu stärken. Für ihn sind alle drei Standorte wichtig. „Da ist Fingerspitzengefühl erforderlich. Womöglich produzieren wir unnötig Platzmangel in Oberlenningen“, plädierte er klar für die Erhaltung aller drei Ganztagsbetreuungen. „Das ist das Wichtigste – gerade für kleine Ortschaften. Da geht es auch um das Ehrenamt, das hängt mit solchen Einrichtungen zusammen“, will er kein Signal für eine Zentralisierung senden.
Gemeinderat ist Bestimmer
„Wir müssen auf Sichtweite fahren und von den Fakten ausgehen“, warf Karl Boßler ein. Er hatte die Sorge, dass mit dem Beschluss schon der Bau einer entsprechenden Einrichtung verbunden ist. Das konnte Michael Schlecht verneinen: „Es ist noch nicht entschieden, dass wir was in Oberlenningen bauen. Das muss der Gemeinderat explizit beschließen.“ Damit dies auch in trockenen Tüchern ist, gab es dazu auf Antrag eine Abstimmung, die mehrheitlich beschlossen wurde. Somit gibt es keine Zustimmung zur Realisierung eines neuen Gebäudes für die Ganztagsbetreuung. Der Schultes gab jedoch zu bedenken, dass „die Räume in absehbarer Zeit wohl nicht reichen werden“.
Er nahm aus den Aussagen der Gemeinderäte mit, dass „man sich bemüht“, neben Oberlenningen auch die zwei anderen Ganztagsbetreuungsorte Unterlenningen und Schopfloch zu erhalten. Aufgabe der Verwaltung sei es, die finanzielle Tragweite und die damit einhergehenden Personalkosten aufzuzeigen. „Es ist unser Interesse, die Standorte zu erhalten. Aber wir wissen nicht, wie sich die Bedarfe und Zahlen entwickeln – möglicherweise müssen wir den Verlust von Standorten hinnehmen. Ich weiß nicht, was auf uns zukommt“, sagte Michael Schlecht.
David Wichmann stellte ebenfalls einen Antrag, den Michael Schlecht formulierte: Lenningen ist bestrebt, die Ganztagsbetreuung auch an den Grundschulen in Unterlenningen und Schopfloch zu erhalten und ein auskömmliches Angebot aufrechtzuerhalten. Auch der wurde mehrheitlich angenommen. Die Verwaltung wird nun einen Vorschlag für die künftigen Betreuungszeiten an den drei Standorten erarbeiten und dem Gemeinderat dann vorlegen.

